EU-Wahl: In Tschechien steht populistische ANO an der Spitze der Umfragen

Die populistische Partei des umstrittenen ehemaligen Ministerpräsidenten Andrej Babiš, ANO, liegt in den Umfragen für die EU-Wahl derzeit vorne. Die konservative Koalition Spolu von Ministerpräsident Petr Fiala liegt hingegen nur an zweiter Stelle.

EURACTIV.cz
This article is part of our special report "Die Europawahlen aus Sicht der EU-Hauptstädte"
Im Vorfeld der Europawahlen hat sich die ANO des ehemaligen Ministerpräsidenten Andrej Babiš (Bild) allmählich zu einem der schärfsten Kritiker der EU entwickelt. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Die populistische Partei des umstrittenen ehemaligen Ministerpräsidenten Andrej Babiš, ANO, liegt in den Umfragen für die EU-Wahl derzeit vorne. Die konservative Koalition Spolu von Ministerpräsident Petr Fiala liegt hingegen nur an zweiter Stelle.

Sowohl ANO steht in den jüngsten Umfragen von STEM für CNN Prima News bei 23,1 Prozent, dicht gefolgt von dem Wahlbündnis Spolu, das auf insgesamt 21,5 Prozent kommt. Beide Parteien würden demnach sechs Sitze im Europäischen Parlament erhalten.

Die liberale STAN (Unabhängig) käme auf 10,3 Prozent der Stimmen und drei Sitze. Die rechts-außen Koalition aus Freiheit und direkte Demokratie und Trikolora (ID) käme mit 9,5 Prozent auf den vierten Platz, dicht gefolgt von den Piraten (Grüne/EFA) mit 9,4 Prozent und jeweils zwei Sitzen. Die links-außen Koalition Stačilo! (Linke) liegt in der Umfrage derzeit bei 8,1 Prozent der Stimmen und würde zwei Sitze erhalten.

STEM-Direktor Martin Buchtík glaubt jedoch, dass ANO einige potenzielle Wähler an das rechte Bündnis Freiheit und direkte Demokratie verloren zu haben scheint.

„Wir können sagen, dass der Erfolg von Freiheit und direkte Demokratie in gewissem Maße auf Kosten der ANO gehen könnte“, sagte er gegenüber CNN Prima News.

Im Vorfeld der Europawahlen hat sich die ANO, die ebenso wie die FDP zur Partei der europäischen Liberalen ALDE gehört, allmählich zu einem der schärfsten Kritiker der EU entwickelt.

Sie lehnt den Green Deal der EU und den kürzlich verabschiedeten Migrations- und Asylpakt entschieden ab und bedient sich dabei der gleichen Rhetorik wie die rechtsextreme Partei Freiheit und direkte Demokratie.

Viele Menschen sind auch zwischen Spolu und STAN hin- und hergerissen.

„Im Moment tendieren mehr Menschen zu Spolu, was STAN im Wesentlichen die Unterstützung entzieht“, sagte Buchtík und fügte hinzu, dass sich die Situation in der letzten Woche vor den Wahlen noch ändern könne.