[Bearbeitet von Frédéric Simon and Alice Taylor]
EU-Regeln für Sanierungs-"One-Stop-Shops" nehmen Gestalt an
Der Vorstoß für All-in-One-Vermittler:innen, die Hausbesitzer:innen bei der Planung von Renovierungsarbeiten helfen, konkretisiert sich, da die politischen Entscheidungsträger:innen bei der Überarbeitung zweier verwandter EU-Richtlinien Fortschritte erzielen.
Der Vorstoß für All-in-One-Vermittler:innen, die Hausbesitzer:innen bei der Planung von Renovierungsarbeiten helfen, konkretisiert sich, da die politischen Entscheidungsträger:innen bei der Überarbeitung zweier verwandter EU-Richtlinien Fortschritte erzielen.
Angesichts der Energiepreise, die neue Höchststände erreichen, könnten zusätzliche Gebäuderenovierungen den Kostendruck senken und gleichzeitig zum Erreichen der Klimaziele beitragen.
Dabei werden sogenannte „One-Stop-Shops“ als eine wichtige Möglichkeit angesehen, das Tempo zu beschleunigen.
„Angesichts der ehrgeizigen Renovierungsziele für das nächste Jahrzehnt“ ist es „notwendig, die Rolle unabhängiger Marktvermittler, einschließlich der zentralen Anlaufstellen, zu stärken“, heißt es in der am 13. Juli verabschiedeten Stellungnahme des Europäischen Parlaments zur überarbeiteten Energieeffizienzrichtlinie (EED).
Zentrale Anlaufstellen sind im Wesentlichen dazu da, Kund:innen einen reibungslosen Ablauf zu bieten, um sicherzustellen, dass sie am Ende eine höhere Effizienz erzielen. Es ist wie eine „Begleitung durch den Renovierungsprozess“, sagt Louise Sunderland vom Regulatory Assistance Project, einem Think-Tank für Energie und Klima.
Bisher bleiben die tatsächlichen Zahlen bei der Renovierung hinter den Zielen zurück. In ihrer Strategie für die Renovierungswelle 2020 hat sich die EU das Ziel gesetzt, jährlich 2 Prozent aller Gebäude zu renovieren.
Laut dem Buildings Performance Institute Europe „liegt die Rate der tiefgreifenden Renovierung jedoch im EU-Durchschnitt bei nur 0,2 Prozent.“
Der Gebäudebestand der EU ist für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Emissionen der EU verantwortlich, was die Renovierung zu einer wichtigen Priorität für die politischen Verantwortlichen macht.
„Gebäude stehen im Grunde im Mittelpunkt der gesamten Klimapolitik, und der derzeitige Rückstand zwingt uns, aufzuholen“, erklärte Sean Kelly, ein irischer Europaabgeordneter, der die konservative EVP-Fraktion des Parlaments bei der überarbeiteten Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD oder auch EU-Gebäuderichtlinie) vertritt.
Hindernisse überwinden
Für Hausbesitzer:innen kann sich eine Sanierung wie eine Tortur anfühlen, die mit Bürokratie, versteckten Kosten und Zeitaufwand verbunden ist.
„Es ist derzeit ein Dschungel, sich durch verschiedene [Energie-]Einsparungslösungen zu navigieren“, erklärt Pernille Weiss, eine konservative Europaabgeordnete aus Dänemark, die dem Verhandlungsteam des Europäischen Parlaments für die Überarbeitung der EED angehört.
„Das Gleiche gilt für die Erstellung von Finanzplänen auf der Grundlage der individuellen finanziellen Verhältnisse“, schrieb sie kürzlich in einem Kommentar für EURACTIV.
An dieser Stelle kommen die One-Stop-Shops ins Spiel. Unabhängig davon, ob sie privat oder staatlich betrieben werden, wird von ihnen erwartet, dass sie die Hausbesitzer:innen an die Hand nehmen und sie durch den Renovierungsprozess führen.
„One-Stop-Shops werden die Durchführung von maßgeschneiderten Energieeffizienzmaßnahmen erleichtern, beginnend mit Gebäuden mit schlechter Leistung und Haushalten, die von Energiearmut betroffen sind“, erklärt Quentin Galland, Direktor für öffentliche Angelegenheiten bei Knauf Insulation.
„Diese zentralen Anlaufstellen sollten technische Ratschläge geben, wie ein Null-Emissions-Gebäude auf einer Energieklassenskala erreicht werden kann, und zudem öffentlich über die Hindernisse berichten, die die Umsetzung des Prinzips Energieeffizienz zuerst verhindern“, erklärte er gegenüber EURACTIV.
Obwohl das Konzept vielversprechend ist, sind One-Stop-Shops immer noch eine Seltenheit.
In einem Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2018 heißt es, dass in jedem der nordischen Länder sowie in Frankreich und den Benelux-Staaten bislang nur zwei oder drei solcher Anlaufstellen eingerichtet wurden.
Brüssel als Retter in der Not?
Ursprünglich sollten One-Stop-Shops in der EU-Gebäuderichtlinie, der EPBD, behandelt werden. Doch das Europäische Parlament hat das Konzept auch in die EED aufgenommen.
„Es ist sinnvoll, dass die EPBD auf die Definition des One-Stop-Shops in der EED verweist, die bereits fraktionsübergreifende Unterstützung gefunden hat“, erklärt Sean Kelly, der irische konservative Europaabgeordnete.
Der dänische Europaabgeordnete Morten Petersen, der die Arbeit an der EPBD-Revision für die zentristische Fraktion Renew Europe leitet, warnt jedoch vor der Gefahr von Diskrepanzen.
„Wir sollten sicherstellen, dass die beiden Dossiers in diesem wie auch in anderen Punkten übereinstimmen“, sagte er gegenüber EURACTIV.
Die Version des Parlaments für den EED treibt die Idee der zentralen Anlaufstellen auf mehreren Ebenen voran.
Zum einen heißt es darin, dass die EU-Länder „das ordnungsgemäße Funktionieren des Marktes für Energiedienstleistungen unterstützen“, indem sie „unabhängige Marktvermittler, einschließlich One-Stop-Shops“ einrichten und fördern.
Darüber hinaus soll die Kommission „bewerten“, ob ein „Energieeffizienz-Mechanismus auf Unionsebene“, der technische Unterstützung – einschließlich One-Stop-Shops und damit verbundene Zuschüsse – bereitstellt, die Energie- und Klimaziele der Union „auf kosteneffiziente Weise“ unterstützen könnte.
Sollte die Antwort Ja lauten, so muss die Kommission im März 2024 einen Legislativvorschlag zur weiteren Konkretisierung der Idee annehmen.
Es ist allerdings noch unklar, ob die One-Stop-Shops die Verhandlungen mit den EU-Mitgliedsstaaten zur Fertigstellung der EED bestehen werden, die voraussichtlich vor Ende des Jahres abgeschlossen werden.
In der Zwischenzeit werden die Abgeordneten des Industrieausschusses des Europäischen Parlaments bei der Abstimmung über die überarbeitete EPBD am 26. Oktober eine zweite Chance erhalten, das One-Stop-Shop-Konzept voranzutreiben.