Fast die Hälfte der ukrainischen Flüchtlinge will in Deutschland bleiben

Eine am Mittwoch (12. Juli) veröffentlichte Studie zeigt, dass Deutschland bei der Integration von ukrainischen Flüchtlingen Fortschritte macht. Eine immer größere Anzahl von ihnen will in Deutschland bleiben. Und auch die Arbeitsbereitschaft nimmt zu.

Euractiv.com
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Nach Recherchen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beabsichtigen 44 Prozent der Ukrainer, langfristig in Deutschland zu bleiben - 5 Prozent mehr als bei der ersten Befragungsrunde, die im Sommer 2022 durchgeführt wurde. [Shutterstock/Alonafoto]

Eine am Mittwoch (12. Juli) veröffentlichte Studie zeigt, dass Deutschland bei der Integration von ukrainischen Flüchtlingen Fortschritte macht. Eine immer größere Anzahl von ihnen will in Deutschland bleiben. Und auch die Arbeitsbereitschaft nimmt zu.

Nach Recherchen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beabsichtigen 44 Prozent der Ukrainer, langfristig in Deutschland zu bleiben – 5 Prozent mehr als bei der ersten Befragungsrunde, die im Sommer 2022 durchgeführt wurde.

„Familiäre Aspekte sind hier besonders relevant, zum Beispiel, ob ein Kind oder der Partner noch in der Ukraine lebt. Wenn diese Konstellation vorliegt, ist die Bleibetendenz entsprechend geringer“, sagte Markus M. Grabka, einer der Autoren der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIW.

Aufgrund der russischen Invasion dürfen Ukrainer derzeit bis März 2024 unter einem besonderen Schutzstatus in der Europäischen Union bleiben.

Allein im Jahr 2022 sind rund 1,1 Millionen Ukrainer nach Deutschland geflüchtet, womit sie derzeit die zweitgrößte Einwanderergruppe im Land sind. Da Männer die Ukraine nur unter bestimmten Bedingungen verlassen dürfen, sind 63 Prozent der Flüchtlinge Frauen und 35 Prozent Minderjährige.

Integration durch Perspektiven in Deutschland gefördert

Die Integration der ukrainischen Flüchtlinge in die Gesellschaft ist vielversprechend, so die Experten der Studie.

„Das Zwischenfazit ist durchaus ermutigend – die gesellschaftliche Teilhabe hat zuletzt deutliche Fortschritte gemacht“, sagte Grabka.

Die Studie verzeichnete einen Anstieg der Ukrainer, die Deutsch- und Integrationskurse besucht haben, von der Hälfte der Befragten vor einem Jahr auf drei Viertel Anfang 2023. Die Zahl der Menschen ohne Deutschkenntnisse ist um mehr als die Hälfte gesunken.

Die Autoren machen zudem eine positive Korrelation zwischen der Absicht zu bleiben und dem Besuch von Kursen sowie den Sprachkenntnissen aus. Sie glauben, dass die Aussicht, sich eine Zukunft im Land aufzubauen, ein Anreiz zur Integration darstellt.

Der Trend deutet darauf hin, dass sich der Sonderweg für ukrainische Flüchtlinge ausgezahlt hat. Die Neuankömmlinge aus dem Land werden unter Bedingungen geschützt, die von der regulären Asylregelung abweichen. Dies ermöglicht es ihnen, in privaten Unterkünften zu wohnen, wie es die meisten Befragten taten, und Arbeit zu suchen.

Während nur 18 Prozent der Ukrainer arbeiteten, beabsichtigen mehr als zwei Drittel derjenigen, die nicht arbeiteten, dies bald zu tun. Sowohl die Beschäftigung als auch die Qualität der Unterkunft sind mit einer größeren Bereitschaft zum Bleiben verbunden.

Kinderbetreuung und Sicherheit erforderlich

Die Integration von Ukrainern sei jedoch noch kein „Selbstläufer“, warnte Yuliya Kosyakova, Migrationsexpertin beim IAB und Mitautorin der Studie.

Die Studie wies auf die Notwendigkeit hin, die Kinderbetreuungsangebote zu verbessern, um das Erlernen der Sprache und die Beschäftigung der zahlreichen Frauen mit Kindern zu fördern.

„[Ukrainische Geflüchtete] benötigen Planungssicherheit, ob sie sich in Deutschland langfristig aufhalten dürfen – auch wenn der Krieg beendet sein wird. Gerade für den Deutscherwerb und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sind die Perspektiven enorm wichtig“, fügte Kosyakova hinzu. Der aktuelle Schutzstatus läuft bis 2024, kann aber je nachdem, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt, verlängert werden.

[Bearbeitet von Oliver Noyan/Benjamin Fox]