Frankreich erwägt Entsendung von EU-Truppen nach Grönland
Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hat die Entsendung europäischer Truppen nach Grönland nicht ausgeschlossen, falls Sicherheitsinteressen gefährdet seien. Dänemark sieht hingegen derzeit keine Notwendigkeit dafür.
Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hat die Entsendung europäischer Truppen nach Grönland nicht ausgeschlossen, falls Sicherheitsinteressen gefährdet seien. Dänemark sieht hingegen derzeit keine Notwendigkeit dafür.
Barrot erklärte gegenüber Sud Radio, dass Gespräche mit Dänemark über die Entsendung von EU-Truppen im Falle eines Sicherheitsrisikos geführt würden, er jedoch jegliche unmittelbaren Maßnahmen ausschließe.
„Zu diesem Zeitpunkt ist dies nicht der Wunsch Dänemarks“, sagte er.
Seine Aussagen folgen auf die Ankündigung Kopenhagens am Montag, zwei Milliarden Euro in die Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten in der Arktis zu investieren, darunter die Anschaffung von drei neuen Marineschiffen.
Am Dienstag reiste die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen für bilaterale Gespräche nach Berlin und Paris. Neben Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Emmanuel Macron traf sie sich auch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Grönland war zwar kein offizielles Gesprächsthema zwischen Macron und Frederiksen, jedoch sollten laut einer Pressemitteilung „europäische Sicherheits- und Verteidigungsfragen“ thematisiert werden.
Aus Regierungskreisen hieß es gegenüber Euractiv, dass Barrots Äußerungen bei dem Treffen nicht besprochen wurden.
Frederiksen signalisiert Vorsicht
Barrot erklärte, die Arktis sei „ein neues Konfliktfeld“ und einem Risiko „ausländischer Einmischung“ ausgesetzt.
„Es gibt eine sehr starke Solidarität der europäischen Länder, und sie sind bereit, [über eine Truppenentsendung] nachzudenken, wenn es dazu käme“, sagte er.
Am Samstag hatte der Vorsitzende des EU-Militärausschusses, der österreichische General Robert Brieger, die Möglichkeit einer Stationierung europäischer Truppen auf Grönland ins Gespräch gebracht.
Frederiksen hingegen sagte Reportern in Brüssel am Dienstag, sie habe „keinen Grund zu der Annahme, dass eine militärische Bedrohung für Grönland oder Dänemark besteht“.
Die dänische Regierungschefin betonte zudem, dass „[…] transatlantische Zusammenarbeit entscheidend für die Sicherheit und Stabilität von uns allen ist, und ich werde alles tun, um das Bündnis aufrechtzuerhalten, das Frieden und Stabilität für alle Beteiligten gebracht hat“.
Kurz zuvor hatte auch Scholz darauf bestanden, dass Grenzen „nicht mit Gewalt verschoben werden“ dürfen.
Die arktische Insel ist zu einem Streitpunkt zwischen der EU und den USA geworden, seitdem US-Präsident Donald Trump mehrfach drohte, das Territorium zu kaufen oder andernfalls hohe Zölle zu verhängen. „Ich denke, wir werden es bekommen“, sagte er Reportern noch am Wochenende.
Grönland, die größte Insel der Welt, ist die Heimat von 56.000 Einwohnern, überwiegend Inuit. Der Boden Grönlands ist reich an wertvollen Ressourcen wie seltenen Erden, Edelmetallen, Edelsteinen, Kohle, Graphit, Lithium und Uran. Allerdings machen das raue Klima und die begrenzte Infrastruktur den Bergbau kostspielig und erfordern langfristige Investitionen.
Jenseits seines Rohstoffreichtums begründete Trump seinen Anspruch auf Grönland mit Sicherheitsbedenken. Während das US-Militär eine Präsenz auf der Insel unterhält, ist Dänemark für deren Verteidigung verantwortlich – diese war jedoch historisch unterfinanziert und spärlich.
*Magnus Lund Nielsen hat zur Berichterstattung beigetragen
[AB/KN]