Industrietätigkeit in Europa schrumpft weiter

Die Industrietätigkeit in der Eurozone schrumpfte im Juli weiter, wie eine Unternehmensumfrage am Donnerstag (1. August) bestätigte. Europas Wirtschaftsflaute scheint damit auch weiterhin anzuhalten.

Euractiv.com
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Der jüngste HCOB-Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie der Eurozone, der den allgemeinen Zustand der Fabriken im gesamten Währungsgebiet misst, blieb im vergangenen Monat unverändert bei 45,8 Punkten. Damit lag er leicht über den 45,6 Punkten, die in der Schnellschätzung der letzten Woche gemeldet wurden, aber unter der 50-Punkte-Marke, die Wachstum von Schrumpfung trennt. [Shutterstock/Oaklizm]

Die Industrietätigkeit in der Eurozone schrumpfte im Juli weiter, wie eine Unternehmensumfrage am Donnerstag (1. August) bestätigte. Europas Wirtschaftsflaute scheint damit auch weiterhin anzuhalten.

Der jüngste HCOB-Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie der Eurozone, der den allgemeinen Zustand der Industrie im gesamten Euroraum misst, blieb im vergangenen Monat unverändert bei 45,8 Punkten. Damit lag er leicht über den 45,6 Punkten, die in der Schnellschätzung der letzten Woche gemeldet wurden, aber unter der 50-Punkte-Marke, die Wachstum von Schrumpfung trennt.

In Deutschland sank der Index für die Industrie von Juni auf Juli von 43,5 auf 43,2 Punkte und damit auf ein Dreimonatstief. Zuvor hatte das EU-Statistikamt Eurostat veröffentlicht, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland mit -0,1 Prozent schwächer ausfiel als erwartet. Ursprünglich wurde mit +0,1 Prozent gerechnet.

Die Nachricht verstärkte die Befürchtung, dass Deutschland nur wenige Monate nach dem Ende des Konjunktureinbruchs von 2023 auf eine technische Rezession (definiert durch mindestens zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem Wachstum) zusteuern könnte. Damals verzeichnete Deutschland die weltweit schlechteste wirtschaftliche Entwicklung.

Sander Tordoir, Chefökonom des Centre for European Reform (CER), sagte, dass Deutschlands industrielle Schwäche nicht mehr plausibel auf den Anstieg der Energiepreise zurückgeführt werden kann, der durch Russlands Invasion in die Ukraine im Februar 2022 ausgelöst wurde. Die Energiekosten seien jetzt in etwa so hoch wie vor der Corona-Pandemie.

„Ich denke, es wird einige Zeit dauern, um die Faktoren zu entschlüsseln, aber es ist auch sehr klar, dass es nicht mehr wirklich die Energie sein kann“, erklärte Tordoir gegenüber Euractiv.

Zu den wahrscheinlichen Ursachen für den Rückgang der deutschen Industrie zählen laut Tordoir die nachlassende Binnen- und Auslandsnachfrage sowie die wachsende Konkurrenz aus China. Letzteres setzt zunehmend auf den Export von hochmodernen Industrieprodukten.

„Chinas industrielle Exportüberschüsse sind viel höher als vor der Pandemie und betreffen in der Regel die deutschen Sektoren, vor allem Autos. Meiner Meinung nach muss das ein wichtiger Teil des Puzzles sein“, sagte Tordoir.

Produktion auf breiter Front beeinträchtigt – noch härtere Zeiten voraus?

Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, verzeichnete einen noch stärkeren Rückgang des Einkaufsmanagerindex von 45,4 auf 44 Punkte. Dies ist ein Sechsmonatstief und liegt nur geringfügig unter der Schnellschätzung der letzten Woche von 44,1 Punkten.

„Die Industrietätigkeit in der Eurozone hat im Juli auf breiter Front einen Rückschlag erlitten“, erklärte Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, in einer Stellungnahme.

Die Umfragedaten würden hier zeigten, dass nur Griechenland und Spanien im vergangenen Monat ein „bedeutendes Wachstum“ in der Industrietätigkeit verzeichneten. Er warnte jedoch, dass „selbst dort die Dynamik deutlich nachgelassen hat.“

„Der weit verbreitete und steile Abschwung ist überraschend und macht es wahrscheinlicher, dass der Industriesektor in den kommenden Monaten harte Zeiten erleben wird“, meinte de la Rubia.

Bescheidener Wachstumsanstieg …

Die Daten des Einkaufsmanagerindex folgen auf den Eurostat-Bericht, der trotz der deutschen Konjunkturabschwächung einen Anstieg der Wachstumsrate in der Eurozone zeigt. Die 20 Mitgliedstaaten umfassende Region verzeichnete im zweiten Quartal dieses Jahres einen vierteljährlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent. Dies übertraf die Erwartungen der Analysten, die von einem Wachstum von 0,2 Prozent ausgingen.

Tordoir erklärte, dass die besser als erwarteten Daten zum europäischen Bruttoinlandsprodukt vor allem auf das starke Wachstum in Spanien, der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, zurückzuführen seien. Spanien lag bei einem Wachstum von 0,8 Prozent. Die Prognosen der Analysten waren nur von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen.

„Spanien ist jetzt der Lichtblick [der Eurozone]“, sagte er. „Es ist einer der Gründe dafür, dass der Durchschnitt der Eurozone bei 0,3 Prozent und nicht bei 0,2 Prozent lag.“

… und eine höher als erwartete Inflation

Eurostat meldete diese Woche auch, dass die Inflation in der Eurozone von 2,5 Prozent im Juni auf 2,6 Prozent im Juli gestiegen ist. Die Analysten hatten mit einem Rückgang auf 2,4 Prozent gerechnet.

Auch die Kerninflation war mit 2,9 Prozent höher als erwartet und lag damit auf dem gleichen Niveau wie im Juni.

Die Inflationsraten in Deutschland und Frankreich stiegen beide von 2,5 auf 2,6 Prozent.

Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei ING, sagte, die jüngsten Daten seien insgesamt „besser als befürchtet.“ Dennoch würden sie kein „rosiges Bild für die Eurozone“ zeichnen.

„Ich denke, die Botschaft ist eine von hartnäckiger Inflation [und] schleppendem Wachstum“, erklärte er gegenüber Euractiv.

Ein Trend, die harte Zinspolitik der EZB herunterzuspielen?

Brzeski merkte auch an, dass die aktuellen Inflationsdaten darauf hindeuten, dass die von den Märkten eingepreiste Zweidrittel-Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bei der nächsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September „etwas zu optimistisch“ sei.

„Für mich ist [die Entscheidung im] September wirklich völlig unentschieden. Ich würde eher auf 50-50 tippen“, sagte Brzeski.

Tordoir stimmte dem zu. „Es gibt hier ein Muster, die harte Haltung der EZB zu unterschätzen“, sagte er. Damit bezog er sich auf die zu optimistischen Aussichten der Märkte zu Beginn dieses Jahres, als Zinssenkungen im März und April erwartet wurden, aber niemals eintraten.

Die EZB hat ihren Leitzins von einem negativen Niveau auf ein Rekordhoch von vier Prozent angehoben. Ziel war es, den durch die russische Invasion ausgelösten starken Preisdruck zu dämpfen, der die Inflation in der Eurozone im Oktober 2022 auf einen Höchststand von 10,6 Prozent ansteigen ließ. Der Zielzinssatz der EZB liegt bei zwei Prozent.

Im Juni senkte die Bank den Zinssatz auf 3,75 Prozent, beließ ihn aber im Juli angesichts der anhaltend starken Lohn- und Dienstleistungsinflation unverändert. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte letzten Monat, dass die Entscheidung im September noch „völlig offen“ sei.

[Bearbeitet von Anna Brunetti/Chris Powers]