Fallende Emissionen bringen Frankreich näher an Erreichen der Klimaziele
Neue Zahlen zeigen, dass Frankreichs Emissionen über das letzte Jahr um 5,8% gefallen sind, womit das Land näher an die Erfüllung seiner Klimaziele rückt. Der Präsident und seine Unterstützer zeigten sich euphorisch, doch Umweltorganisationen sehen keinen langfristigen Trend.
Neue Zahlen zeigen, dass Frankreichs Emissionen über das letzte Jahr um 5,8% gefallen sind, womit das Land näher an die Erfüllung seiner Klimaziele rückt. Der Präsident und seine Unterstützer zeigten sich euphorisch, doch Umweltorganisationen sehen keinen langfristigen Trend.
„Das ist beispiellos“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch (22. Mai) auf X, als er die Zahlen der CITEPA, der für die Überwachung der französischen Treibhausgasemissionen zuständigen Behörde, vorstellte.
Die offiziellen Zahlen der CITEPA zeigen, dass Frankreich seine Treibhausgasemissionen zwischen 2022 und 2023 um 5,8 Prozent reduziert hat.
Wenn diese Reduktionsrate beibehalten wird, könnte Frankreich seine nationalen, europäischen und internationalen Dekarbonisierungsziele erreichen, die im Pariser Abkommen festgelegt wurden.
Die Emissionsreduktion für 2023 folgt auf eine Reduktion von 2,7 Prozent im Jahr 2022. Zwischen 2017 und 2023 sind damit die französischen Emissionen von 460 Millionen Tonnen CO2 auf 370 Millionen Tonnen gesunken, was einem Rückgang von rund 20 Prozent entspricht.
„Das ist das Ergebnis unserer Maßnahmen in Frankreich und in Europa. Es funktioniert“, sagte der französische Europaabgeordnete Pascal Canfin auf X, Vorsitzender des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments.
Die Reaktion von Umweltorganisationen war jedoch zurückhaltender.
„Ein wenig Bescheidenheit wäre angebracht“, schrieb Anne Bringault, Programmdirektorin des Climate Action Network, auf X.
Der Rückgang der Treibhausgasemissionen in Frankreich sei zwar eine gute Nachricht, aber man müsse auch die Ursachen analysieren, bevor man sich selbst gratuliere.
Eine Kombination von Faktoren, sagen NGOs
Der Rückgang im Jahr 2023 sei größtenteils darauf zurückzuführen, dass die Hälfte der französischen Atomkraftwerke 2022 abgeschaltet wurde, wodurch das Land gezwungen war, Strom aus fossilen Brennstoffen zu importieren und wiederzuverwerten, erklärte Bringault.
Die Industrie verzeichnete einen Rückgang der Emissionen um 9 Prozent im Jahr 2023, aber Bringault führte dies hauptsächlich auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität zurück und nicht auf strukturelle Verbesserungen der Klimaauswirkungen der Industrie.
Nicht alle Sektoren verzeichnen einen starken Rückgang, weder strukturell noch anderweitig. So gingen die Emissionen des Verkehrs nur um 3 Prozent zurück. Schlimmer noch, der Flugverkehr verzeichnete einen Anstieg der Treibhausgasemissionen um 16 Prozent.
Mit anderen Worten: „Dieser Weg [des Emissionsrückgangs] wird nur dann nachhaltig sein, wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden“, warnte Bringault.
Europäische Ziele
Bis 2030 will Frankreich seine Treibhausgasemissionen um 50 Prozent (55 Prozent netto) gegenüber dem Niveau von 1990 reduzieren – im Einklang mit den Zielen des europäischen Green Deal.
Mit einer jährlichen Reduktionsrate von 5,8 Prozent kann Frankreich dieses Ziel erreichen. Dies ist allerdings nur der Fall, wenn diese strukturell wird – das heißt, wenn Frankreich jedes Jahr ähnliche Reduktionen erzielt.
Auch Deutschland vermeldete zuletzt einen Rückgang der Emissionen auf Rekordniveau – um 10,1 Prozent bis 2023 und um 46 Prozent seit 1990. Die Bundesregierung hält nun erstmals auch die Klimaziele für 2030 für erreichbar.
Mit den aktuellen Plänen werden die 27 EU-Mitgliedsstaaten ihre Emissionen bis 2030 aber insgesamt nur um 51 Prozent reduzieren und damit das Ziel von 55 Prozent verfehlen.
[Bearbeitet von Donagh Cagney/Zoran Radosavljevic]