Im Namen der Kohärenz: Frankreich will Atomstrom-Wasserstoff in Erneuerbaren-Richtlinie

Frankreich fordert "Kohärenz" bei den Gesetzestexten zum Thema Wasserstoff, nachdem die Europäische Kommission gestern neue Regeln veröffentlicht hat, die den Beitrag von Wasserstoff aus Kernkraft zu den Dekarbonisierungszielen der EU anerkennen.

EURACTIV France
APR 2022
Die Europäische Kommission hat am Montag (13. Februar) ein lang erwartetes Regelwerk veröffentlicht, das definiert, was als "erneuerbarer" Wasserstoff angesehen werden kann. [<a href="https://newsroom.consilium.europa.eu/permalink/p153627" target="_blank" rel="noopener">Copyright: European Union</a>]

Inmitten der ganzen neuen EU-Regeln, die Wasserstoff, seine Produktion und seine Kategorien regulieren, fordert Frankreich mehr „Kohärenz“. 

Die Europäische Kommission hat am Montag (13. Februar) ein lang erwartetes Regelwerk veröffentlicht, das definiert, was als „erneuerbarer“ Wasserstoff angesehen werden kann.

Zuvor hatte sich Frankreich monatelang dafür eingesetzt, dass grüner Wasserstoff nicht nur aus erneuerbaren Energien, sondern auch aus kohlenstoffarmem Atomstrom gewonnen werden soll.

Frankreich wird von der Zusätzlichkeits-Regel für erneuerbaren Wasserstoff ausgenommen, solange der Strommix des Landes weniger als 18 gCO2eq/MJ ausstößt – ein Ziel, das Frankreich dank seiner Flotte von 56 Kernreaktoren, sollten sie funktionieren, relativ leicht erreichen kann.

Das jüngste grüne Licht der Kommission gibt Frankreich somit die Möglichkeit, seinen kohlenstoffarmen Strom mit weniger Umständen für die Wasserstoffproduktion zu nutzen.

In diesem Sinne haben die europäischen Abgeordneten, die am Donnerstag (9. Februar) im Industrie- und Energieausschuss des Parlaments zusammenkamen, den Begriff des „kohlenstoffarmen Wasserstoffs“ definiert und sich darauf geeinigt, ihn im Rennen um die Dekarbonisierung mit dem erneuerbaren Wasserstoff auf die gleiche Stufe zu stellen.

Frankreich will nun auf seinen „Erfolgen“ aufbauen, um die Kohärenz der EU-Gesetzgebung für Wasserstoff sicherzustellen, so Agnès Pannier-Runacher, die Energieministerin des Landes.

„Die Überzeugungsarbeit, die ich mit meinen europäischen Kollegen geleistet habe, hat Früchte getragen“, sagte Pannier-Runacher am Montag (13. Februar).

„Mit der Veröffentlichung dieser Wasserstoff-Regeln werden die Anstrengungen Frankreichs zur Dekarbonisierung anerkannt. Wir müssen diese Logik nun auf unsere Ziele für erneuerbaren Wasserstoff in der RED3-Richtlinie anwenden“, sagte sie in Bezug auf die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien, die derzeit zum dritten Mal überarbeitet wird.

„Dies ist ein schwieriger Punkt für Frankreich und seine Partner und wir sind noch nicht so weit“, warnte sie.

Richtlinie über erneuerbare Energien

In einer „Logik der Parallelität“ besteht Frankreich inzwischen darauf, dass alle anderen EU-Texte zum Thema Wasserstoff auch den Beitrag der Kernenergie zu den Dekarbonisierungszielen der EU berücksichtigen.

Das ist ein erheblicher Vorstoß, denn Wasserstoff wird in EU-Gesetzen und Abkommen oft erwähnt.

So fordert Paris beispielsweise, dass sein dekarbonisierter Atomstrommix bei der Festlegung der EU-Ziele für erneuerbare Energien bis 2030 berücksichtigt wird.

Die Verhandlungen nehmen in dieser Frage „keine zufriedenstellende Wendung“, warnte Pannier-Runacher Anfang des Monats und bezog sich dabei auf die laufenden Verhandlungen die derzeit zur EU-Richtlinie über erneuerbare Energien stattfinden.

Andere EU-Initiativen, die einer Anpassung bedürfen, seien die ReFuelEU-Verordnung über Flugtreibstoffe und die mit EU-Partnerländern unterzeichneten Absichtserklärungen, so französische Quellen. Eine weitere ist die bevorstehende EU-Wasserstoffbank, die von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im September angekündigt wurde.

Dabei zählt Frankreich auf die Unterstützung Deutschlands und Spaniens, mit denen es kürzlich Vereinbarungen zur Entwicklung einer grenzüberschreitenden Wasserstoffpipeline namens H2Med unterzeichnet hat.

Eine uneinheitliche Anwendung der EU-Wasserstoffgesetzgebung in der Richtlinie über erneuerbare Energien könnte dieses von Berlin und Madrid unterstützte Pipeline-Projekt gefährden, warnte das Büro von Pannier-Runacher.

„Wir würden nicht wollen, dass das Ergebnis dieser europäischen Verhandlungen letztlich das wirtschaftliche Gleichgewicht dieser Infrastrukturprojekte infrage stellt“, sagte ein Berater des französischen Energieministers. „Und das ist das Risiko, das wir heute haben“, fügte der Berater hinzu.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]