Frankreich warnt vor russischer Desinformationskampagne
Russische Akteure waren offenbar an einer digitalen Desinformationskampagne in mehreren Ländern, darunter auch in Europa, beteiligt. Das geht aus einem Bericht hervor, den die französische Außenministerin Catherine Colonna am Dienstag vorstellte.
Russische Akteure waren offenbar an einer digitalen Desinformationskampagne in mehreren Ländern, darunter auch in Europa, beteiligt. Das geht aus einem Bericht hervor, den die französische Außenministerin Catherine Colonna am Dienstag vorstellte.
Der Bericht stammt von der französischen Beobachtungsstelle für ausländische digitale Einflussnahme (VIGINUM).
VIGINUM hatte eine von Russland durchgeführte Desinformationskampagne über ein Jahr lang beobachtet und festgestellt, dass sie an der Vervielfältigung und Aneignung von 355 Domänennamen, insbesondere im Medienbereich, in zehn europäischen Ländern sowie in Amerika und im Nahen Osten beteiligt war.
Um Falschinformationen zu verbreiten, übernahmen die Verantwortlichen der Desinformationskampagne die digitalen Identitäten von Medien-Websites wie Le Monde, Le Figaro, Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung und The Guardian.
Das Gleiche geschah mit europäischen und französischen Regierungswebsites. Dazu gehörte nach Angaben des Berichts seit Ende Mai auch die des französischen Ministeriums für Europa und Auswärtige Angelegenheiten.
Um die Informationen in den sozialen Medien zu verbreiten, nutzten die Verantwortlichen demnach gefälschte Social-Media-Accounts. Bots verbreiteten Links als Reaktion auf Veröffentlichungen europäischer Medien und politischer Persönlichkeiten seit Ende Mai letzten Jahres.
Die Kampagne verbreitete vor allem prorussische und antiwestliche Inhalte im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Zu den am häufigsten verbreiteten Themen und Behauptungen gehörten laut dem Bericht insbesondere die vermeintliche Unwirksamkeit der Sanktionen gegen Russland, die angebliche „Russophobie“ des Westens und „Barbarei“ der ukrainischen Behörden und Armeen, die „Neonazi-Ideologie“ der ukrainischen Führung und die angeblichen negativen Auswirkungen der Aufnahme von Flüchtlingen.
Bei den Urhebern der Kampagen konnte VIGINUM „die Beteiligung russischer oder russischsprachiger Personen und mehrerer russischer Unternehmen feststellen.“
Auch russische staatliche oder mit dem Staat verbundene Akteure waren aktiv daran beteiligt. Insbesondere „das russische diplomatische Netzwerk hat sich […] an der Weiterverbreitung und Verstärkung der RRN-Kampagne seit dem Frühjahr 2022 beteiligt“, so die Beobachtungsstelle.
VIGINUM stufte die Kampagne als Untergrabung „der grundlegenden Interessen der Nation“ ein und verwies auf ihren Umfang sowie das Maß an Koordination und Hartnäckigkeit. Trotz bereits ergriffener Gegenmaßnahmen der verschiedenen Online-Dienste sei die Kampagne weiterhin aktiv.
Colonna erklärte gegenüber der Presse, dass „Frankreich diese Aktionen verurteilt, die eines ständigen Mitglieds des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen unwürdig sind.“ Russland ist eines von fünf ständigen Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat.
„Die französischen Behörden arbeiten eng mit ihren Partnern zusammen, um dem von Russland geführten hybriden Krieg ein Ende zu setzen“, fügte die Ministerin hinzu.