Frankreich: Hitziges TV-Duell der Kandidaten [DE]

Die Präsidentschaftskandidaten lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch über Fragen wie Beschäftigung, Atomenergie und Europa in einer direkt übertragenen Debatte im französischen Fernsehen, die ausschlaggebend für den Ausgang der Stichwahl am 6. Mai sein könnte. 

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Die Präsidentschaftskandidaten lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch über Fragen wie Beschäftigung, Atomenergie und Europa in einer direkt übertragenen Debatte im französischen Fernsehen, die ausschlaggebend für den Ausgang der Stichwahl am 6. Mai sein könnte. 

Die Debatte, die von den beiden wichtigsten Fernsehkanälen ausgestrahlt wurde, hat eine Rekordzahl von 20 Millionen Zuschauern vor die Bildschirme gelockt, die den knapp zweieinhalb Stunden andauernden, hitzigen Austausch mitverfolgten.

  • Konflikt über behinderte Kinder

Der Austausch war gekennzeichnet von einem hitzigen Konflikt über die Rechte behinderter Kinder, ein Problem, dem im Wahlkampf bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal beschuldigte ihren Rivalen Nicolas Sarkozy der „Unmoral“, da er sich als Verteidiger behinderter Kinder dargestellt habe. Es lägen jedoch Welten zwischen Worten und Taten, und dies verärgere sie sehr, so Royal.

Nicolas Sarkozy, der Vorsitzende der amtierenden mitte-rechts Partei UMP, versuchte, seinen Vorteil aus dieser Situation zu ziehen, indem er behauptete, Royal verliere ihre Beherrschung. Sie jedoch entgegnete, es sei „gesunde Verärgerung“.

  • Arbeitsplätze und Wirtschaft

Die beiden Kandidaten äußerte gegensätzliche Meinungen hinsichtlich Wirtschaftsfragen: Royal versprach ein Wirtschaftswachstum von mindestens 2,5%, hauptsächlich durch Maßnahmen, die Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen fördern sollen. Alles, was die 2,5%-Zahl übersteige, würde zur Finanzierung der Schuldenrückzahlung verwendet werden.

Sarkozy sagte, Frankreich müsse härter arbeiten, wenn mehr Wachstum erreicht werden solle. Er sagte, Arbeit müsse stärker belohnt werden, indem zum Beispiel Überstunden von Steuern befreit würden, damit die Kaufkraft erhöht werden könne.

  • 35-Stunden-Woche

Die 35-Stunden-Woche ist ein weiterer Streitpunkt: Sarkozy sagte, es sei „eine allgemeine Katastrophe“ für französische Unternehmen. Kein anderes europäisches Land mit einer erfolgreichen Wirtschaft ziehe diese Möglichkeit in Erwägung. Dennoch, so Sarkozy, ließe er dieses Gesetz weitgehend unberührt, und belohne stattdessen Überstunden.

Royal verteidigte die „soziale Verbesserung“, welche die 35-Stunden-Woche darstelle, räumte jedoch ein, dass deren Einführung in einigen Fällen zu unflexibel sei.

  • Atomenergie

Ein Tiefpunkt der Debatte wurde erreicht, als Royal ihren Kontrahenten Sarkozy mit der Frage herausforderte, wie viel Elektrizität Frankreich aus Atomenergie gewinne. „Die Hälfte“, sagte Sarkozy. „Nein, 17%“, entgegnete Royal. Tatsächlich lagen hier beide Kandidaten falsch, da Atomenergie 78% des Elektrizitätsbedarf Frankreichs ausmacht. Die Angabe von 17% bezieht sich auf die Abhängigkeit Frankreichs von Atomenergie für seinen gesamten Energiebedarf.

  • EU-Mitgliedschaft der Türkei

Sarkozy bekräftigte seine entschiedene Haltung gegen den Beitritt der Türkei zur EU, wohingegen Royal meinte, dass eine „Pause“ notwendig sei, bevor eine weitere Erweiterung vollzogen würde. Die endgültige Entscheidung zu dieser Frage liege jedoch beim französischen Volk, so Royal.

  • Europäische Wiederbelebung

Beide Kandidaten wiederholten ihre ursprünglichen Haltungen: Royal plädierte für einen neuen EU-Vertrag mit einer sozialen Dimension, und folgt damit der Ablehnung der Verfassung durch französische Wähler im Jahr 2005. Sarkozy befürwortet einen institutionellen „Mini-Vertrag“, der vom Parlament ratifiziert werden muss.