EU und Brasilien vertiefen Zusammenarbeit im Energiebereich [DE]

EU-Kommissar für Energie Andris Piebalgs traf sich letzte Woche (20. November 2008) mit Brasiliens Energieminister in São Paulo, um mit ihm über engere Beziehungen im Bereich Energie zu diskutieren. Das Treffen fand statt, da einige Entwicklungsländer befürchten, dass die Forderungen der EU nach strengen Nachhaltigkeitskriterien den weltweiten Handel mit Kraftstoffen auf Pflanzenbasis stark beeinträchtigen könnten.

sugar_cane_isp.jpg
sugar_cane_isp.jpg

EU-Kommissar für Energie Andris Piebalgs traf sich letzte Woche (20. November 2008) mit Brasiliens Energieminister in São Paulo, um mit ihm über engere Beziehungen im Bereich Energie zu diskutieren. Das Treffen fand statt, da einige Entwicklungsländer befürchten, dass die Forderungen der EU nach strengen Nachhaltigkeitskriterien den weltweiten Handel mit Kraftstoffen auf Pflanzenbasis stark beeinträchtigen könnten.

Die Bedeutung Brasiliens auf dem Gebiet der Biokraftstoffe, der Energiesicherheit und der Debatte um den Klimawandel mache das Land im Energiebereich zu einem privilegierten Partner der EU, sagte Piebalgs nach dem Treffen mit Brasiliens Energieminister Edison Lobão.

Die EU und Brasilien werden in den kommenden Wochen formelle Treffen auf Ministerebene abhalten, um über Regeln und gemeinsame Anstrengungen in der Forschung auf dem Gebiet der Biokraftstoffe der zweiten Generation zu diskutieren. Diese Treffen seien Teil der Vorbereitungen für den EU-Brasilien-Gipfel, der am 22. Dezember 2008 in Rio de Janeiro stattfinden wird, so die Europäische Kommission. 

Nachdem die EU ihr umstrittenes Ziel bekannt gegeben hatte, bis 2020 den Anteil von Agrar- oder Biokraftstoffen im Verkehrssektor auf 10% zu erhöhen, zeigte sich Brüssel darum bemüht, gute Beziehungen zum weltweit größten Hersteller solcher Kraftstoffe (besonders Bioethanol) zu pflegen. Das 10%-Ziel, das von den EU-Staats- und Regierungschefs im März 2007 bekannt gegeben wurde, war eine der Prioritäten des ersten EU-Brasilien-Gipfels im Juli 2007 in Lissabon (EURACTIV vom 5. Juli 2007). 

Brasilien verfüge über das weltweit größte Potenzial für erschwingliche Biokraftstoffe, sagen Experten. Die traditionellen Zuckerrohr-Kulturen in Brasilien stellen Biomasse für die Herstellung von Ethanol zur Verfügung und Sojabohnen werden zur Herstellung von Heizöl verwendet. Umweltaktivisten sind jedoch besorgt, dass der zunehmende Anbau solcher Produkte zum Anstieg der Lebensmittelpreise und zur weiteren Zerstörung von großen Flächen Regenwald führen werde, da die Entwicklungsländer versuchen würden, auf dem lukrativen EU-Markt Gewinne einzufahren. 

Das Parlament, das derzeit mit dem Rat über die Verabschiedung eines neuen EU-Gesetzes zu erneuerbaren Energien, in dem auch das 10%-Ziel festgelegt wird, verhandelt, drängt auf strengere Nachhaltigkeitskriterien, um sicherzustellen, dass solche Kraftstoffe auf Pflanzenbasis, die auf den EU-Markt gebracht werden, auf eine umweltorientierte Art und Weise hergestellt werden. Die genauen Kriterien sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden.

Viele Entwicklungsländer sagen jedoch, die EU könne nicht darüber entscheiden, wie und wo eine ihrer wichtigsten Exportpflanzen hergestellt werden soll. Außerdem seien die Nachhaltigkeitskriterien letztlich Handelsbeschränkungen. Gemeinsam mit sieben anderen Ländern, die Biokraftstoffe herstellen – Argentinien, Kolumbien, Malawi, Mosambik, Sierra Leone, Indonesien und Malaysia – warnte Brasilien die EU am 6. November, es werde Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen, wenn die EU weiterhin auf zu strenge Kriterien dränge, berichtet Reuters. 

Brasilien und andere Länder, die Biokraftstoffe herstellen, wurden außerdem von der globalen Finanzkrise hart getroffen. Pläne für die Förderung des Zuckerrohranbaus zur Herstellung von Ethanol in Höhe mehrerer Millionen Dollar wurden aufgegeben, da die Finanzmittel versiegen. Gleichzeitig gehe aus Prognosen hervor, dass die Kraftstoff-Nachfrage in reichen Ländern angesichts der Rezession zurückgehen werde, so Presseberichte.