Französischem Linksbündnis wird Parlamentsmehrheit wohl verwehrt bleiben

Das neue Linksbündnis NUPES erreichte in der ersten Runde der Parlamentswahlen am Sonntag mit 25,66 Prozent den zweiten Platz - knapp hinter den von Macrons Präsidentenmehrheit erzielten 25,75 Prozent.

/ EURACTIV.fr
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Julien Bayou (R), Generalsekretär der Grünen, lauscht Jean-Luc Melenchon (L), dem Vorsitzenden der NUPES (Nouvelle Union Populaire Écologique et Sociale), einer Koalition aus linken und grünen Parteien, bei seiner Rede nach der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen in der Parteizentrale in Paris, Frankreich, 12. Juni 2022. [EPA-EFE/CHRISTOPHE PETIT TESSON]

Das kürzlich gegründete Linksbündnis unter der Führung von Jean-Luc Mélenchon lag in der ersten Runde der Parlamentswahlen am Sonntag Kopf an Kopf mit Macrons „Ensemble!“. Alles deutet jedoch darauf hin, dass es in der zweiten Runde am 19. Juni keine Mehrheit mehr erhalten wird. EURACTIV Frankreich berichtet.

Das neue Linksbündnis NUPES erreichte in der ersten Runde der Parlamentswahlen am Sonntag mit 25,66 Prozent den zweiten Platz – knapp hinter den von Macrons Präsidentenmehrheit erzielten 25,75 Prozent.

Das Bündnis, zu dem Mélenchons La France Insoumise, die Sozialdemokraten, die Grünen und die Kommunistische Partei gehören, lag unter dem gemeinsamen Ergebnis von 30,6 Prozent aller Linksparteien bei der Präsidentschaftswahl im April.

Insgesamt dürften alle Linksparteien zwischen gemeinsam 150 und 210 Sitze erhalten und damit die Zahl der Abgeordneten im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode verdrei- oder vervierfachen, wie die verschiedenen Meinungsforschungsinstitute – insbesondere Ipsos und Ifop – prognostiziert haben.

Das reicht zwar immer noch nicht für eine Mehrheit in der 577 Sitze umfassenden Nationalversammlung, aber Macrons Ensemble könnte ebenfalls die absolute Mehrheit verfehlen, was es für seine Regierung schwieriger machen würde, Gesetze durchzusetzen.

Im Vergleich zu den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2017 hat das linke Lager zugelegt. Damals erreichten die linken Parteien im ersten Wahlgang etwa 21 Prozent, wobei Macron einen großen Teil der sozialdemokratischen Wählerschaft für sich gewinnen konnte.

Das Linksbündnis war auch die führende politische Kraft bei den Wählern unter 34 Jahren: 42 Prozent in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen und 38 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen stimmten für das Bündnis, wie eine Ipsos-Studie ergab.

Auch bei den Wählern in Führungspositionen konnte das Bündnis mit 28 Prozent punkten, obwohl die Unterstützung für die Gruppe eher in den unteren Einkommensschichten zu finden ist und Führungskräfte in Unternehmen im Allgemeinen nicht für linksextreme oder linksradikale Parteien stimmen.

Für die Linksradikalen von Mélenchon wird eine große Zugewinn an Sitzen erwartet. Anstelle der 17 ausscheidenden Abgeordneten dürfte sie nun mindestens 100 Abgeordnete im neuen Parlament haben.

Die scheidende Abgeordnete von La France Insoumise, Danièle Obono, und die Erstkandidatin Sophia Chikirou, die beide für Wahlkreise in Paris kandidierten, wurden in der ersten Wahlrunde gewählt.

Auch den Grünen werden außerordentliche Stimmengewinne vorausgesagt: Sie werden voraussichtlich 20 Sitze in der Nationalversammlung erringen, im Vergleich zu nur einem im Jahr 2017.

Die Zukunft des Linksbündnisses bleibt jedoch unklar, da die verschiedenen Parteien angekündigt haben, dass sie jeweils in einer eigenen Fraktion und nicht als gemeinsamer Block antreten werden.

Gespalten sind sie unter anderem in der Atomkraftpolitik und was die Haltung zur EU anbelangt.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Zoran Radosavljevic]