Gabriel will Geschlechter-Stereotypen in Film, TV & IT-Branche bekämpfen
EU-Digitalkommissarin Marija Gabriel will gemeinsam mit nationalen Regulierungsbehörden negative Stereotypen über Frauen in Film und TV bekämpfen. Außerdem müssten mehr Frauen für digitale Arbeitsfelder begeistert werden.
EU-Digitalkommissarin Marija Gabriel hat angekündigt, mit den nationalen Regulierungsbehörden aus der gesamten Union zusammenzutreffen, um mögliche Wege zur Bekämpfung negativer Stereotypen über Frauen in Film und Fernsehen zu erörtern.
Gabriel plant, bis Juni einen konkreteren Plan vorzulegen. In diesem soll dargelegt werden, wie Medienaufsichtsbehörden stereotype Bilder von Frauen ansprechen können, sagte ein EU-Beamter.
Die Kommission teilte vergangenen Donnerstag mit, Gabriel werde sich mit nationalen Agenturen treffen, um gemeinsam „die Situation zu bewerten und bewährte Verfahren zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter zu sammeln“.
Diese Ankündigung ist Teil einer umfassenderen Strategie der Kommission, die darauf abzielt, die Präsenz von Frauen in technologiebezogenen Berufen zu erhöhen. Die EU-Exekutive veröffentlichte die Pläne am internationalen Frauentag (8. März).
Mehr als die Hälfte der Befragten, die im November letzten Jahres auf eine Eurostat-Umfrage geantwortet hatten, kritisierten die Art und Weise, wie Frauen in den europäischen Medien dargestellt werden.
Gabriel, die im Sommer letzten Jahres das Digital-Ressort der Kommission übernommen hatte, hat derweil auch eine neue EU-Strategie gegen Fake News gestartet. Im April will sie Empfehlungen bekannt geben – unter anderem darüber, wie Social-Media-Firmen auf Fehlinformationen reagieren sollten, und ob die Unternehmen transparenter in Bezug darauf sein müssen, wer für Werbung auf ihren Plattformen bezahlt.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in technischen Berufen
Die Kommissarin beabsichtigt auch, Technologieunternehmen dazu zu drängen, mehr Frauen einzustellen und auszubilden, teilte ihr Büro mit.
Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Kommission ist der Anteil der weiblichen Beschäftigten in europäischen Technologieunternehmen in den letzten Jahren zurückgegangen. Darin heißt es, dass Frauen im Jahr 2015 rund 21,5 Prozent der Arbeitsplätze im Technologiesektor innehatten.
Die Kommission versucht, technologieorientierte Ausbildungsprogramme für Frauen zu fördern. Diese fallen mit einer Reihe neuer EU-Gesetze zusammen, die striktere Vorschriften für Cybersicherheit beinhalten. Nationale Regierungen und Unternehmen werden dadurch wohl dazu bewegt werden, mehr Experten für Cybersicherheit und Datenschutz einzustellen. Noch in diesem Jahr sollen ein grundlegend neues Datenschutzgesetz und die erste Cybersicherheitsgesetzgebung des Blocks in Kraft treten.
Gabriel tweetete am Donnerstag: „Da das Arbeitsfeld Cybersicherheit größer wird, brauchen wir die Bandbreite an Fähigkeiten und Perspektiven, die Frauen mitbringen.“
Giving #women the right incentives and talking about the range of #skills4cyber will help to attract the #cyber talent and bring great benefits to the #cybersecurity field in the long term. #IWD2018 pic.twitter.com/aXfrKZyxta
— Mariya Gabriel (@GabrielMariya) March 8, 2018
Es wird erwartet, dass es in Europa im Jahr 2022 rund 350.000 offene Stellen für Cybersicherheitsexperten geben wird. Nach Angaben von (ISC)2 – einer Non-Profit-Organisation, die Cybersicherheits-Kompetenzen von Angestellten bescheinigt – beträgt der Frauenanteil unter diesen Experten in Europa aktuell sieben Prozent. In Nordamerika machen Frauen immerhin 14 Prozent der Beschäftigten im Bereich Cybersicherheit aus.
„Es gibt viel Gerede und wohl auch Interesse, aber nicht viel Bewegung, um mehr Frauen für die Cybersicherheit zu gewinnen,“ kritisierte (ISC)2 Europa-Sprecherin Lyndsay Turley.
Sie wies außerdem darauf hin, einige Frauen könnten durch ein irreführendes Bild des Cybersicherheitssektors abgeschreckt werden. Dieses Bild werde sich aber wahrscheinlich ändern, wenn mehr Arbeitsplätze in diesem Feld zur Verfügung stehen: „Bei Cybersecurity denken viele an Hacker in Kapuzenpullis. Dabei geht es weitaus mehr um Geschäfts- und Managementarbeit, als die Leute sich vorstellen.“