Habeck schmeichelt Hamburg: Zeichen stehen auf Wasserstoff und Wärmewende
Es war der Beginn von Vizekanzler Robert Habecks Antrittstournee in den Ländern. Bei einem Besuch in der Hansestadt Hamburg hat Habeck für seinen Klimaneutralitätspfad geworben und Zuspruch erhalten.
Es war der Beginn von Vizekanzler Robert Habecks Antrittstournee in den Ländern. Bei einem Besuch in der Hansestadt Hamburg hat Habeck für seinen Klimaneutralitätspfad geworben und Zuspruch erhalten.
Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Das besagt nicht nur das deutsche Klimaschutzgesetz, sondern gemäß dem Bundesverfassungsgericht ist die Bundesregierung sogar dazu verpflichtet, das Interesse der Jugend an einem “gesunden” Klima zu schützen.
Es sei nicht die Zeit für Kaffeetrinken “und dann wieder wegfahren,” sagte der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz am Dienstag nach seinem Gespräch mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher.
Abgesehen von den massiven Herausforderungen, vor die COVID-19 die “Beschäftigung, Einzelhandel, Dienstleistungen und Unternehmen” stellt, waren auch laut Habeck auch die hohen Energiepreise Gegenstand der Gespräche.
Aber das Herzstück der Gespräche waren klar die ambitionierten Klimaziele Hamburgs und Habecks, der meinte, er habe die Gespräche mit einem “prall gefüllten Auftragsbuch” verlassen.
In der Hinsicht scheint sich Tschentscher von Habecks Linie bestätigt gefühlt sehen. “Wir haben das, was die neue Bundesregierung beschlossen hat … als großen Rückenwind empfunden für unsere Ziele in Hamburg”, so der Oberbürgermeister.
Nach dem Gespräch mit Tschetscher standen auch noch ein Besuch beim Flugzeug- und Drohnenbauer Airbus und beim Aluminiumhersteller TRIMET auf der Tagesordnung.
Hansestadt von Wasserstoff und Wärmewende
Besonders hatte Tschentscher die “Stärkung der Industrie” als auch ihre “Transformation im Sinne der Digitalisierung” hervorgehoben. Zudem wurden auch die Wasserstofftechnologie und die Frage, wie “grüner Strom in Wasserstoff umzuwandeln” sei, intensiv diskutiert.
Für dicht bevölkerte Gebiete wie die größte deutsche Hafenstadt Hamburg ist die Dekarbonisierung ihrer energieintensiven Industriezweige oft auch eine Frage der Raumplanung.
Da Wasserstoff eine relativ hohe Energiedichte aufweist, benötigt er insgesamt weniger Transportinfrastruktur als Strom. Gerade in Häfen wo der Platz eng ist, kann das relevant sein.
Für den Hafen von Rotterdam beispielsweise würde eine volle Elektrifizierung ein Kabelbett von 49 Metern Breite erfordern, wobei Wasserstoff unter 10 Metern Breite bleiben würde, gemäß einer leitenden Quelle des Hafens.
Wasserstoff hat auch den Vorteil, dass bestehende Erdgas-Infrastruktur mit verhältnismäßig geringem Aufwand weiter verwendet werden könnte.
Habeck fand auch lobende Worte für Hamburgs geplante Wärmewende. Die Pläne der Hansestadt “die ja sehr ambitioniert sind” wurden von Habeck wohl auch deswegen goutiert, weil Hamburg ab 2030 aus der Wärmeerzeugung mit Kohle aussteigen will.
Die Nutzung von Geothermie, von industrieller Abwärme und das Fernwärmenetz noch einmal auszubauen seien zwar “konzeptionell wunderbar durchdacht, vorgefertigt und in Arbeit”, aber die Frage sei auch die Geschwindigkeit, so Habeck.
Die Geschwindigkeitsthematik hatte Habeck bereits im Bundesrat im Dezember angeschnitten.
“Gibt es genug Fördergelder? Stimmt der Marktrahmen dafür? Gibt es genug erneuerbare Energien?” wären die zentralen Fragen laut dem Vizekanzler.
“Und daran arbeiten wir. Das ist jetzt unsere Aufgabe”.
Habecks Charmeoffensive
Der Besuch des Bundesministers in Hamburg war der Beginn einer Deutschlandtour bei der er sowohl für sein ambitioniertes “Osterpaket” werben, als auch die föderalistischen Barrieren mit freundlichen Gesten abbauen will.
“Als ich Landesminister war, habe ich es sehr geschätzt, wenn die Kollegin aus dem Bundeskabinett sich mal die Mühe gemacht haben, in die Provinz das Willkommen zu sagen”, so Habeck in den prachtvollen Räumlichkeiten des Hamburger Rathauses.
Habeck relativierte seine Äußerungen jedoch umgehend. Er korrigierte sich und wies darauf hin, dass Hamburg natürlich keine Provinz sei, sondern für Berliner alles außerhalb der Stadtgrenzen als Provinz gesehen wird.
Habecks Charmeoffensive hatte bereits im Dezember ihren Anfang genommen, als er bei einer Plenarsitzung des Bundesrates vorstellig wurde und für den Klimaschutz und das EU-Klimaschutzpaket warb.
“Wir werden viel miteinander zu diskutieren haben in den nächsten vier Jahren”, kündigte Habeck an.
“Vieles, was in meinem Haus ressortiert, was die Bundesregierung zu entscheiden hat und was ich persönlich entscheiden werden muss, betrifft unmittelbar Landesangelegenheiten.”