EU verzögert Strategie zur Eindämmung von Nährstoffverlusten

Die EU-Kommission will die EU zu einem "Kreislaufsystem" für Nährstoffe machen und die Stickstoffverluste in der Landwirtschaft eindämmen. Doch eine lang erwartete Strategie zu diesem Thema lässt angesichts der bevorstehenden EU-Wahlen auf sich warten.

Euractiv.com
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Nährstoffverluste, also das Entweichen von Nährstoffen wie Stickstoff, Kalium und Phosphor aus der landwirtschaftlichen Produktion in den Boden oder das Wasser, sind eine der größten Herausforderungen für das europäische Agrar- und Ernährungssystem. [SHUTTERSTOCK/luchschenF]

Die EU-Kommission will die EU zu einem „Kreislaufsystem“ für Nährstoffe machen und die Stickstoffverluste in der Landwirtschaft eindämmen. Doch eine lang erwartete Strategie zu diesem Thema lässt angesichts der bevorstehenden EU-Wahlen auf sich warten.

Nährstoffverluste, also das Entweichen von Nährstoffen wie Stickstoff, Kalium und Phosphor aus der landwirtschaftlichen Produktion in den Boden oder das Wasser, sind eine der größten Herausforderungen für das europäische Agrar- und Ernährungssystem.

Zum einen wird Dünger ineffizient eingesetzt, wenn ein Teil der Nährstoffe, die er den Pflanzen zuführen soll, verloren geht. Dieses Problem ist angesichts der hohen Düngemittelpreise und der Bestrebungen, die Abhängigkeit von russischen Düngemitteln zu verringern, besonders akut.

Zum anderen führt das Entweichen von Stoffen wie Stickstoff auch zu einer Verschmutzung von Böden, Wasser und Luft.

In ihrer Farm-to-Fork-Strategie hat die Europäische Kommission daher das Ziel formuliert, die Nährstoffverluste bis 2030 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren, was den Einsatz von Düngemitteln um mindestens 20 Prozent senken würde.

„Es ist möglich, die schädlichen Auswirkungen des Stickstoffkreislaufs zu verringern, ohne die Gesamtziele zu gefährden“, erklärte Fabien Santini, stellvertretender Abteilungsleiter in der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission (GD Agri), kürzlich auf einer Veranstaltung im Europäischen Parlament.

Plan für Nährstoffmanagement steht noch aus

Doch trotz der EU-Wahlen im kommenden Juni hat die EU-Kommission ihren lang erwarteten Aktionsplan für besseres Nährstoffmanagement (INMAP) noch nicht vorgelegt und, wie Santini bestätigte, auch keinen Termin für dessen Vorlage genannt.

„Wir haben kein Datum für die Veröffentlichung dieses Dokuments“, sagte er und fügte hinzu, dass dies nicht die Bedeutsamkeit des Themas in Frage stelle.

Interessenvertreter und Forscher bezweifeln jedoch zunehmend, dass die Strategie, für die die vorbereitende öffentliche Konsultation bereits im Sommer 2022 abgeschlossen wurde, noch vor Ende der Amtsperiode erscheinen wird.

In einem Schreiben an die Kommission von Mitte September betonten 14 NGOs und mehrere Wissenschaftler die Notwendigkeit, „sicherzustellen, dass dieses Schlüsselelement des europäischen Green Deals rasch umgesetzt wird.“ Angesichts der hohen Nährstoffverluste bestehe „dringender Handlungsbedarf“, argumentierten die Verfasser des Schreibens.

Die Besorgnis über den Nährstoff-Aktionsplan rührt daher, dass mehrere Schlüsselakte des Green Deal in der Landwirtschaft, wie zum Beispiel das Gesetz über nachhaltige Lebensmittelsysteme und große Teile der versprochenen Tierschutzreform, nicht im jüngsten Arbeitsprogramm der Kommission für die Zeit bis zu den Wahlen enthalten sind.

„Enorme Verluste“

Wim de Vries, Professor an der Universität Wageningen, betonte auf der Veranstaltung, dass die Effizienzsteigerung beim Düngemitteleinsatz einer der wichtigsten Faktoren für ein besseres Nährstoffmanagement ist.

„Wenn man Stickstoff nicht recycelt, landen von 100 Kilogramm Stickstoff [der als Dünger ausgebracht wird] nur 14 Kilogramm auf dem Teller“, erklärte er. „Das sind enorme Verluste.“

Diese Verluste, fügte er hinzu, entstehen durch Lebensmittelverschwendung und Ernteverluste, aber vor allem auch bei der Verwendung von Düngemitteln.

Der Stickstoff, der in verschiedenen Formen in die natürliche Umwelt gelangt, hat nach Angaben des Forschers verschiedene negative Auswirkungen. Als Ammoniak freigesetzt, wirkt er sich negativ auf die Artenvielfalt aus, während Gase wie Lachgas die globale Erwärmung vorantreiben.

„Schließlich wird auch die Wasserqualität durch Stickstoff und Phosphor verschlechtert“, fügte er hinzu.

Santini betonte auch den „Zusammenhang zwischen Lebensmittelverschwendung und Nährstoffmanagement“ und verwies auf die kürzlich von der Kommission vorgeschlagenen Ziele zu diesem Thema.

Im Juli legte die Kommission einen Vorschlag vor, der rechtlich verbindliche EU-weite Ziele für die Verringerung der Lebensmittelverschwendung vorsieht.

„Darüber sollten wir auch nachdenken“, sagte Santini.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]