Die Beziehungen zu Russland bringen Italiens Suche nach einem Nationaltrainer ins Stocken
Die Legende Andrea Pirlo, einer der größten italienischen Fußballer aller Zeiten, steht wegen seiner Rolle als globaler Botschafter des russischen Wettgiganten Fonbet in der Kritik.
Die Suche Italiens nach einem Nationaltrainer ist ins Wanken geraten: die Fußballlegende Andrea Pirlo musste seine Kandidatur zurückziehen, nachdem seine geschäftlichen Verbindungen zu einem großen russischen Wettanbieter unter die Lupe genommen worden waren.
Pirlo gab am Montagmorgen in den sozialen Medien bekannt, dass ihm mitgeteilt worden sei, er sei nicht mehr im Rennen um den Posten.
Die Kontroverse kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für den italienischen Fußball, da nach dem dritten verpassten WM-Qualifikationsversuch in Folge die Ernennung des nächsten Nationaltrainers zu einer der wichtigsten Entscheidungen geworden ist, vor denen der italienische Fußballverband steht.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht Pirlos Rolle als globaler Botschafter für Fonbet, Russlands größtem Sportwettenanbieter. Der Wettanbieter wird vom russischen Milliardär Sergey Lomakin kontrolliert, dessen Vermögen auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar (1,05 Milliarden Euro) geschätzt wird. Lomakin unterliegt weder EU- noch US-Sanktionen.
Pirlos Besuch in Moskau Ende Mai
Lomakin ist Eigentümer des United FC in Dubai, dessen Trainer derzeit der ehemalige italienische Fußballspieler ist. Fonbet ist der Hauptsponsor von Match TV, dem staatlich unterstützten Sportsender, der zu Gazprom Media gehört, was die politische Brisanz rund um Pirlos Verbindung zu dem Unternehmen noch verstärkt.
Die Angelegenheit wurde zu einem großen Hindernis für Pirlos Nominierung, nachdem Einzelheiten zu einem Besuch in Moskau Ende Mai erneut bekannt wurden. Zusammen mit dem ehemaligen italienischen Verteidiger Marco Materazzi besuchte Pirlo das Finale des Russischen Pokals und nahm an einem von Fonbet organisierten Festtag mit Show-Spielen teil. Das Unternehmen präsentiert Pirlo weiterhin auf seiner Homepage.
In einer in den sozialen Medien veröffentlichten Erklärung bedauerte Pirlo, dass „eine sportliche Entscheidung schnell in eine öffentliche Debatte hineingezogen wurde, die mir schließlich Bedeutungen und Absichten zuschrieb, die mir nicht eigen sind“. Pirlo gilt als einer der größten italienischen Fußballer aller Zeiten. Er bestritt 116 Länderspiele für die Nationalmannschaft, darunter auch als Weltmeister von 2006.
Die EU hat letzte Woche ihr neuestes Sanktionspaket verabschiedet und rund 250 Personen und Organisationen auf ihre schwarze Liste gesetzt. Das Paket wurde jedoch weithin als abgeschwächt angesehen, nachdem mehrere EU-Hauptstädte, darunter Italien, während der Verhandlungen wichtige Ausnahmeregelungen durchgesetzt hatten.
(bw)