Juschtschenko: Russland ermordete 2010 den polnischen Präsidenten
Der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko machte die Russische Föderation für den Flugzeugabsturz 2010 verantwortlich, bei dem der ehemalige polnische Präsident Lech Kaczyński ums Leben kam.
Der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko machte die Russische Föderation für den Flugzeugabsturz 2010 verantwortlich, bei dem der ehemalige polnische Präsident Lech Kaczyński ums Leben kam.
Der Flugzeugabsturz am 10. April 2010 in der Nähe von Smolensk, Russland, war das tragischste Ereignis in der jüngeren Geschichte Polens.
Neben Kaczyński, dem Zwillingsbruder des derzeitigen Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), kamen 95 weitere Mitglieder der polnischen Delegation zum Jahrestag der Ermordung polnischer Offizier:innen durch die Sowjets im Jahr 1940 ums Leben, darunter die damalige First Lady, Minister:innen und Parlamentsabgeordnete.
In dem Interview mit dem ukrainischen Nachrichtenportal Gordonua.com antwortete Juschtschenko auf die Frage nach der russischen Beteiligung am Tod seines damaligen polnischen Amtskollegen, er sei „überzeugt“, dass der Kreml für den Flugzeugabsturz verantwortlich sei. Er fügte hinzu, dass er Kaczyński als „klugen Präsidenten mit der Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen“ wahrgenommen habe.
Juschtschenko sagte, Kaczyński sei ein Befürworter der polnischen Rolle als regionaler politischer Führungsmacht gewesen und ein Verfechter der Ukraine, der Europa für Kyjiw „zugänglich“ gemacht hätte.
Der Flugzeugabsturz von Smolensk im Jahr 2010 bleibt ein Streitpunkt in der polnischen Politik.
Während die meisten Berichte den Absturz auf menschliche Fehler und technische Defekte zurückführen, glauben viele in der PiS, darunter auch Jarosław Kaczyński, dass es sich um ein Komplott des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des damaligen Ministerpräsidenten Donald Tusk, dem späteren Präsidenten des Europäischen Rates, handelte. Tusk hatte ein schwieriges Verhältnis zu beiden Kaczyński-Brüdern.
Als Präsident wies Lech Kaczyński oft auf die Gefahren hin, die von der zunehmend aggressiven Politik Moskaus ausgehen. Sein Bruder Jarosław Kaczyński wird von vielen in Europa hingegen als höchst umstrittene Figur angesehen: sowohl seine Verbindung zu Viktor Orbán, Giorgia Meloni und anderen Rechtsaußen-Politiker:innen als auch die Tatsache, dass er Polen in den Konflikt mit der Europäischen Kommission über die Rechtsstaatlichkeit hineingezogen hat, werden ihm zu Last gelegt.
Wolfgang Schäuble, CDU-Mitglied und ehemaliger Bundesminister, sagte kürzlich dem Tagesspiegel, dass Kaczyński mit seiner berühmten Aussage nach dem russischen Einmarsch in Georgien recht hatte, dass „zuerst Georgien (Opfer der Moskauer Aggression werden könnte), dann die Ukraine, dann die baltischen Staaten und schließlich vielleicht Polen.“