Honigkrise: Preisverfall bringt Litauens Imker in Bedrängnis

Überproduktion und Billigimporte aus Nicht-EU-Ländern treiben Imkereibetriebe in Litauen in den Bankrott. Die Regierung lehnt die Forderung der Branche nach zusätzlichen EU-Geldern ab.

LRT.lt
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Bereits im Frühjahr befürchteten die litauischen Imker, dass die Dürre die diesjährige Ernte vernichten würde, doch die Ernte ist so reichlich, dass sie Schwierigkeiten haben, den gesamten Honig zu lagern. [dba87/Shutterstock]

Überproduktion und Billigimporte aus Nicht-EU-Ländern treiben Imkereibetriebe in Litauen in den Bankrott. Die Regierung lehnt die Forderung der Branche nach zusätzlichen EU-Geldern ab.

Noch im Frühjahr hatten litauische Imker die Befürchtung geäußert, dass das trockene Wetter in diesem Jahr zu weitgehenden Ertragsausfällen führen könnte. Doch nun ist der Honigertrag so umfangreich, dass sie die Lagerflächen der Betriebe an die Kapazitätsgrenze und die Preise nach unten treiben.

Tomas Jasiukėnas, der eine Imkerei in der Region Biržai betreibt, sagt, er habe in diesem Jahr aus jedem seiner Bienenstöcke 100 Kilogramm Honig entnommen. Er hält etwa 150 Bienenstöcke, hat also Tonnen von Honig – aber keine Abnehmer.

Im besten Fall, so sagt er, bieten die großen Verarbeiter die Hälfte des Preises vom letzten Jahr.

„Dieses Jahr boten sie 1,6 Euro pro Kilogramm. Mein Bruder und ich haben darüber diskutiert und beschlossen, dass wir nicht verkaufen, sondern den Honig behalten werden. Aber wissen Sie, wir brauchen etwas zum Leben. Wir leben davon, wir haben keine Nebenjobs“, erklärt Jasiukėnas.

Kleinere Imker versuchen, ihre Produkte auf Bauernmärkten zu verkaufen. Laut Linas Katilius, Vorsitzender des Imkerverbands des Bezirks Pakruojis, verkaufen sie den Honig nun für fünf Euro pro Kilogramm – die Hälfte des Preises von Anfang Juni.

Wegen der Überproduktion sei die Honigkrise in ganz Europa zu spüren, erklärt der Imkereiexperte Tautvydas Vaičiūnas.

„Nach der Covid-19-Pandemie ging der Verbrauch von Bienenprodukten zurück. Auch die Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern haben zugenommen: Vor allem aus China, Argentinien und der Türkei. Auch die Einfuhren aus der Ukraine sind hoch“, so Valčiūnas. Viele Lieferanten aus dem Nicht-EU-Ausland streckten zudem den Honig mit Zuckersirup.

Die Imker wünschen sich mehr Unterstützung und Hilfe von der Regierung und fordern, den Betrieben Gelder aus der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) zuzusagen.

„Wir würden uns wünschen, dass die EU und das Landwirtschaftsministerium der Bienenzucht mehr Aufmerksamkeit schenken, um den Markt zu schützen und Importe aus Drittländern zu verhindern. […] Die zweite Sache ist, dass es nicht viel Unterstützung für Imker gibt“, so Jasiukėnas.

Die Unterstützung, die es gibt, ziele darauf ab, den Bau neuer Bienenstöcke und die Ausweitung der Produktion zu fördern, aber das sei im Moment nicht das Problem. „Es könnte eine Art Zahlung pro Bienenstock geben. Mindestens zehn bis 20 Euro pro Bienenstock“, so der Imker.

Der stellvertretende Landwirtschaftsminister Vytautas Abukauskas hat jedoch erklärt, dass es keine zusätzlichen EU-Gelder geben werde.

„Nirgendwo in Europa ist von einer Unterstützung für Imker die Rede, zumindest soweit ich weiß“, sagt er. „Die Imker erhalten eine besondere Unterstützung für die Fütterung der Bienen im Winter, wo wir jedes Jahr etwas mehr als eine halbe Million [Euro] für den Kauf von Zucker oder Sirup bereitstellen.“

Laut Imkereiexperte Vaičiūnas schaffen die Bienenstöcke weitaus mehr Wert als nur Honig, vor allem bei der Bestäubung von Pflanzen. Wenn die Zahl der Imkereibetriebe drastisch reduziert würde, bekämen demnach auch andere Landwirte die Folgen zu spüren.

„Bienenprodukte machen nur 20 Prozent der Wertschöpfung der Bienen aus. Wenn die Bienenpopulationen zurückgehen, würden nicht nur die Imker die Auswirkungen spüren, sondern auch andere Wirtschaftszweige“, betont er.

Nach Angaben des Imkerverbands hat sich die Zahl der Bienenfarmen in den letzten Jahren fast verdoppelt. Heute gibt es bis zu 11.000 Imker und rund 220.000 Bienenvölker. Die meisten Imkereien sind kleine Familienbetriebe.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei EURACTIVs Medienpartner LRT.lt.