Jahre zu spät: Großbritannien tritt EU-Forschungsförderung wieder bei

Während der Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs in Horizon Europe von der akademischen Gemeinschaft mit überwältigender Zustimmung aufgenommen wurde, sind einige der Meinung, dass die Jahre, die es gedauert hat ernsthaften Schaden angerichtet haben.

Euractiv.com
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Nach monatelangen Verhandlungen über die jährlichen Beiträge Londons haben die Europäische Kommission und die britische Regierung die Verhandlungen abgeschlossen und eine grundsätzliche Einigung über die Assoziierung des Vereinigten Königreichs an Horizon Europe im Rahmen des Handels- und Kooperationsabkommens erzielt, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. [Shutterstock/Gutzemberg]

Die Jahre, welche Großbritannien außerhalb des europäischen Forschungs- und Kooperationsprogramms Horizon Europe verbracht hat, hätten ernsthafte Schäden angerichtet, heißt es. Wissenschaftler sehen den Wiedereintritt daher nicht als großen Gewinn.

Nach monatelangen Verhandlungen über die jährlichen Beiträge Londons hatten die Europäische Kommission und die britische Regierung eine Einigung über eine Assoziierung Großbritanniens mit Horizon Europe erzielt, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Donnerstag.

„Es ist bereits viel Schaden angerichtet worden. Drei Viertel der britischen Unternehmen haben ihre F&E-Aktivitäten zwischen 2022 und 2023 ins Ausland verlagert oder hatten geplant dies zu tun, wobei 63 Prozent aller Unternehmen ihre Aktivitäten in EU-Länder verlegt haben“, sagte Dr. Jonathan Memel, zuständing für Fördermittel bei Ayming UK, gegenüber EURACTIV.

Premierminister Rishi Sunaks vorheriges Zögern, welches er als politisch motiviert sieht, deute auf „mangelndes Verständnis hin“, so Memel.

Ähnlich äußerte sich Emma Briant, eine britische Wissenschaftlerin und Professorin der Monash University, gegenüber EURACTIV, welche die Konservative Partei kritisierte.

„Die Mitgliedschaft in Horizon wurde durch die Brexit-Pläne der Konservativen gefährdet, die den britischen Universitäten die Planung unmöglich machten und ihren Beitrag zu Wissenschaft, Innovation und Bildung aufs Spiel setzten – nur um ihrer politischen Ziele willen“, so Briant.

„Nachdem wir die Hochschulbildung beschädigt haben, ist es kaum lobenswert, einen Weg zu finden, um in den vorherigen Status quo zurückzuzahlen, den wir mit geschaffen haben“, fügte sie hinzu.

„Die Regierung muss britische Unternehmen dabei unterstützen, in den kommenden Jahren das Beste aus dem Programm zu machen“, forderte Memel.

„Die Gefahr bestehe darin, dass wir in Bezug auf Horizon ein großes Hin und Her erlebt haben, und angesichts des Führens der Labour-Partei in den Umfragen könnten wir uns schon [nach den Wahlen] in 18 Monaten schon wieder mit einer neuen Politik wiederfinden.“

Zuvor hatten viele Experten aus der Wissenschaft positiv auf die Nachricht reagiert. 

„Die heutige Einigung wird die Zusammenarbeit in ganz Europa erleichtern, die Position des Vereinigten Königreichs als führenden Forschungsstandort festigen und wissenschaftliche Spitzentalente aus der ganzen Welt anziehen, um bahnbrechende Entdeckungen zu machen“, sagte Professor Sir Nilesh Samani, medizinischer Direktor der British Heart Foundation.

Das Vereinigte Königreich wird einen finanziellen Beitrag zum EU-Haushalt leisten müssen und unterliegt allen Schutzmaßnahmen des Handels- und Kooperationsabkommens, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Es wird geschätzt, dass das Vereinigte Königreich für seine Teilnahme an Horizon Europe und an der Copernicus-Komponente des Raumfahrtprogramms durchschnittlich fast 2,6 Milliarden Euro pro Jahr bereitstellen wird.

Die politische Einigung muss nun von den Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor sie im Fachausschuss EU-UK für die Teilnahme an Unionsprogrammen förmlich angenommen wird.