Forscher: EU-Meeresschutzgebiete sind zu schwach
Die Meeresschutzgebiete der EU bieten nur einen schwachen Schutz vor menschlichen Aktivitäten wie Bergbau und Grundschleppnetzfischerei und tragen laut einer wissenschaftlichen Studie nicht zum Ziel der EU bei, bis 2030 30 Prozent ihrer Meere unter Schutz zu stellen.
Die Meeresschutzgebiete der EU bieten nur einen schwachen Schutz vor menschlichen Aktivitäten wie Bergbau und Grundschleppnetzfischerei und tragen laut einer wissenschaftlichen Studie nicht zum Ziel der EU bei, bis 2030 30 Prozent ihrer Meere unter Schutz zu stellen.
„Damit die Meeresschutzgebiete der EU den erwarteten sozialen und ökologischen Nutzen erbringen können, sollte ihre Rolle bei der Regulierung menschlicher Aktivitäten zur Begrenzung ihrer negativen Auswirkungen umfassend hinterfragt werden,“ erklärten die Autoren einer wissenschaftlichen Studie, die im August in der Zeitschrift One Earth veröffentlicht wurde.
Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben Meeresschutzgebiete als Zonen ausgewiesen, in denen der Schutz der marinen Biodiversität Priorität hat.
Die Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass die meisten von ihnen keinen ausreichenden Schutz bieten, um die Erhaltungsziele der EU zu erreichen.
Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 ist es, 30 Prozent der Meere als Meeresschutzgebiete auszuweisen. Davon sollen zehn Prozent pro Region unter strengem Schutz stehen.
Während Meeresschutzgebiete im Jahr 2022 11,4 Prozent der EU-Gewässer ausmachten, sind laut der Studie nur 1,5 Prozent dieser Gebiete – also nur 0,2 Prozent der gesamten EU-Gewässer – stark geschützt (vollständiger und hoher Schutz).
Am anderen Ende der Skala waren „86 Prozent der […] EU-Gewässer, die von Meeresschutzgebieten bedeckt sind, leicht, minimal oder gar nicht vor den schädlichsten menschlichen Aktivitäten geschützt, wie zum Beispiel Baggerarbeiten, Bergbau oder die schädlichsten Fischereigeräte.“
Die höchste Abdeckung durch Meeresschutzgebiete wurde in Deutschland (45,3 Prozent der nationalen Gewässer), gefolgt von Frankreich (38,9 Prozent) und Belgien (37,9 Prozent) festgestellt. Die geringste Abdeckung wurde in Irland (2,4 Prozent), Portugal (4,5 Prozent), Griechenland (4,7 Prozent) und Slowenien (5,1 Prozent) festgestellt.
Das Mittelmeer und die Ostsee weisen eine größere Fläche mit starkem Schutz auf als der Nordostatlantik, während das Schwarze Meer keinen starken Schutz bietet.
Unverbindliche Vorschriften
Diese Ergebnisse sind nach Ansicht der Wissenschaftler auf den „flexiblen“ Charakter der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, sowie der Vogelschutz- und der Habitatsrichlinie zurückzuführen. Beide Richtlinien bilden die Grundlage für die Politik der EU in Bezug auf Meeresschutzgebiete.
„Die begrenzte Spezifizität und die freiwilligen Anforderungen anderer internationaler Abkommen, wie die regionalen Meereskonventionen und die Aichi-Ziele, könnten ebenfalls zu einem niedrigen Schutzniveau beigetragen haben,“ fügten die Autoren hinzu.
Und selbst mit der Flexibilität der EU haben die Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen „wiederholt nicht eingehalten.“
Die Autoren warnen weiter, dass „das Erreichen des EU-Ziels eines strikten Schutzes von zehn Prozent radikale Änderungen bei der Regulierung von Aktivitäten in den EU-Meeresschutzgebieten erfordern wird.“
Kommission verweist auf die Mitgliedstaaten
Auf Anfrage von Euractiv nimmt die Europäische Kommission „die jüngste Veröffentlichung und ihre wichtigsten zusammenfassenden Ergebnisse zur Kenntnis.“
Darüber hinaus fordert sie die Mitgliedstaaten auf „alle Meeresschutzgebiete effektiv zu verwalten, um die in der betreffenden EU-Gesetzgebungen (Vogelschutzrichtlinie, Habitat-Richtlinie, Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie) und in der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 festgelegten Ziele zu erreichen.“
Die EU-Kommission fügte hinzu, dass der EU-Meeresaktionsplan von 2023 die Mitgliedstaaten auffordert, Maßnahmen wie die „schrittweise Abschaffung der mobilen Grundfischerei“ in allen Meeresschutzgebieten der EU bis 2030 umzusetzen.
Die vorgeschlagene Abschaffung wurde jedoch im Januar 2023 vom Europäischen Parlament abgelehnt. Ein Bericht der NGOs Seas At Risk und Oceana vom 16. April stellte zudem fest, dass die Grundfischerei in 90 Prozent der Meeresschutzgebiete noch weit verbreitet ist.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Griechenland und Schweden, haben die meisten Mitgliedstaaten noch immer keine nationalen Regelungen für die Grundfischerei festgelegt.
„Es hängt jetzt wirklich von den Mitgliedstaaten ab, die Bedrohungen der Meeresökosysteme mit verschiedenen Instrumenten anzugehen, einschließlich stark geschützter Meeresschutzgebiete und Mitteln zur Bewältigung aktueller Konflikte,“ schlussfolgerten die Autoren des Berichts.
[Bearbeitet von Donagh Cagney/Owen Morgan/Daniel Eck]