Frankreich sagt Anti-Alkohol-Kampagne bei Rugby-Weltmeisterschaft ab
Die französische Regierung hat kurzfristig beschlossen, während der Rugby-Weltmeisterschaft keine Warnkampagne zum Alkoholkonsum auszustrahlen. Hintergrund könnte laut einer Recherche von Radio France Druck der Weinlobby sein.
Die französische Regierung hat kurzfristig beschlossen, während der Rugby-Weltmeisterschaft keine Warnkampagne zum Alkoholkonsum auszustrahlen. Hintergrund könnte laut einer Recherche von Radio France Druck der Weinlobby sein.
Während der Weltmeisterschaft, die am vergangenen Freitag (8. September) in Frankreich begann, sollte ursprünglich eine Präventionskampagne über die Risiken des Alkoholkonsums auf Plakatwänden und im Fernsehen ausgestrahlt werden.
Die Kampagne wurde im November 2022 von einer Abteilung des Gesundheitsministeriums bei der nationalen Gesundheitsbehörde (SPF) in Auftrag gegeben und war bereits mit dem Slogan „Lass dich nicht vom Alkohol umhauen“ versehen.
Informationen von Radio France zufolge beschloss der ehemalige Gesundheitsminister François Braun jedoch im Mai, die Kampagne nicht auszustrahlen, und entschied sich stattdessen für eine andere Kampagne, die sich an ein jüngeres Publikum richtet und bald in den sozialen Medien zu sehen sein soll.
Es ist nicht die erste Kampagne über die Risiken des Alkoholkonsums, die in diesem Jahr in Frankreich gestrichen wurde. Laut einer im Juli veröffentlichten Untersuchung von Le Canard Enchainé hat Braun bereits eine andere Kampagne abgelehnt, die aufzeigen sollte, dass Alkoholkonsum das Risiko von Herzrhythmusstörungen vervielfacht.
Myriam Savy, Leiterin der Interessenvertretung von Addictions France, beschuldigte daraufhin die französische Weinlobby und kritisierte „den Druck, den die Alkoholindustrie auf die Behörden und insbesondere den Élysée-Palast ausübt“.
Im Januar erhielt Präsident Emmanuel Macron einen Brief von der französischen Weinlobby Vin & Société, in dem sie die Alkoholpräventionskampagne der SPF während der Weihnachtszeit kritisierte.
„Diese Kampagne zeigt keine Szenen von übermäßigem Alkoholkonsum, sondern nur Familien und Freunde, die zusammenkommen, Momente des Teilens, die mehrere Generationen vereinen“, schrieb Vin & Société. Dabei mache die Alkoholindustrie stets einen Unterschied zwischen Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch.
Die Kampagne „richtet sich an die allgemeine Bevölkerung, die regelmäßig Alkohol konsumiert. Wir sagen ihnen: ‚Alkohol ist ein Gesundheitsrisiko. Er ist ein Risikofaktor für Krebs‘. Und das gefällt der Alkoholindustrie nicht“, sagte Savy gegenüber Radio France, weshalb sich die neue Kampagne nur an junge Menschen richtet.
Der neue Gesundheitsminister Aurélien Rousseau scheint den gleichen Weg wie Braun zu gehen. Er weigerte sich kürzlich, eine alte Präventionskampagne aus dem Jahr 2019 auszustrahlen, die mäßigende Botschaften in puncto Alkoholkonsum enthielt.