EZB-Chefin: Trumps Eingriffe in US-Geldpolitik bedrohen Weltwirtschaft
Donald Trumps Bestrebungen, seinen Einfluss auf die US-Geldpolitik massiv auszubauen, gefährden nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowohl die amerikanische als auch die globale Wirtschaft.
Donald Trumps Bestrebungen, seinen Einfluss auf die US-Geldpolitik massiv auszubauen, gefährden nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowohl die amerikanische als auch die globale Wirtschaft.
„Sollte er [Trump] damit Erfolg haben, wäre dies eine sehr ernste Gefahr“, sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber dem französischen Radiosender Radio Classique am Montag.
Ihre Aussagen folgen auf Trumps überraschende Entscheidung, in der vergangenen Woche US-Notenbankgouverneurin Lisa Cook zu entlassen – ein Schritt, der unter Ökonomen Alarm auslöste, weil er die Unabhängigkeit der wichtigsten Zentralbank der Welt gefährden könnte.
Cook, enge Vertraute von Fed-Chef Jerome Powell, hat bislang ihren Rücktritt verweigert. Powell war wiederholt ins Visier Trumps geraten, weil er sich seit dessen Rückkehr ins Weiße Haus im Januar weigerte, die Zinsen zu senken, um die US-Wirtschaft anzukurbeln.
Die US-Notenbank dürfte im kommenden Jahr jedoch rasch die Zinsen senken, da Sorgen um ein schwaches Wachstum inzwischen schwerer wiegen als die Furcht vor einem neuen Inflationsschub durch Trumps Zölle.
„Die Hürde, um eine Zinssenkung der Fed am 17. September zu verhindern, scheint hoch zu sein“, erklärten Analysten der Deutschen Bank am Montag. Anleger rechneten derzeit mit insgesamt 140 Basispunkten (1,4 Prozentpunkten) an Zinssenkungen bis Ende 2026, so die Bank.
Ein derartiges Ausmaß an Lockerung habe es seit den 1980er-Jahren nur in Rezessionen gegeben, betonte die Deutsche Bank.
Die EZB hingegen dürfte ihren Leitzins auf der Sitzung in der kommenden Woche bei zwei Prozent belassen – deutlich unter dem aktuellen US-Leitzins von 4,25 bis 4,5 Prozent.
Lagarde äußerte zudem „Besorgnis“ über die Auswirkungen der politischen Turbulenzen in Frankreich auf die Eurozonen-Wirtschaft. Premier François Bayrou dürfte am 8. September ein Misstrauensvotum verlieren, nachdem sein Sparkurs auf breiten Widerstand gestoßen war.
Bayrous überraschende Entscheidung, die Vertrauensfrage zu stellen, hatte vergangene Woche zu einem Einbruch bei französischen Aktien und Anleihen geführt. Der Renditeabstand zwischen französischen und italienischen Staatsanleihen fiel auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten – obwohl Italien von Investoren traditionell als deutlich riskanter angesehen wird.
Lagarde relativierte jedoch Befürchtungen, ein möglicher Sturz der französischen Regierung – der dritte innerhalb eines Jahres – könnte eine neue Eurokrise auslösen.
„Ich bin der Überzeugung, dass das französische Bankensystem heute in besserer Verfassung ist als während der letzten großen Finanzkrise – gut strukturiert, gut beaufsichtigt und mit verantwortungsvoll handelnden Akteuren“, sagte sie.
(mm, jl)