Friedrich: Kommission unterschätzt Potenzial der Erneuerbaren Energien
Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) wirft EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor, das Potenzial der Erneuerbaren Energien zu unterschätzen. Von Brüssel fordert er die Erarbeitung einer "überzeugende Strategie für die EU-weite Förderung und Stärkung Erneuerbarer Energien zusammen mit den Mitgliedsstaaten".
Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) wirft EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor, das Potenzial der Erneuerbaren Energien zu unterschätzen. Von Brüssel fordert er die Erarbeitung einer „überzeugende Strategie für die EU-weite Förderung und Stärkung Erneuerbarer Energien zusammen mit den Mitgliedsstaaten“.
"Wir brauchen eine europäische Energiewende, die zentral auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienz setzt und eine klare Absage an die Nutzung der Kernenergie erteilt", erklärte Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) bei der Veranstaltung "Aktuelle Herausforderungen für Europa und Baden-Württemberg – wohin steuert die Europäische Union?" letzte Woche in Stuttgart im Beisein von EU-Energiekommissar Günther Oettinger.
Die Kommission unterschätze das große Potenzial der Erneuerbaren Energien, so Friedrich. Bei der Vorstellung ihres Energiefahrplans bis 2050 Mitte letzten Monats hätte die Kommission den Beitrag der Erneuerbaren Energien "klein geredet". Sie gehe von einem maximalen Beitrag der Erneuerbaren Energien von nur 30 Prozent bis zum Jahre 2030 aus. "Die Kommission müsste eigentlich vorangehen und eine überzeugende Strategie für die EU-weite Förderung und Stärkung Erneuerbarer Energien zusammen mit den Mitgliedsstaaten erarbeiten."
"Wir müssen in Energiefragen europäisch denken", erklärte Oettinger. "Wenn wir Erneuerbare Energien dort produzieren, wo sie am günstigsten herzustellen sind, also Sonnenenergien im Süden, wo die Sonne am längsten scheint und Windkraft, wo es am meisten Wind gibt, dann wird der Strom auch für Industrie und Verbraucher bezahlbar bleiben. Daher brauchen wir die nötigen Gas- und Stromleitungen und einen funktionierenden Binnenmarkt für Energie. Daran arbeiten wir."
Friedrich sprach sich hingegen für einen dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien aus: "Die Nutzung der Sonnenenergie in Baden-Württemberg ist eine Erfolgsgeschichte. Es geht dabei nicht nur darum, Energie am Ort des tatsächlichen Verbrauchs zu produzieren und damit auch die Anforderungen an den Leitungsausbau zu minimieren. Es geht auch darum, die mit der Entwicklung und dem Einsatz der Technologien verbundene Wertschöpfung und die Arbeitsplätze im Land zu halten."
"Völlig unambitioniertes Szenario"
Friedrich bezeichnete es überdies als "nicht hinnehmbar", dass die Kommission bei ihrem Energiekonzept der Zukunft weiterhin auf die Hochrisikotechnologie Atomenergie setze. "Im Jahr 2050 stellt Atomenergie nach einem Szenario der Kommission immer noch einen Beitrag von bis zu 18 Prozent der EU-weit benötigten Energie. Wenn man bedenkt, dass in der EU27 im Jahr 2010 rund 30 Prozent der Stromerzeugung aus Atomkraftwerken stammte, ist dieses Szenario, in Europa in den nächsten 40 Jahren nur zu halbieren, völlig unambitioniert."
dto
Links
Dokumente
Staatsministerium Baden-Württemberg: Diskussion über Herausforderungen für Europa und Baden-Württemberg (17. Januar 2012)
Europaminister Peter Friedrich:
Rede: "Aktuelle Herausforderungen für Europa – wohin steuert die Europäische Union?" (17. Januar 2012)
Zum Thema auf EURACTIV.de
EEG: Rösler drängt auf Reform der Erneuerbaren-Förderung (16. Januar 2012)
"Oettinger steuert an nachhaltiger Energieversorgung vorbei" (15. Dezember 2011)
EEG-2012: Viele Feinde, wenig Alternativen (21. Dezember 2011)
Die deutsche Energiewende europäisch denken (20. Oktober 2011)