Frankreich und Großbritannien intensivieren Zusammenarbeit im Atomsektor [DE]
Ein zweitägiger bilateraler Gipfel wird heute (27. März 2008) seinen Höhepunkt in der Unterzeichnung einer neuen Vereinbarung finden, in der sich Frankreich bereit erklärt, Großbritannien bei der Entwicklung einer neuen Generation von Atomkraftwerken zu unterstützen.
Ein zweitägiger bilateraler Gipfel wird heute (27. März 2008) seinen Höhepunkt in der Unterzeichnung einer neuen Vereinbarung finden, in der sich Frankreich bereit erklärt, Großbritannien bei der Entwicklung einer neuen Generation von Atomkraftwerken zu unterstützen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown werden die Vereinbarung am Donnerstag (27. März 2008) im Emirates Stadium in Nordlondon, dem Stadion des Fußballvereins Arsenal, unterzeichnen.
In einer Rede am Dienstag, dem Abend vor Sarkozys Ankunft, sagte der britische Wirtschaftsminister John Hutton, sein Ziel sei, dass Großbritannien weltweit den ersten Platz unter den Unternehmen, die im neuen Atomgeschäft tätig sind, einnehme.
Er glaube, dass die Neubelebung der Atomkraft in Großbritannien heute das Potential habe, eine der besten Gelegenheiten für die britische Energiewirtschaft seit dem Abbau von Erdöl und -gas aus der Nordsee sei, so Hutton laut Reuters.
EDF, der staatliche französische Energieanbieter, sagte, er wolle vier neue Anlagen errichten, um Großbritannien darin zu unterstützen, seinen veralteten Bestand auszutauschen. Das Vereinigte Königreich verfügt über 23 Atomkraftwerke, die 20% der Elektrizität des Landes produzieren. Der neue Reaktor wäre ein EPR-Modell und vom französischen – ebenfalls teilweise staatlichen – Konzern Areva entwickelt, und damit auf dem neuesten Stand der Technik.
Durch dieses Geschäft könnte Großbritannien sein Know-how in der Atomkraft wieder auf den letzten Stand bringen, nachdem das Land aufgrund eines geplanten Atomausstiegs vorübergehend seine Expertise in diesem Bereich nicht mehr aufgefrischt hatte. Die letzten von Großbritanniens bestehenden Atomkraftwerken sollen bis zum Jahre 2035 schließen – damit könnte das Land eine Lücke in der Energieversorgung aufweisen.
In Brüssel hat die Europäische Kommission kürzlich die Technologie unterstützt, da sie gebraucht würde, wenn Europa seine ehrgeizigen Klimaziele erreichen und die CO2-Emissionen bis 2020 um ein Viertel senken wolle. „Zwischen dem Jahr 2000 und 2050 wird sich der Energieverbrauch weltweit wahrscheinlich verdoppeln, und die Kernenergie wird ein wesentliches Element künftiger kohlenstoffarmer Energiesysteme bleiben“, so die Kommission im September 2007, als sie ihre neue Technologieplattform für nachhaltige Kernenergie (SNETP) vorstellte (EURACTIV vom 24. September 2007).
In einer Rede im vergangenen Oktober sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die EU müsse eine vollständige und aufrichtige Debatte über die Atomthematik führen. Die Mitgliedstaaten könnten dem Thema Atomenergie nicht aus dem Weg gehen (EURACTIV vom 3. Oktober 2007).
Umweltverbände haben den Schritt der Kommission gelobt, die Debatte über Atomenergie zu eröffnen, behaupten aber, diese Technologie sei gefährlich und nicht nötig, um CO2-Emissionen zu senken.