G20-Umweltministertreffen endet ohne Einigung

Die Umweltminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) konnten sich bei einem Treffen in der südchinesischen Stadt Chennai nicht auf konkrete Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen einigen.

EURACTIV.com with Reuters
Chennai talks
Die Pattsituation – die jüngste in einer Reihe von ergebnislosen internationalen Konferenzen – entstand wenige Tage, nachdem Wissenschaftler erneut Alarm schlugen. Sie erklärten, der vom Menschen verursachte Klimawandel spiele eine „absolut überwältigende“ Rolle bei den extremen Hitzewellen, die über Nordamerika, Europa und China hinweggefegt sind. [X, formerly Twitter]

Die Umweltminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) konnten sich bei einem Treffen in der südchinesischen Stadt Chennai nicht auf konkrete Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen einigen.

Am Ende des dreitägigen Treffens veröffentlichten die Organisatoren am Freitag (28. Juli) ein Dokument, demzufolge die G20-Länder über die Reduzierung der Treibhausgasemissionen weiter uneins sind.

Vor allem Industrieländer hatten zuvor gefordert, die Staatengruppe solle sich auf eine Senkung um 60 Prozent bis 2035 gegenüber dem Stand von 2019 verpflichten.

Die Mitglieder konnten sich dem Dokument zufolge nicht über die Erschöpfung der CO2-Budgets, die historischen Emissionen, die Netto-Null-Ziele und die Frage der Finanzierung zur Unterstützung der Entwicklungsländer einigen.

Es ist die jüngste in einer Reihe von internationalen Konferenzen zum Umwelt- und Klimaschutz, die zuletzt ergebnislos blieben.

Wenige Tage zuvor hatten Wissenschaftler erneut Alarm geschlagen. Sie erklärten, der menschengemachte Klimawandel habe eine „absolut überwältigende“ Rolle bei der Entstehung der extremen Hitzewellen gespielt, mit denen sich zuletzt Nordamerika, Europa und China konfrontiert sahen.

Das Treffen in Indien wurde als Chance für jene Länder mit dem größten Treibhausgasausstoß gesehen, vor dem Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs im September in Neu-Delhi und dem COP28-Gipfel in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Dezember konkrete Schritte zu unternehmen.

Laut einem Vertreter der indischen Regierung hatten die Industrieländer der Gruppe eine Verringerung der Treibhausgasemissionen gefordert, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Die Forderungen wurden von den Schwellenländern abgelehnt. Sie erklärten, dass die Reduktionsziele ihre Möglichkeiten zur Entwicklung von Infrastruktur und Wachstum einschränken würden.

China und das ölreiche Saudi-Arabien zögerten laut europäischen Diplomaten, bei den G20-Gesprächen Verpflichtungen einzugehen.

EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius sagte, die G20-Länder seien bei ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung des Klimawandels „nicht weitergekommen.“

Er erklärte am Ende des Treffens, einige Delegationen hätten versucht, frühere Klimazusagen zurückzunehmen – eine Haltung, die Europa nicht akzeptieren könne.

„Wir wurden aufgefordert, mutige Entscheidungen zu treffen, Mut, Engagement und Führungsstärke zu zeigen. Aber wir haben es gemeinsam nicht geschafft, dies zu erreichen. Wir dürfen uns nicht vom kleinsten gemeinsamen Nenner oder von engen nationalen Interessen leiten lassen. Wir können nicht zulassen, dass das Tempo des Wandels von den Langsamsten im Raum bestimmt wird“, sagte er.

Vor wenigen Wochen hatten sich die wichtigsten G20-Staaten nicht auf einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe einigen können, nachdem mehrere Exportländer von Kohle, Öl und Gas Protest eingelegt hatten.