Gaskrise treibt Wärmepumpenboom in Europa voran

Der weltweite Absatz von Wärmepumpen ist im vergangenen Jahr um fast 15 Prozent gestiegen. Der größte Anteil davon entfiel auf die Europäische Union, wo die Sorge um die Energiesicherheit aufgrund des Krieges in der Ukraine die Nachfrage antreibt, so ein neuer Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA).

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Heat pump installer
Laut IEA-Bericht könnte der jährliche Absatz von Wärmepumpen in Europa bis 2030 auf 7 Millionen steigen - gegenüber 2 Millionen im Jahr 2021 -, wenn die Regierungen ihre Klima- und Energieziele erreichen [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/air-conditioning-technician-part-preparing-install-1745619836" target="_blank" rel="noopener">I AM NIKOM / Shutterstock</a>]

Der weltweite Absatz von Wärmepumpen ist im vergangenen Jahr um fast 15 Prozent gestiegen. Der größte Anteil davon entfiel auf die Europäische Union, so ein neuer Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA).

Die größten Wachstumsraten im weltweiten Wärmepumpenmarkt wurden in der Europäischen Union verzeichnet, wo der Absatz von Wärmepumpen um 35 Prozent stieg, so der am Mittwoch (30. November) veröffentlichte Sonderbericht der IEA über „Die Zukunft der Wärmepumpen.“

Wärmepumpen verdichten Wärme aus der Umgebung, abhängig von der Bauart entweder aus der Luft, einer Wasser-Wärmequelle oder mithilfe von Geothermie. Dabei sind sie mindestens dreimal so energieeffizient wie traditionelle Gasboiler.

Der Trend dürfte sich deswegen fortsetzen, denn in Polen, den Niederlanden, Italien und Österreich hat sich das Absatzwachstum in der ersten Jahreshälfte 2022 (verglichen mit dem Vorjahreszeitraum) bereits verdoppelt.

Die sinkenden Gaslieferungen aus Russland wirken wie ein Katalysator für den Einsatz von Wärmepumpen in der EU, wo sich die Regierungen auf Pläne geeinigt haben, die russischen Importe in diesem Jahr um zwei Drittel zu senken und sie „deutlich vor 2030“ auf Null zu bringen.

Wenn die Regierungen ihre Klima- und Energieziele erreichen, könnte der jährliche Absatz von Wärmepumpen in Europa von zwei Millionen im Jahr 2021 auf sieben Millionen im Jahr 2030 steigen, heißt es in dem Bericht.

„In der Vergangenheit wurden saubere Energieoptionen aus klimabezogenen Gründen unterstützt“, erklärte Fatih Birol, der geschäftsführende Direktor der IEA.

„Aber heute ist der größte Antrieb für Wärmepumpen, Solarenergie, Windkraft oder Elektroautos in Europa die Energiesicherheit. Der Antrieb hat sich also geändert. Und die Energiesicherheit ist jetzt der Hauptantrieb“, sagte er in einem Interview mit EURACTIV.

Nach Angaben der IEA entfällt heute ein Drittel des Gasbedarfs in der EU auf die Beheizung von Gebäuden. Wärmepumpen könnten diesen Bedarf im Jahr 2025 um fast sieben Milliarden Kubikmeter (bcm) reduzieren – das entspricht der Gasmenge, die letztes Jahr über die Transadriatische Pipeline geliefert wurde, so die IEA.

„Als Folge der Krise leiden wir unter höheren Energiepreisen“, räumte Birol ein. „Aber gleichzeitig beschleunigt sie den Übergang zu sauberer Energie sowohl aus Gründen der Energiesicherheit als auch des Klimas.“

Dem IEA-Bericht zufolge sind Wärmepumpen ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Plans zur Senkung der Emissionen und des Erdgasverbrauchs, da sie hocheffizient und klimafreundlich sind und den Verbraucher:innen helfen, den Energieverbrauch zu senken.

Und entgegen der weit verbreiteten Meinung hat sich die Technologie selbst in den kältesten Klimazonen bewährt.

„In Norwegen sind 60 Prozent der Gebäude mit Wärmepumpen ausgestattet, in Schweden und Finnland sind es über 40 Prozent, was das Argument entkräftet, Wärmepumpen seien für kalte Klimazonen ungeeignet“, heißt es in dem Bericht.

Die Haupthindernisse liegen heute vor allem in den hohen Vorlaufkosten für die Installation und in Engpässen in der Lieferkette, einschließlich eines Mangels an Halbleitern, die bei der Herstellung von Wärmepumpen verwendet werden.

Im Gespräch mit EURACTIV sagte Birol, er habe zwei Empfehlungen für die EU-Regierungen, um dieses Problem anzugehen.

„Die erste Herausforderung bei Wärmepumpen sind die Kapitalkosten“, die vor allem für Familien mit geringem Einkommen ein Hindernis darstellen. Er sagte, die Regierungen sollten den Haushalten „direkte Unterstützung“ anbieten und sicherstellen, dass diese mit einem Minimum an Bürokratie einhergeht.

Seine zweite Empfehlung lautet, die Qualifikation und Ausbildung der Installateur:innen zu verbessern. „Es mangelt an qualifizierten Arbeitskräften – Techniker:innen, Elektriker:innen“, sagte Birol. Die Regierungen sollten den Installateur:innen Ausbildungs- oder Weiterbildungskurse von „maximal drei Monaten“ anbieten, fügte er hinzu.

Verbot von neuen Gaskesseln ab 2025

Birol unterstützte auch Maßnahmen, die von der Installation neuer Gaskessel abhalten sollen. In Deutschland zum Beispiel werden neue fossile Heizungsanlagen ab 2024 verboten sein.

„Es ist nicht nur notwendig, Anreize für Wärmepumpen zu schaffen, sondern auch für andere Technologien, die fossile Brennstoffe verwenden“, stimmte Birol zu. „Unter diesem Gesichtspunkt kann ein europaweites Verbot von den europäischen Entscheidungsträger:innen gut erwogen werden“, sagte er gegenüber EURACTIV.

„Ich denke, dass 2025 der richtige Zeitpunkt für ein Verbot ist“, fügte er hinzu und bezog sich dabei auf eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie der IEA, die besagt, dass ab diesem Zeitpunkt weltweit keine neuen Heizkessel für fossile Brennstoffe mehr verkauft werden sollten, wenn die Welt bis Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Emissionen erreichen will.

Auf Seiten der Industrie begrüßte die European Heat Pump Association (EHPA) den IEA-Bericht. „Wir hoffen, dass die Botschaft von der EU und den Ländern auf der ganzen Welt gehört wird und schnelle Maßnahmen vor Ort folgen“, sagte Thomas Nowak, Generalsekretär der EHPA.

In Europa sind Unternehmen wie der deutsche Mittelständer Viessmann damit beschäftigt, mit der boomenden Nachfrage Schritt zu halten und Engpässe in der Lieferkette zu beheben. So sollen in Deutschland ab 2024 jährlich 500.000 Wärmepumpen installiert werden, was eine Produktionssteigerung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß erfordert.

„Wir haben die beispiellose Dynamik auf den Märkten voll erfasst: Viessmann plant, 1 Milliarde Euro zu investieren, um zum EU-Ziel beizutragen, bis 2027 10 Millionen neue Wärmepumpen zu installieren“, sagte Alix Chambris, Viessmann-Vizepräsidentin für Global Public Affairs und Nachhaltigkeit.

Nach Ansicht von Viessmann werden die nächsten Jahre entscheidend sein.

„Die Millionen neuer Wärmepumpen müssen leistungsstark, hocheffizient und nachhaltig sein“, sagte Chambris und verwies auf natürliche Kältemittel, die als Ersatz für klimawirksame F-Gase in Wärmepumpen eingesetzt werden können.

Chambris betonte auch, dass die Unterstützung der Haushalte bei der Finanzierung des Umstiegs auf erneuerbare Energien „entscheidend für den Erfolg sein wird.“

[Bearbeitet von Alice Taylor]