EZB kündigt weitere Zinserhöhung im März an

Die Europäische Zentralbank hob am Donnerstag (2. Februar) die Zinssätze um 0,5 Prozent an und kündigte ausdrücklich mindestens eine weitere Anhebung in derselben Größenordnung im nächsten Monat an. Dabei bekräftigte sie, den Kurs im Kampf gegen die hohe Inflation beizubehalten.

EURACTIV.com with Reuters
Lagarde 2 Feb 2023
Lagarde 2 Feb 2023 [<a href="https://epaimages.com/" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL</a>]

Die Europäische Zentralbank hob am Donnerstag (2. Februar) die Zinssätze um 0,5 Prozent an und signalisierte mindestens eine weitere Anhebung in derselben Größenordnung im nächsten Monat.

Dabei bekräftigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, den Kurs im Kampf gegen die hohe Inflation beizubehalten.

Die Finanzmärkte interpretierten diesen Schritt jedoch sofort als Hinweis darauf, dass die Zinserhöhungen tatsächlich bald enden könnten – ähnlich wie am Mittwoch (1. Februar), als der Chef der US-Notenbank Jerome Powell sagte, es gebe Anzeichen für eine nachlassende Inflation.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters nach der Sitzung wiesen drei EZB-Entscheidungsträger die Reaktion der Märkte zurück und sagten unter der Bedingung der Anonymität, dass sie mindestens eine weitere Zinserhöhung im Mai erwarten würden.

Lagarde widersprach auch der Interpretation, dass der Schritt vom Donnerstag bedeute, dass sich der Zinserhöhungszyklus dem Ende nähere.

„Nein. Wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, wir wissen, dass wir noch nicht fertig sind“, sagte sie auf einer Pressekonferenz und wiederholte das Mantra der Bank, dass sie im Kampf um die Rückführung der Inflation auf ihr Ziel von etwa 2 Prozent „auf Kurs bleiben“ werde.

Die EZB hat die Zinssätze in einem Rekordtempo erhöht, um die steigenden Preise zu bekämpfen, die unter anderem auf die Folgen der COVID-19-Pandemie und die Energiekrise nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine vor fast einem Jahr zurückzuführen sind.

Am Donnerstag hob die Zentralbank der 20 Euroländer den Zinssatz für Bankeinlagen um einen weiteren halben Prozentpunkt auf 2,5 Prozent an und folgte damit ihren Ankündigungen vom Dezember, sowie den Markterwartungen.

Lagarde erklärte, dass die nächste Zinserhöhung in der gleichen Größenordnung erfolgen würde, ließ aber weitere Optionen offen. Laut den drei politischen Entscheidungsträger könnte die Zinserhöhung im Mai 25 oder 50 Basispunkte betragen.

„Der EZB-Rat beabsichtigt, die Zinssätze auf seiner nächsten geldpolitischen Sitzung im März um weitere 50 Basispunkte anzuheben, und wird dann den weiteren geldpolitischen Kurs bewerten“, so die EZB.

Carsten Brzeski, Leiter für Makroökonomie bei der ING Bank, sagte, die EZB öffne „die Tür für eine Pause oder ein langsameres Tempo der Zinserhöhung nach März.“ Diese Ansicht spiegelte sich auch in den Marktbewegungen wider, weshalb die Zinsen für 10-jährige deutsche Staatsanleihen um 15 Basispunkte auf 2,14 Prozent fielen.

Die Diskrepanz zwischen der EZB-Botschaft und der Marktinterpretation spiegelte die Situation vom Mittwoch wider, als die amerikanische Zentralbank FED das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamte und einräumte, dass eine absinkende Inflation im Gange sei, gleichzeitig aber bekräftigte, dass die Kreditkosten weiter steigen müssten.

Die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen sanken um 3 Basispunkte auf 3,36 Prozent, nachdem sie am Mittwoch nach der FED-Sitzung um bis zu 13 Basispunkte gefallen waren.

Unabhängig davon forderte der Internationale Währungsfonds die Zentralbanken in einem am Donnerstag veröffentlichten Blog auf, „die wahrscheinliche Notwendigkeit längerer Zinserhöhungen zu kommunizieren“, um die Inflation nachhaltig auf das Zielniveau zurückzuführen.

Lagarde betonte, dass sie für die Eurozone nicht behaupten würde, dass eine Disinflation bereits begonnen habe.

„Wir haben immer noch zugrundeliegende Inflationsfaktoren, die stark und solide sind und sich nicht bewegen, also müssen wir unsere Arbeit tun“, sagte sie und fügte hinzu, dass die nächste Zinserhöhung nach März im Mai 25 Basispunkte, 50 Basispunkte oder was auch immer erforderlich ist, betragen könnte.

Vor dieser Entscheidung rechneten Anleger:innen und Ökonom:innen damit, dass die EZB ihren Einlagensatz im März um weitere 50 Basispunkte anheben und bis zum Sommer auf einen Höchststand von 3,25 oder 3,50 Prozent bringen würde, was den höchsten Wert seit der Jahrhundertwende darstellen würde.

Ausblick

Lagarde sagte, dass die Aussichten für Wachstum und Inflation weniger besorgniserregend geworden seien und dass die Risiken für beide Bereiche nun „ausgewogener“ seien als im Dezember.

Die Eurozone konnte in den letzten drei Monaten des Jahres 2022 unerwartet ein Wachstum verzeichnen, was jedoch größtenteils auf einen außergewöhnlich milden Winter und eine herausragende Wirtschaftsleistung Irlands zurückzuführen ist.

„Die Wirtschaft hat sich als widerstandsfähiger erwiesen als erwartet und dürfte sich in den kommenden Quartalen erholen“, so Lagarde.

Die Gesamtinflation ist seit ihrem Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober rapide zurückgegangen, doch die Kernpreise, bei denen volatile Posten wie Lebensmittel und Kraftstoffe nicht berücksichtigt werden, sind stetig gestiegen.

Und eine EZB-Umfrage ergab, dass Banken den Zugang zu Krediten so stark einschränkten wie seit der Schuldenkrise 2011 nicht mehr – was Lagarde als Zeichen dafür wertete, dass die Zinserhöhungen der EZB die gewünschte Wirkung auf die Wirtschaft haben.

„Auch die Risiken für die Inflationsaussichten sind ausgewogener geworden, insbesondere auf kurze Sicht“, sagte Lagarde.

Die EZB gab weitere Einzelheiten zu ihren Plänen bekannt, Anleihen im Wert von 5 Billionen Euro abzubauen, die sie in den letzten zehn Jahren angehäuft hat, um die damals zu niedrige Inflation anzukurbeln.