Früherer US-Botschafter fordert Teilung Bosniens
Ein ehemaliger US-Botschafter im Westbalkan hat gesagt, die beste Lösung für Bosnien-Herzegowinas Probleme sei die Teilung des Landes in zwei separate Einheiten. Die US-Behörden haben sich von der „politisch inkorrekten“ Stellungnahme distanziert, während bosnische muslimische Politiker den früheren Diplomaten bezichtigt haben, im eigenen Interesse zu handeln.
Ein ehemaliger US-Botschafter im Westbalkan hat gesagt, die beste Lösung für Bosnien-Herzegowinas Probleme sei die Teilung des Landes in zwei separate Einheiten. Die US-Behörden haben sich von der „politisch inkorrekten“ Stellungnahme distanziert, während bosnische muslimische Politiker den früheren Diplomaten bezichtigt haben, im eigenen Interesse zu handeln.
William Montgomery, ein ehemaliger US-Botschafter in Kroatien, sagte, dass 15 Jahre nach dem Krieg Bosnien und Herzegowina noch immer ein „problematisches“ Land sei, das keine seiner großen Probleme gelöst habe.
Es sei deswegen nur „realistisch“, seine Teilung in Betracht zu ziehen, schloss Montgomery etwas abrupt.
Der ehemalige US-Diplomat, der im Jahr 2004 wegging, machte diese Aussage im Fernsehen auf dem in Sarajewo ansässigen TV-Sender TV1 letztes Wochenende. Seine Kommentare wurden daraufhin von der kroatischen Presseagentur HINA übernommen und weithin von anderen Medien zitiert.
Niemand in Bosnien und Herzegowina sollte gezwungen sein, in einem Land zu bleiben, das nicht funktioniere. Eine der möglichen Lösungen sei die Unabhängigkeit der Republika Srpska und eine friedliche Auflösung des Landes, so Montgomery.
Montgomery, der von 1998 bis 2000 US-Botschafter in Kroatien und von 2001 bis 2004 in Jugoslawien war, verließ den US-Auswärtigen Dienst aber blieb danach in der Region des westlichen Balkans, wo er Berichten zufolge als Geschäftsmann tätig war. Er hat viele Stellungnahmen veröffentlicht und ist der amerikanischen Politik in der Region gegenüber häufig kritisch.
Peinlichkeit
Die US-Botschaft in Sarajewo gab am 1. November eine Stellungnahme ab, um zu sagen, dass der ehemalige Diplomat nicht im Namen der US-Regierung spreche.
Ihre Position in Bosnien und Herzegowina sei allseits bekannt und unverändert: Die USA unterstützten die Souveränität und territoriale Integrität Bosnien und Herzegowinas vollständig, entgeht es der Stellungnahme.
Eine ähnliche Reaktion kam aus dem EU-Amt des Hohen Vertreters (OHR) und dessen Polizeimission in dem Land, die in einer Stellungnahme sagte, eine Teilung sei „unmöglich“.
Die führende „Bosniakische Partei der Demokratischen Aktion“ (SDA) nannte Montgomery lediglich einen ehemaligen Diplomaten, der unverantwortliche Aussagen mache.
Geschäftliche Interessen?
Der Vorsitzende der muslimischen „Bosniakischen Allianz für eine bessere Zukunft“ (SBB), Fahrudin Radon?i?, antwortete, indem er sagte, Montgomerys Aussagen erklärten sich durch seine Lobbying-Tätigkeit.
Der frühere US-Botschafter sei primär ein Verfechter größerer kroatischer Interessen der Privatisierung, so Radon?i?, ein Geschäftsmann, Politiker und Besitzer mehrerer Medien, unter anderem von „Dnevni Azaz“, einer Tageszeitung in Sarajewo mit hoher Auflage.
Radon?i? deutete an, dass eine Teilung Bosnien und Herzegowinas Montgomerys Geschäftsinteressen passen würde.
Eine ähnliche Sicht für den Kosovo?
William Montgomery ist in seiner Sichtweise über die Zukunft Bosnien und Herzegowinas konstant gewesen. In einem Beitrag für die „New York Times“ vergangenes Jahr rief er den Westen auf, aufzuhören zu glauben, er könne vollständig funktionierende multiethnische Gesellschaften in Bosnien und in den Kosovo einführen, ohne die Grenzen zu ändern.
Die frühere serbische Provinz der Kosovo, die sich im Jahr 2008 unabhängig erklärte, ist noch immer nicht in der Lage, ihre Autorität über den serbisch bevölkerten Nordteil des Landes auszuüben.
Wie ein Alkoholiker, dessen erster Schritt es sei, sein Problem zu erkennen, müsse man akzeptieren, dass die derzeitige westliche Politik bezüglich Bosnien und Herzegowinas nicht haltbar sei. Erst dann könne man beginnen, konstruktiv über Lösungen nachzudenken, die der Region bleibende Stabilität bringen könne, schrieb Montgomery.