Franzosen haben zunehmend Vertrauen in die EU

Das Vertrauen der Franzosen in die Europäische Union nimmt „deutlich zu“, obwohl viele, vor allem im rechten Spektrum, immer noch wollen, dass die Macht von Paris größer ist als die der EU, wie eine große Meinungsumfrage ergab.

EURACTIV France
Das Vertrauen der Franzosen in die Europäische Union nimmt deutlich zu: 50 Prozent der Befragten gaben in diesem Jahr an, dass sie der Union vertrauen, so eine aktuelle Umfrage. [Shutterstock/Petr Kovalenkov]

Das Vertrauen der Franzosen in die Europäische Union nimmt „deutlich zu“, obwohl sich viele, besonders im rechten Spektrum, mehr Einfluss Frankreichs wünschen. 

Die Studie, die auf den Antworten von 12.000 Personen basiert, wurde von Ipsos für die Jean-Jaurès-Stiftung und Cevipof in Zusammenarbeit mit Le Monde durchgeführt und am Dienstag (4. Oktober) veröffentlicht.

Darin gaben 50 Prozent der Befragten an, dass sie der EU in diesem Jahr vertrauen, gegenüber 43 Prozent im Jahr 2021 und nur 36 Prozent im Jahr 2019.

Dennoch variiert das Ausmaß des Vertrauens in die EU-Institution in Abhängigkeit der politischen Zugehörigkeit der Befragten und ihrer sozioprofessionellen Kategorie.

Dabei haben die Anhänger von Parteien mit einer pro-europäischen Rhetorik und einem pro-europäischen Programm am meistens Vertrauen in die EU. Die Anhänger der Sozialistischen Partei (68 Prozent), von Europe Ecologie-Les Verts (73 Prozent) und von La République en marche (inzwischen Renaissance, 87 Prozent) haben hierbei das meiste Vertrauen in die EU.

Die Insoumis und die Kommunisten gaben an, zu 41 % „zuversichtlich“ gegenüber der EU zu sein, was nicht weit vom allgemeinen Durchschnitt der Befragten (50 Prozent) entfernt ist, trotz des oftmals liberalismuskritischen Diskurses in den EU-Gremien.

Am wenigsten Vertrauen in die EU haben bei weitem die Anhänger der Rechtsextremen. Für Marine Le Pens Rassemblement National waren es 21 Prozent und für Éric Zemmours Reconquête! 13 Prozent.

Im Vergleich zu 2021 steigt der Vertrauensindikator für alle, mit Ausnahme der Unterstützer des Rassemblement National (-1 Punkt). Besonders spektakulär ist der Anstieg bei denjenigen, die angeben, den Grünen (+ 29 Punkte) und den Sozialisten (+ 16 Punkte) politisch nahezustehen.

Eine „soziale Spaltung“

Darüber hinaus zeigt die Studie einen Unterschied im Vertrauensniveau je nach sozialer und beruflicher Zugehörigkeit der Befragten.

Arbeiter vertrauen der EU deutlich weniger (36 Prozent) als Manager (63 Prozent), während Angehörige der mittleren Berufe, Angestellte und Rentner auf einem vergleichbaren Niveau wie die allgemeine Bevölkerung liegen.

Der Index steigt für alle Kategorien im Vergleich zu 2021, im Sinne eines größeren Vertrauens in die EU, insbesondere bei den Arbeitern (+10 Punkte) und Angestellten (+9 Punkte).

Auf die Frage von EURACTIV nach diesem Anstieg des Vertrauensniveaus wies Laurent Warlouzet, Professor für europäische Geschichte an der Universität Paris-Sorbonne, zunächst darauf hin, dass „die Griechenlandkrise 2012–2015 der Moment des größten Misstrauens in die EU war“.

Durch die „externen“ Krisen der letzten Jahre, wie dem Brexit oder die Covid-19-Pandemie hat sich die Bewertung der EU durch die Bürger:innen deutlich verbessert, sagte der Historiker.

Diese Krisen wurden von der EU auf ziemlich einheitliche Weise bewältigt, erklärte Warlouzet, der das Buch Europe versus Europe. Entre liberté, solidarité et puissance („Europa gegen Europa. Zwischen Freiheit, Solidarität und Macht“) geschrieben hat.

Die Institution habe daraufhin die Politikbereiche „solidarisches Europa“ und „mächtiges Europa“, wie den gemeinsamen Kauf von Impfstoffen, gestärkt. Dies hat das Vertrauen in die Institution erhöht.

Die Entscheidungsmacht zwischen Staat und EU

Ipsos stellte allerdings auch fest, dass „der Wunsch nach einer Stärkung der Befugnisse Frankreichs im Verhältnis zu denen Europas deutlich in der Mehrheit ist“. Dieser Wunsch ist jedoch seit mehreren Jahren rückläufig.

58 Prozent der Befragten teilen diese Ansicht, während 22 Prozent der Meinung sind, dass „nichts an der Verteilung der Entscheidungsbefugnisse“ geändert werden sollte. Nur 20 Prozent wünschen sich eine Stärkung der Befugnisse der EU bei der Entscheidungsfindung.

Die Details der Studie zeigen, dass die größten Befürworter einer Rückkehr zur nationalen Macht insbesondere Anhänger rechtsextremer Parteien sind (80 bis 89 Prozent für die Rassemblement National und Reconquête!). Auch bei der traditionellen Rechten (Les Républicains, 62 Prozent, Rückgang im Vergleich zu 2021) und der radikalen Linken von La France insoumise (63 Prozent, stabil) ist die Idee mehrheitsfähig.

Das Krisenmanagement der EU hat dazu beigetragen, das Vertrauen der Franzosen in die EU zu stärken. In letzter Zeit, so betonte Warlouzet, hat der „Krieg in der Ukraine dazu geführt, dass die Bürger:innen den Wert des europäischen Aufbauwerks und der internationalen Zusammenarbeit wiederentdeckt haben“.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.