Forscher kritisieren von der Leyens Aussagen zu künstlicher Intelligenz

Ein offener Brief kritisiert von der Leyen für ihre Aussage, KI könne bereits 2026 das menschliche Denkvermögen erreichen.

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European Council Summit In Brussels
European Council Summit In Brussels [Photo by Nicolas Economou/NurPhoto via Getty Images]

Eine Gruppe von Forschenden fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, eine Aussage zur Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz zurückzunehmen. Von der Leyen hatte im Mai angedeutet, KI könne bereits im kommenden Jahr das menschliche Denkvermögen erreichen.

„Wir dachten, KI würde sich dem menschlichen Denkvermögen erst um das Jahr 2050 annähern“, sagte von der Leyen im Mai auf der jährlichen EU-Haushaltskonferenz. „Jetzt erwarten wir, dass dies bereits im nächsten Jahr geschieht.“

In einem offenen Brief, der am Montag an von der Leyen gerichtet wurde, kritisieren mehr als 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Aussagen der EU-Kommissionschefin als überzogene Darstellung von KI. Unter den Unterzeichnenden befinden sich auch zwei Mitglieder des hochrangigen UN-Beratungsgremiums für KI.

Auf Anfrage der Gruppe veröffentlichte die Kommission, dass von der Leyens Behauptung über eine baldige KI auf Augenhöhe mit dem Menschen auf „dem Fachwissen der Kommissionsdienste sowie einer Schreibtischrecherche wissenschaftlicher Literatur“ beruhe.

Als Belege verwies die EU-Exekutive auf mehrere Aussagen von Fachleuten, darunter den renommierten KI-Forscher Yoshua Bengio sowie die CEOs der KI-Entwickler Anthropic und OpenAI sowie den Vorstandschef des KI-Chip-Herstellers Nvidia.

„Dies sind Marketingaussagen, die von Gewinninteressen und Ideologie getrieben sind und nicht von empirischen Belegen oder wissenschaftlichen Nachweisen“, heißt es in dem Brief.

Durch die Wiederholung solcher Marketinglinien der KI-Industrie untergrabe von der Leyen die Glaubwürdigkeit Europas, argumentieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

„Die wissenschaftliche Entwicklung potenziell nützlicher KI wird nicht dadurch gefördert, dass man die unwissenschaftlichen Marketingbehauptungen US-amerikanischer Tech-Unternehmen verstärkt“, heißt es weiter.

Unter den Unterzeichnenden befinden sich die beiden UN-Beraterinnen Abeba Birhane und Virginia Dignum. Auch Luc Steels, ein prominenter belgischer KI-Forscher, hat den Brief unterschrieben.

Die EU-Kommission reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Euractiv zu dem offenen Brief.

(nl, jl)