Finnland und Norwegen: Schienenausbau fürs Militär
Finnland und Norwegen planen, die Schienen- und Straßenverbindungen zwischen beiden Staaten zu verbessern, erklärte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre während des Staatsbesuchs des finnischen Präsidenten. Der Infrastrukturausbau diene der militärischen Mobilität.
Finnland und Norwegen planen, die Schienen- und Straßenverbindungen zwischen beiden Staaten zu verbessern, erklärte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre während des Staatsbesuchs des finnischen Präsidenten. Der Infrastrukturausbau diene der militärischen Mobilität.
„Die Zusammenarbeit bei Straßen- und Schienenverbindungen für militärische Zwecke ist im Gange“, sagte Gahr Støre auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (16. Oktober).
Angesichts der Tatsache, dass die Grenze zwischen Finnland und Norwegen 700 Kilometer lang ist, betonte der norwegische Ministerpräsident, dass die beiden Staaten die Auswirkungen auf die Verteidigungsplanung und die Infrastruktur erörtern müssten.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass Finnland wie eine Insel ist. Wir brauchen auch Zugang zum Norden über Norwegen“, fügte der finnische Präsident Alexander Stubbs hinzu.
Der Schritt ist Teil der EU-Initiative zur militärischen Mobilität. Diese zielt darauf ab, Bürokratie abzubauen, gemeinsame Standards zu entwickeln und Routen zwischen den Mitgliedern der Initiative zu ermitteln, um Verzögerungen zu reduzieren und den Transport von Truppen und Ausrüstung zu erleichtern.
Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 hat die militärische Mobilität in ganz Europa an Bedeutung gewonnen. Die Verbündeten der Ukraine mussten alle Arten von Verteidigungsausrüstung quer durch die EU oder von der anderen Seite des Atlantiks schicken.
Das militärische Mobilitätsprogramm der EU hat sich zu einem ihrer Vorzeigeprojekte entwickelt. Nacheinander haben sich auch Drittstaaten wie die USA, Kanada, Norwegen und das Vereinigte Königreich der Initiative angeschlossen.
Auch die Türkei hat Interesse bekundet, hat jedoch noch nicht von allen EU-Mitgliedstaaten Zustimmung erhalten. Zypern hat sich bisher aufgrund des anhaltenden Streits mit der Türkei gegen eine Teilnahme Ankaras ausgesprochen.
Die Schweiz erwägt noch, ob sie der Initiative beitreten soll.
NATO-Neulinge
Stubb zufolge könne Finnland viel von Norwegen lernen, das schon seit langem Mitglied der NATO ist.
Kurz nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 beantragten Finnland und Schweden den Beitritt zur NATO. Finnland trat im März 2023 bei, Schweden ein Jahr später. Für Schweden bedeutete dies das Ende einer 200 Jahre andauernden militärischen Neutralität.
„Es ist klar, dass aus militärstrategischer Sicht unsere engsten Verbündeten Norwegen und Schweden sind“, erklärte Stubb während der Pressekonferenz.
Laut dem finnischen Präsidenten haben die drei nordischen Staaten viel gemeinsam. Ihre Verteidigungsministerien arbeiteten derzeit daran, welche Art von Verteidigungsorganisation sie entwickeln werden.
Im vergangenen Monat hat Finnland Schweden gebeten, ein NATO-Hauptquartier in Nordfinnland zu betreiben, um seine Verteidigung gegen das Nachbarland Russland zu stärken. Schweden hatte zuvor den Wunsch geäußert, sich an der Konsolidierung der Infrastruktur und der Zusammenarbeit in der Region zu beteiligen.
Der norwegische Ministerpräsident erklärte, sein Land werde Truppen ins neue NATO-Hauptquartier im finnischen Lappland entsenden, nannte jedoch keine genaue Zahl.
Eingefrorene nachbarschaftliche Beziehungen
Stubb und Gahr Støre waren sich einig, dass die Beziehungen zu Russland in den kommenden Jahren eingefroren bleiben werden.
„Es ist schwer optimistisch zu sein, dass wir in naher Zukunft eine Rückkehr zu einer normaleren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit [mit Russland] erleben werden, wie wir sie vor zehn bis 15 Jahren hatten“, sagte Gahr Støre.
Stubb nannte außerdem drei Faktoren, die Finnlands Annahmen über Russland beeinflussen: die Fortsetzung der russischen Außenpolitik, die auf dem Ansatz des Nullsummenspiels basiert, das Fortbestehen Russlands als autoritärer Staat und das Ausmaß, in dem Russland seine militärischen Fähigkeiten auf das Niveau vor dem Ukrainekrieg zurückgeführt hat.
„Dies schließt jedoch nicht aus, dass nach Kriegsende Wege gefunden werden müssen, um langfristig mit Russland zusammenzuarbeiten“, fügte Stubb hinzu.
*Aurélie Pugnet hat zur Berichterstattung beigetragen
[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]