Gescheiterte Gasprojekte haben die EU 440 Millionen Euro gekostet, zeigt eine neue Studie

In weniger als einem Jahrzehnt hat die Europäische Union 440 Millionen Euro für Gaspipelines ausgegeben, die entweder nie fertiggestellt wurden oder wahrscheinlich nicht benutzt werden, so eine neue Studie.

EURACTIV.com
epa07962862 Gas pipes and associated specific gear are pictured prior to the inauguration ceremony of the Podisor gas compression facility, part of the BRUA pipeline project, near Podisor village, 50 Km south-west from Bucharest, Romania, 31 October 2019. The Bulgaria-Romania-Hungary-Austria (BRUA) pipeline project, formally conceived in 2016 and partially sponsored by the European Union, is projected to deliver 4.4 billion cubic meters per year to the prominent regional hub located in Baumgarten, Austria, in 2022. The Romanian pipe sector will have 479 Km when it will be finished, and three compression facilities, the project being developed by Transgaz, the technical operator of the national natural gas transmission system in Romania. The first phase of the pipeline is expected to be operational by the end of 2019 and the second phase by 2022.  EPA-EFE/ROBERT GHEMENT
Insgesamt wurden seit 2013 fast fünf Milliarden Euro an EU-Steuergeldern für 41 Gasprojekte wie Pipelines oder Importterminals ausgegeben, die als "Projects of Common Interest" (PCIs) bekannt sind, so die Studie von Global Witness. [<a href="https://webgate.epa.eu/?16634349628007773501&MEDIANUMBER=55591957" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/ROBERT GHEMENT</a>]

In weniger als einem Jahrzehnt hat die Europäische Union 440 Millionen Euro für Gaspipelines ausgegeben, die entweder nie fertiggestellt wurden oder wahrscheinlich nicht benutzt werden, so eine neue Studie, die am Montag (22. Februar) veröffentlicht wurde.

Insgesamt wurden seit 2013 fast fünf Milliarden Euro an EU-Steuergeldern für 41 Gasprojekte wie Pipelines oder Importterminals ausgegeben, die als „Projects of Common Interest“ (PCIs) bekannt sind, so die Studie von Global Witness.

Davon wurden schätzungsweise 440 Millionen Euro für sieben Gasprojekte ausgegeben, die entweder gescheitert sind oder auf Eis gelegt wurden, so die NGO Global Witness.

Der größte Teil dieser Summe – über 430 Millionen Euro – wurde für die BRUA-Pipeline ausgegeben, die Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich mit den Gasreserven im Schwarzen Meer verbinden sollte.

Forschungsarbeiten für Offshore-Gas in der Wirtschaftszone im Schwarzen Meer – in Bulgarien und Rumänien – war bereits in der Vergangenheit ein brisantes Thema. Im Falle Bulgariens stehen die Arbeiten komplett still.

Entwickelt, um Europas Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, soll BRUA in der ersten Phase 1,75 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren, was schätzungsweise 479 Millionen Euro gekostet hat.

Ein Abschnitt der Pipeline wurde im November 2020 fertiggestellt, liegt aber komplett in Rumänien und erreicht weder das Schwarze Meer noch die Nachbarländer.

Investoren sind nun besorgt, dass BRUA kein Gas aus dem Schwarzen Meer transportieren wird, nachdem Exxon – das den größten Teil des Projekts leitete – angekündigt hat, seine Lizenz verkaufen zu wollen.

Auch die Pläne, BRUA nach Ungarn zu erweitern, wurden im April letzten Jahres verworfen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Pipeline nun Gas aus dem Schwarzen Meer transportieren wird – was deutlich hinter den ursprünglichen Ambitionen des Projekts zurückbleibt.

Die anderen sechs Projekte sind:

Projektauswahl in der Kritik

Global Witness warnt Europa nun davor, bei der Auswahl der nächsten Reihe von Projekten im Rahmen der aktualisierten EU-Verordnung zu den transeuropäischen Energienetzen (TEN-E) die gleichen Fehler zu wiederholen.

Laut Global Witness ist das Scheitern dieser Projekte zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die TEN-E-Leitlinien den Gasunternehmen – vertreten durch ENTSOG, den Verband der Gasfernleitungsnetzbetreiber – eine Rolle bei der Auswahl der Infrastrukturprojekte zugesteht, die in die engere Wahl kommen, um öffentliche Mittel der EU zu erhalten.

„Es ist unglaublich, dass die Kommission wirklich davon ausgeht, dass dies ein fairer Prozess sei, um zu entscheiden, wie öffentliche Gelder ausgegeben werden. Wenn Unternehmen, die direkt davon profitieren, am Entscheidungsprozess beteiligt sind, ist es wenig überraschend, dass so viel von diesem entscheidenden Geld verschwendet wird“, sagte Jonathan Gant, Senior Gas Campaigner bei Global Witness.