Griechenland schiebt Türken nach versehentlichem Grenzübertritt ab
Die Lokalpresse interpretiert die schnelle Freilassung des türkischen Staatsbürgers als Zeichen des guten Willens gegenüber Ankara, das immer noch zwei griechische Soldaten gefangen hält.
Griechenland hat am heutigen Montag einen türkischen Staatsbürger abgeschoben, der vergangene Woche versehentlich in griechisches Hoheitsgebiet eingedrungen war. Die Lokalpresse sieht dies als Zeichen des guten Willens gegenüber Ankara, das immer noch zwei griechische Soldaten gefangen hält.
Vor fast einer Woche überquerte der inzwischen als Musa Aleric identifizierte türkische Staatsbürger bei Erdarbeiten für seine Gemeinde die Grenze im Nordosten Griechenlands. Kurz darauf wurde er von griechischen Grenzschutzbeamten verhaftet.
Aleric erklärte, er habe die Grenze versehentlich mit seinem Bagger überquert.
„Ich dachte einen Moment lang, die griechischen Soldaten seien Türken; und ich fuhr neben ihnen her. Dann wurde mir klar, dass es griechische Soldaten waren. Da ich keine Fremdsprache beherrsche, konnte ich ihnen nicht erklären, was passiert war,“ so der Arbeiter.
Aleric wurde für den illegalen Grenzübertritt von einem griechischen Gericht zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten sowie einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt und nach fünf Tagen in die Türkei zurückgeschickt.
Zurück in seinem Heimatland zeigte er sich zufrieden mit der Behandlung der griechischen Behörden: „Wegen eines Fehlers begab ich mich in ihr [in griechisches] Gebiet; das ist wahr. Die Griechen begrüßten mich herzlich, als wäre ich ein Besucher. Sowohl die griechische Justiz als auch die Polizei verstanden, dass ich keine schlechten Absichten hatte.“
Vor mehreren Wochen hatten zwei griechische Soldaten bei schlechten Wetterverhältnissen in der gleichen Region versehentlich die Grenze überschritten. Sie wurden in der Türkei verhaftet und befinden sich inzwischen seit mehr als einem Monat in türkischer Haft. Es wurde noch keine Anklage gegen sie erhoben.
Alle EU-Institutionen haben die türkischen Behörden aufgefordert, das Gerichtsverfahren rasch abzuschließen und die beiden inhaftierten griechischen Soldaten frei- und nach Griechenland ausreisen zu lassen.
Aber Ankara wies das Drängen der Europäer zurück und erklärte, es handle sich um einen „juristischen Prozess“, dessen „Politisierung“ die europäische Seite einstellen solle.
Mehrere Pressevertreter in Athen zeigten sich überzeugt, mit der schnellen Freilassung und Abschiebung des türkischen Bauarbeiters wolle die griechische Regierung eine Botschaft in Bezug die beiden inhaftierten griechischen Soldaten senden und das Verfahren in der Türkei beschleunigen.
Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte kürzlich kritisiert: „Sie [die türkischen Behörden] können nicht ernsthaft behaupten, dass die Anwesenheit von zwei griechischen Soldaten eine Bedrohung für die Sicherheit der Türkei darstellt. Diese beiden Griechen sollten auf jeden Fall freigelassen werden.“