Gesundheitsetikette auf Wein: ​​Italien sucht Verbündete im Kampf gegen Irland

Die italienische Regierung arbeitet daran, das neue irische Gesetz zu blockieren, das Gesundheitskennzeichnungen auf alkoholischen Produkten wie Wein vorschreibt. Laut Rom verschrecke das die Verbraucher und sei eine Gefahr für den Binnenmarkt.

EURACTIV.it
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In Irland müssen Wein- und Spirituosenflaschen, die im Land verkauft werden, ab dem 22. Mai 2026 mit gesundheitsbezogenen Angaben versehen werden, wobei dem Markt eine dreijährige Übergangszeit eingeräumt wird, um sich anzupassen. Die Kennzeichnung muss Kalorien, Alkoholgehalt sowie die Risiken des Alkoholkonsums im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Lebererkrankungen und tödlichem Krebs angeben, teilte das irische Gesundheitsministerium mit. [[Shutterstock/Stokkete]]

Die italienische Regierung arbeitet daran, das neue irische Gesetz zu blockieren, das Gesundheitskennzeichnungen auf alkoholischen Produkten wie Wein vorschreibt. Laut Rom verschrecke das die Verbraucher und sei eine Gefahr für den Binnenmarkt.

In Irland müssen Wein- und Spirituosenflaschen, die im Land verkauft werden, ab dem 22. Mai 2026 mit gesundheitsbezogenen Angaben versehen werden, wobei dem Markt eine dreijährige Übergangszeit eingeräumt wird, um sich anzupassen.

Die Kennzeichnung muss Kalorien, Alkoholgehalt sowie die Risiken des Alkoholkonsums im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Lebererkrankungen und tödlichem Krebs angeben, teilte das irische Gesundheitsministerium mit.

„Ich freue mich darauf, dass andere Länder unserem Beispiel folgen“, sagte der irische Gesundheitsminister Stephen Donnelly und wies darauf hin, dass Irland das erste Land der Welt ist, das eine Gesundheitskennzeichnung für Alkoholprodukte einführt.  

Die Ankündigung Irlands hat jedoch bereits eine scharfe Reaktion der italienischen Regierung hervorgerufen, die Irland dafür kritisiert, wie es die Verbraucher vor den Gefahren des Alkoholkonsums warnen will.

„Wir sind mit Irlands Entscheidung nicht einverstanden. Sie ist völlig falsch und löst bei den Verbrauchern unbegründete Ängste aus. Es ist nicht der Wein als solcher, der schlecht ist, sondern der Alkoholmissbrauch“, sagte der Forza Italia-Abgeordnete Raffaele Nevi, Sekretär des Landwirtschaftsausschusses, gegenüber EURACTIV.

Nevi erklärt, dass das irische Gesetz einen Bruch im EU-Binnenmarkt darstelle, wo ab 2026 andere Regeln für Alkoholprodukte gelten könnten, die in Irland vermarktet werden als in anderen EU-Ländern.

„Es ist falsch, nationale Regelungen zu schaffen, die den europäischen vorauseilen. Europa als Ganzes muss einheitliche Regeln für alle Mitgliedsstaaten schaffen. Wir werden die nationale Regierung weiterhin auffordern, sich in Europa Gehör zu verschaffen“, fügte er hinzu.

Das neue irische Gesetz stieß bei 13 EU-Staaten, mehreren Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) und Alkoholherstellern auf wenig Gegenliebe, die wenig überraschend von einer „ungerechtfertigten und unverhältnismäßigen“ Barriere sprachen.

Der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida (Fratelli d’Italia/EKR) kündigte an, dass er und Außenminister Antonio Tajani (Forza Italia/EVP) mit anderen europäischen Ländern zusammenarbeiten, um sich Irlands Entscheidung zu widersetzen und einen Markt zu verteidigen, „der Produkte aus allen Ländern respektiert“.

„Wir halten das Vorgehen Irlands für falsch, denn es ist eine Sache, zu informieren und zur Mäßigung aufzurufen, was wir für richtig halten; es ist eine andere Sache zu sagen, dass ein Produkt, egal wie viel man davon zu sich nimmt, schlecht für einen ist“, so Lollobrigida.

Italiener leben länger als die Iren 

Italien, Frankreich und Spanien, auf die 47 Prozent aller weltweit produzierten Weinflaschen entfallen, arbeiten dabei zusammen, um gegen das irische Gesetz vorzugehen.

Und zusammen mit Bulgarien, Griechenland, der Tschechischen Republik, Ungarn, der Slowakei und Portugal bereiten sie ein „Non-Paper“ vor, in dem die Kommission aufgefordert wird, einen Dialog mit der irischen Regierung aufzunehmen.

Lollobrigida wies auch darauf hin, dass Italien, wo Wein Teil der mediterranen Ernährung ist, die Nation mit der zweithöchsten Lebenserwartung der Welt ist, während Irland mit Alkoholismus zu kämpfen hat.

„Vielleicht sollten sie mehr für die Information und den richtigen Umgang mit Alkohol tun“, schlug die Ministerin vor.

Die Verbände der Wein-, Bier- und Spirituosenhersteller haben bei der Europäischen Kommission offiziell Beschwerde eingelegt und ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Irland eingeleitet. Das Thema wird am 21. Juni erneut erörtert.

„Der Angriff auf den italienischen Wein, den wir erleben, hat nichts Wissenschaftliches an sich, und die offiziellen Zahlen der Forschungsinstitute bestätigen dies“, sagte die Italienische Gesellschaft für Umweltmedizin (Sima), wie Ansa berichtete.

„Was wir brauchen, ist eine echte Kampagne gegen den Alkoholmissbrauch junger Menschen, denn die häufigste Todesursache unserer jungen Leute zwischen 14 und 24 Jahren ist nicht Krebs, sondern alkoholbedingte Verkehrsunfälle“, sagte Sima-Präsident Alessandro Miani.