Griechische Waldbrände lassen Migrationsthema wieder aufflammen

Videos, die zeigen, wie griechische Bürger Einwanderer wegen angeblicher Brandanschläge festhalten, haben in den sozialen Medien eine Kontroverse ausgelöst und eine hitzige Debatte über die irreguläre Einwanderung in das Land neu entfacht.

Euractiv.com
Wildfire in Dadia National Park in Evros
Die griechische Region Evros, die in den letzten Tagen von einigen der tödlichsten Waldbrände Europas heimgesucht wurde, ist eine häufige Durchgangsstation für Migranten, die aus der angrenzenden Türkei ins Land kommen. [<a href="https://epaimages.com/search.pp?flush=1&multikeyword=Evros&startdate=&enddate=&autocomplete_City=&metadatafield5=&autocomplete_Country=&metadatafield44=" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/DIMITRIS ALEXOUDIS</a>]

Videos, die zeigen, wie griechische Bürger Einwanderer wegen angeblicher Brandanschläge festhalten, haben in den sozialen Medien eine Kontroverse ausgelöst.  Ebenfalls wurde eine hitzige Debatte über die irreguläre Einwanderung in das Land neu entfacht.

Die griechische Region Evros, die in den letzten Tagen von einigen der tödlichsten Waldbrände Europas heimgesucht wurde, ist eine häufige Durchgangsstation für Migranten, die aus der angrenzenden Türkei ins Land kommen. Einige Anwohner befürchten, dass die abgebrannten Wälder die illegale Einreise erleichtern.

Anfang dieses Monats erklärte die stellvertretende griechische Ministerin für Migration und Asyl, Sofia Voultepsi, dass die Migrationsströme durch Griechenland in diesem Jahr um 65 Prozent zugenommen haben. Insbesondere die Zahl der irregulären Grenzübertritte im Sommer in Evros sei besonders stark angestiegen. Dies führte zu mehr als 2.300 Festnahmen durch die örtlichen Behörden seit Juni 2023.

Vorwürfe der Brandstiftung

Einige Stimmen haben sich verdächtig über die Orte und den Zeitpunkt der Brände geäußert und auf die Nähe von Migrantenrouten und irregulären Aktivitäten verwiesen.

Zu den Bränden in der nahe gelegenen Region Rodopi in Thrakien sagte der Abgeordnete Evripidis Stylianidis von der regierenden konservativen Partei Neue Demokratie, dass die Brände entlang der von irregulären Migranten genutzten Bergpfade entstanden seien. „Dies kann nicht ignoriert werden“, fügte er hinzu.

Das Problem erreichte letzte Woche (22. August) dramatische Ausmaße, als drei griechische Dorfbewohner 13 Einwanderer festhielten, denen sie vorwarfen, in der Nähe eines bewohnten Gebiets Brände gelegt zu haben.

Auf einem Video, das einer der Dorfbewohner aufgenommen hatte, sind die 13 Einwanderer auf einem Anhänger zu sehen, der von einem Lastwagen gezogen wird. Die Festgenommenen wurden inzwischen von den Vorwürfen freigesprochen.

Ein am Montag (28. August) veröffentlichtes Video zeigt, wie griechische Bürger in Evros vier Einwanderer festhielten, die sie als Brandstifter beschuldigen. Eine polizeiliche Untersuchung ist im Gange.

Hetze gegen Migranten

Die kontroversen Vorfälle haben die Diskussion über Migration im ganzen Land angeheizt. Während die einen die griechischen Dorfbewohner, die die Sache selbst in die Hand genommen haben, loben, verurteilen andere ihr Vorgehen.

„Diese Leute verteidigen ihr Eigentum“, sagte Kyriakos Velopoulos, der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Griechische Lösung, über die Bürger, die die Einwanderer festhielten. „Wer illegal ins Land kommt, muss bestraft werden.“

Die Ereignisse haben eine Intervention des griechischen Obersten Gerichtshofs ausgelöst, der sich besorgt über das gezielte und rassistische Verhalten gegenüber Einwanderern äußerte.

In Verschwörungstheorien, die häufig von rechten Gruppierungen unterstützt werden, werden die Waldbrände in Evros als ein inszenierter „Angriff“ auf das Land dargestellt, der durch den Zustrom von Einwanderern in die Region ermöglicht wurde.

Velopoulos fordert nun verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Evros, um das Land zu schützen.

„Das Gebiet von Dadia, das die natürliche Verteidigungslinie unseres Landes gegen eine Invasion darstellte, muss mit Panzerabwehrminen ausgestattet werden“, sagte er.

Die Ermittlungen der örtlichen Behörden und des Ministeriums für Bürgerschutz dauern noch an, aber die bisherigen Ergebnisse deuten auf natürliche Ursachen für die Brände in Evros hin.

Die Behörden schließen jedoch nicht aus, dass einer der Brände unbeabsichtigt von Einwanderern verursacht wurde, die versuchten, zu kochen oder sich zu wärmen. Hinweise auf organisierte „Anschläge“ wurden nicht gefunden.

Brandstiftung im ganzen Land

Vasilis Kikilias, Minister für Klimakrise und Katastrophenschutz, teilte am vergangenen Donnerstag (24. August) in einer Erklärung stark gegen Brandstifter aus, nachdem in der Gegend von Avlonas in Attika kurz hintereinander eine Reihe neuer Brände aufgetreten war.

„Einige […] Brandstifter legen Brände, die Wälder, Eigentum und vor allem Menschenleben gefährden“, sagte Kikilias. „Sie begehen Verbrechen gegen unser Land. Sie werden gefunden und vor Gericht gestellt werden.“

Mehrere Personen wurden verhaftet, nachdem sie in der Nähe der betroffenen Gebiete von Avlonas und Menidi in Attika angetroffen worden waren, wo gegen sie wegen versuchter Brandstiftung ermittelt wird.

Seit Beginn der Feuersaison haben die Feuerwehr und die Polizei 167 Festnahmen wegen Brandstiftung vorgenommen, so der Minister in einem Beitrag auf X, ehemals Twitter.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]