Gas aus Nord-Stream-2-Pipeline entweicht in die Ostsee

Die dänischen Behörden haben am Montag (26. September) Schiffe aufgefordert, einen Fünf-Seemeilen-Radius vor der Insel Bornholm zu meiden, nachdem über Nacht ein Gasleck in der stillgelegten russischen Nord Stream 2-Pipeline in der Ostsee festgestellt worden war.

EURACTIV.com mit Reuters
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Die Pipeline ist einer der Brennpunkte in einem eskalierenden Energiekrieg zwischen Europa und Moskau seit Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar, der große westliche Volkswirtschaften in Bedrängnis gebracht und die Gaspreise in die Höhe getrieben hat. [Shutterstock/Frame Stock Footage]

Die dänischen Behörden haben am Montag (26. September) Schiffe aufgefordert, einen Fünf-Seemeilen-Radius vor der Insel Bornholm zu meiden, nachdem über Nacht ein Gasleck in der stillgelegten russischen Nord Stream 2-Pipeline in der Ostsee festgestellt worden war.

Die Bundesregierung erklärte, sie stehe in Kontakt mit den dänischen Behörden und arbeite mit den örtlichen Strafverfolgungsbehörden zusammen, um herauszufinden, was den plötzlichen Druckabfall in der Pipeline verursacht hat. Das dänische Energieministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Am Montagabend meldete der Betreiber der Nord Stream 1-Pipeline, die seit Mitte Juni vor der vollständigen Einstellung der Lieferungen im August mit reduzierter Kapazität betrieben wurde, ebenfalls einen Druckabfall in beiden Leitungen der Gaspipeline.

„Die Gründe dafür werden derzeit untersucht“, teilte die Nord Stream AG auf ihrer Website mit, ohne weitere Informationen zu nennen.

Die Pipeline ist einer der Brennpunkte in den eskalierenden Disputen um Energielieferungen zwischen Europa und Moskau seit Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar.

„An der Nord Stream 2-Pipeline im dänischen Gebiet ist heute ein Leck aufgetreten“, teilte die dänische Energiebehörde in einer Erklärung mit.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, erklärte auf Twitter, der Druckabfall in beiden Pipelines unterstreiche „die Einschätzung der Bundesnetzagentur einer angespannten Lage.“

Die Regulierungsbehörde erklärte, es sei derzeit nicht bekannt, was den Druckabfall verursacht habe. Weiter hieß es, das Ereignis habe keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland und die Gasspeicher des Landes seien zu etwa 91 Prozent gefüllt.

Die dänischen Schifffahrtsbehörden haben nach eigenen Angaben eine Schifffahrtswarnung herausgegeben und eine Zone um die Nord Stream 2-Pipeline eingerichtet, da sie „für den Schiffsverkehr gefährlich ist.“

Der Betreiber von Nord Stream 2 gab an, dass der Druck in der Pipeline, in der ein Teil des Gases versiegelt war, obwohl sie nie in Betrieb genommen wurde, über Nacht von 105 auf 7 bar gefallen sei.

Die Pipeline, mit der die von Sankt Petersburg unter der Ostsee nach Deutschland fließende Gasmenge verdoppelt werden sollte, war gerade fertiggestellt und mit 300 Millionen Kubikmetern Gas gefüllt worden, als Deutschland sie wenige Tage vor der Invasion abbrach.

Keine Klarheit

„Über Nacht registrierte der Dispatcher von Nord Stream 2 einen schnellen Druckabfall in der Leitung A der Nord Stream 2-Gaspipeline“, so der Betreiber von Nord Stream 2 in einer Erklärung. „Die Ermittlungen sind im Gange.“

„Wir sind derzeit in Kontakt mit den betroffenen Behörden, um die Situation zu klären. Wir haben noch keine Klarheit über die Ursachen und den genauen Sachverhalt“, heißt es in einer Erklärung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Der in der Schweiz ansässige Betreiber, der rechtlich abgewickelt wurde, erklärte, er habe alle zuständigen Behörden über das Leck informiert.

Der russische Gasexporteur Gazprom verwies Fragen zu dem Vorfall an den Betreiber von Nord Stream 2.

Russland hat die Gaslieferungen an mehrere Länder unterbrochen und auch den Durchfluss durch die Nord-Stream-1-Pipeline gestoppt, weil westliche Sanktionen den Betrieb behinderten.

Das Gasleck vom Montag ereignete sich einen Tag vor dem feierlichen Start der Baltic Pipe, die Gas von Norwegen nach Polen transportiert.

Das Projekt ist ein Kernstück der Bemühungen Warschaus, sich von russischem Gas zu lösen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wird am Dienstag zu diesem Anlass nach Polen reisen.

Nord Stream 2 war bei vielen Dän:innen unbeliebt, 2017 verabschiedete das Land ein Gesetz, das es ihm erlaubte, die Durchquerung seiner Hoheitsgewässer durch das Projekt aus Sicherheitsgründen zu verbieten.

Nord Stream 2 änderte jedoch später die ursprüngliche Route, um sie durch die ausschließliche Wirtschaftszone Dänemarks zu leiten, wo dieses Veto nicht angewendet werden konnte.