Interview: Exxon offen für Klimaschutz [DE]
ExxonMobil trägt aktiv zu der Debatte über die künftige US-Gesetzgebung zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes bei, erklärte der Vizepräsident für Public Affairs, Ken Cohen, in einem Exklusivinterview mit EURACTIV. Cohen verriet ebenfalls, was er bei der Umsetzung erwartet.
ExxonMobil trägt aktiv zu der Debatte über die künftige US-Gesetzgebung zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes bei, erklärte der Vizepräsident für Public Affairs, Ken Cohen, in einem Exklusivinterview mit EURACTIV. Cohen verriet ebenfalls, was er bei der Umsetzung erwartet.
Sie seien keine „Verleugner“ und sie verstünden, dass das Klima sich ändere. Er sei sich bewusst, dass viele Menschen Exxon abstempeln wollten, aber dies sei nicht die Wahrheit, so Ken Cohen, Vizepräsident für Public Affairs bei ExxonMobil im Interview mit EURACTIV.
Die Zunahme an Gesetzesinitiativen im Bereich Klimawandel im US-Kongress hat dazu geführt, dass ExxonMobil sich darum bemüht, seinen Einfluss auf die Ausformung der Gesetzgebung zu gewährleisten.
Es gäbe zwei Debatten, an denen man derzeit teilnehmen könne, sagte Cohen. Die eine sei: Ist der Klimawandel eine Tatsache? Was ist die Ursache? – also eine Art Schuldzuweisung. Die zweite Debatte beziehe sich auf die Frage: Was unternehmen wir dagegen? Exxon würde gerne an der zweiten Debatte teilnehmen.
Cohen warnte jedoch auch davor, dass alles, was effektiv den Preis für Kohlenstoff in die Höhe treibe, Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben werde.
Man müsse die wirtschaftlichen Auswirkungen der Politiken in Betracht ziehen, sagte Cohen, der betonte, dass Politikoptionen auch angepasst werden müssten, wenn es neue Erkenntnisse in der Wissenschaft gäbe.
Die Sorge von Exxon, neue US-Gesetzgebung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen könnten schmerzhaften Auswirkungen auf ihr Geschäft haben, sind gerechtfertigt und das Unternehmen ringt bereits mit der Umsetzung des EU-Emissionshandelssystems, wovon der europäische Betrieb des Unternehmens betroffen ist.
Schwierig bei Investitionen in Europa sei die Tatsache, dass die Kosten für Kohlenstoff sowohl langfristig als auch kurzfristig nicht einschätzbar wären, sagt Sherri Stuewer, Vizepräsidentin für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt bei ExxonMobil.
Wenn man eine Obergrenze für Kohlenstoff einführe, sei man immer in einer Position, in der man die Nachfrage einschätzen müsste. Und dies sei sehr schwierig. Exxon wisse aus Erfahrungen in der eigenen Branche, dass die Prognostizierung von Angebot und Nachfrage fast unmöglich sei.
Es gäbe also derzeit eine Situation, in der die Tochtergesellschaften in Europa sich an Exxon wenden und fragen würden, wie der langfristige Ausblick für die Kohlenstoffpreise sei, um Investitionen zu rechtfertigen. Und es gäbe keine Grundlage, um diese Fragen zu beantworten.
Sowohl Stuewer als auch Cohen sagen, dass Exxon in den USA eine andere Lösung befüworten würde. Im Gegensatz zu dem System der EU, wo CO2 zu dem Zeitpunkt des Ausstoßes durch die Verschmutzer (Kraftwerke, die metallverarbeitende oder chemische Industrie) selbst reguliert wird, verfolgen Stuewer und Cohen ein „Upstream“-System, bei dem CO2 an der Quelle reguliert wird.
Ein Upstream-System würde den Kohlenstoff dann begrenzen, wenn der Treibstoff auf den Markt komme, beispielsweise in einer Kohlengrube, einer Aufbereitungsanlage für Erdgas oder in einer Raffinerie, wo Treibstoffe in den kommerziellen Handel eingespeist würden, so Stuewer.
Nach Auffassung von Stuewer und Cohen läge der Hauptvorteil eines Upstream-Systems darin, dass an einem solchen Modell nur eine kleine Anzahl von Industrien teilnähme. Die Anzahl der Produzenten und Händler von Treibstoffen sei viel geringer als die Anzahl der Verbraucher, so Cohen.
Ein Upstream-System fände auf alle Treibstoffe Anwendung, wodurch es sich in äußert effektiver Weise auf die gesamte Wirtschaft erstrecken würde. Es müsste dann nicht mehr darüber spekuliert werden, wie die Fluggesellschaften zur Teilnahme an einem Handelssystem bewegt werden könnten, da die Kosten bereits in den Treibstoffpreisen enthalten seien.
Es handele sich um einen sehr einfachen Weg, ein Preissignal für Kohlenstoff in der gesamten Wirtschaft in einheitlicher Weise zu erhalten.
Um die Kohlenstoffpreise langfristig vorhersehbar zu gestalten, könnte nach Auffassung von Cohen und Stuewer dem System ein „Sicherheitsventil“ in Form einer Preisobergrenze zugefügt werden.
Ein solcher Mechanismus würde dafür sorgen, dass sich mit der Zeit eine gewisse Sicherheit einstellen würde.
Es sei wichtig, einheitliche und vorhersehbare Kosten für Kohlenstoff in der gesamten Wirtschaft zu etablieren. Im Anschluss würden die Märkte diejenigen Technologien auswählen, die zu Kostensenkungen führen könnten, anstelle dass die Regierungen versuchen würden, bestimmte Technologien vorzuschreiben, sagte Stuewer.
Im Hinblick auf künftige Geschäfte steht Exxon den bestehenden Energietechnologien für erneuerbare Energien skeptisch gegenüber und konzentriert sich lieber auf hochriskante, aber sehr lohnende neue Technologien, die spürbare Fortschritte bei der Senkung der Treibhausgasemissionen bringen könnten.
Es sei nicht so, dass zum jetzigen Zeitpunkt nichts unternommen werden könnte, sagte Stuewer und bezog sich dabei auf die Energieeffizienz von Elektrogeräten und Gebäuden, die ein enormes Potential zur Emissionsreduktion aufwiesen.
Energieeffizienz sei kurzfristig sehr reizvoll, jedoch könnten weder Effizienz noch die heutigen Technologien das Problem des Klimawandels langfristig lösen, so Stuewer.
Hierzu würden neue Technologien benötigt.
In diesem Punkt, so Exxon, könne das Unternehmen durch sein in Zusammenarbeit mit der angesehenen Stanford University eingerichtetes Forschungs- und Entwicklungsprogramm einen Unterschied machen.
Das Stanford-Programm umfasst Forschung über Biokraftstoffe der zweiten Generation, die aus Holzprodukten und Zellulose gewonnen werden, und zu höheren Erträgen pro Acker führen könnten.
Exxon kritisiert offen die heutigen Biokraftstofftechnologien, die auf Feldfrüchten basieren, beispielsweise aus Getreide gewonnenes Ethanol. Diese Treibstoffe würden schnell in großen Mengen verfügbar sein, jedoch nur, weil das dafür verwendete Getreide in großem Umfang Beihilfen erhalte.
Mit seinem Forschungs- und Entwicklungsprogramm wolle Exxon existenzfähige Unternehmen schaffen, die ohne Beihilfen auskämen und selbständig seien, so Stuewer.