Handelsboom zwischen Deutschland und Albanien
Trotz des politischen Chaos in Albanien geben sich Wirtschaftsverbände optimistisch. Das Land habe "enorme Reformfortschritte" gemacht und sei ein "Stabilitätsanker" des westlichen Balkans. Der Handel mit Deutschland könnte noch einmal deutlich anziehen.
Trotz des politischen Chaos in Albanien geben sich Wirtschaftsverbände optimistisch. Das Land habe „enorme Reformfortschritte“ gemacht und sei ein „Stabilitätsanker“ des westlichen Balkans. Der Handel mit Deutschland könnte noch einmal deutlich anziehen.
Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Albanien könnte sich in wenigen Jahren verdoppeln. Zu dieser Einschätzung kommen die Veranstalter der heutigen Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz in Hamburg. Dazu gehören unter anderem die Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft, der Ost- und Mitteleuropa Verein und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.
Zwischen 2005 und 2009 hat sich das Handelsvolumen bereits von 110 Millionen Euro auf 232 Millionen Euro erhöht. Unterstützt werde das wachsende Potenzial durch das im Frühjahr 2009 in Kraft getretene Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU (Siehe EURACTIV-Linkdossier EU-Albanien).
Die Wirtschaftsverbände verzeichnen eine positive Entwicklung Albaniens. Das Land habe in den vergangenen Jahren "enorme Reformfortschritte" erzielt, heißt es in einer Erklärung. Albanien sei heute eine politisch gefestigte Demokratie und wirtschaftspolitisch auf Modernisierung ausgerichtet. "Mit seiner klaren Ausrichtung auf Europa hat sich Albanien auch zu einem wichtigen Stabilitätsanker des westlichen Balkans entwickelt und ist damit zum interessanten Wirtschaftspartner avanciert."
Trotz des vielen Lobes fordern die Wirtschaftsverbände weitere Reformschritte. "Die Internationalisierung des Tourismus und die Modernisierung der Landwirtschaft gehören ebenso dazu wie die Stärkung der Rechtssicherheit beispielsweise von Eigentum und Wettbewerb."
Betrugsvorwürfe lähmen Albanien
Derzeit ist die politische Situation in Albanien chaotisch (EURACTIV.de vom 21. Mai 2010). Die sozialistische Opposition wirft der Regierung von Premier Sali Berisha Wahlbetrug vor und boykottiert Abstimmungen im Parlament. Davon sind auch Gesetze betroffen, die für den Fortgang der EU-Beitrittsverhandlungen Albaniens notwendig sind.
Das Land werde seit einem Jahr von einer "unverantwortlich agierenden Opposition als Geisel genommen", so die CDU-Europaabgeordnete und Balkanexpertin Doris Pack im EURACTIV.de-Interview. In einer gemeinsamen Erklärung drücken die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton und EU-Erweiterungskommissars Štefan Füle ihre Beunruhigung über den "anhaltenden politischen Stillstand" aus. "Parlamentarische Arbeit ohne die Opposition entspricht nicht den EU-Standards und der Weg voran sollte sich durch Respekt für die Verfassung auszeichnen", mahnte Füle Mitte April.
Hintergrund
Im November 2009 hat die EU den Antrag Albaniens zum EU-Beitritt angenommen. Nach dem seit 1995 bestehenden Investitionsschutzabkommen erwartet die Wirtschaft beider Länder nun die Ratifizierung des im April unterzeichneten Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Albanien.
Einen weiteren wichtigen Schritt für die Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sieht die Wirtschaft beider Länder in der von der EU-Kommission angekündigten Visa-Liberalisierung (EURACTIV.de vom 27. Mai 2010).
awr
Links
Veranstalter der Deutsch-Albanischen Wirtschaftskonferenz:
Deutsch-Albanische Wirtschaftsgesellschaft (DAW): Internetseite
Ost- und Mitteleuropa Verein: Internetseite
Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft: Internetseite
EU
EU: Albanien-Delegation der Europäischen Union
EU: Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Albanien (1. April 2009)
EU: Fortschrittsbericht Albanien 2009 (14. Oktober 2010)