Kasachstan kritisiert Untätigkeit der Europäer bei Nabucco

Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew wirft den Europäern vor, nicht genug für den Bau der Nabucco-Pipeline zu tun. Der Gas-Transport durch das Kaspische Meer wirft weiterhin Fragen auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel  wird vom kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew  mit militärischen Ehren empfangen. Nasarbajew wundert sich über das Nabucco-Management der EU. Foto: dpa.
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vom kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew mit militärischen Ehren empfangen. Nasarbajew wundert sich über das Nabucco-Management der EU. Foto: dpa.

Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew wirft den Europäern vor, nicht genug für den Bau der Nabucco-Pipeline zu tun. Der Gas-Transport durch das Kaspische Meer wirft weiterhin Fragen auf.

"In Europa wird viel geredet, aber nicht viel getan", sagte Nasarbajew am Sonntag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Astana. "Kasachstan war niemals gegen diese Projekt", betonte der kasachische Präsident. Zugleich wies er aber auf die damit verbundenen Probleme hin.

"Damit Kasachstan an Nabucco teilnehmen kann, muss erst eine Pipeline unter das Kaspische Meer gelegt werden", sagte Nasarbajew. Dagegen gebe es Einsprüche von Umweltschützern. Eine andere Variante wäre, am Kaspischen Meer einen LNG-Terminal zu bauen, um von dort Flüssiggas zu transportieren. Turkmenistan habe zwar erklärt, an Nabucco teilnehmen zu wollen, zugleich aber nicht viel für dessen Realisierung getan, sagte Nasarbajew laut deutscher Übersetzung.

Auch in den Gesprächen mit Merkel war die Pipeline wie auch Kasachstans Beitrag für die Rohstoffversorgung Europas ein Thema. Die EU und die Bundesregierung sehen den Bau dieser Pipeline als strategisch wichtig an, weil sie die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland reduzieren könnte. An dem Konsortium, das die Pipeline bauen will, ist unter anderem der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt. Chef-Lobbyist ist der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer.

Die Baukosten sollen etwa 7,9 Milliarden Euro betragen. Eigentümer der 3.300 Kilometer langen Leitung werden mit jeweils etwa 16,7 Prozent die Unternehmen Botas (Türkei), Bulgarian Energy (Bulgarien), MOL (Ungarn), OMV (Österreich), Transgas (Rumänien) und die deutsche RWE sein. Die EU fördert die Pipeline im Rahmen eines EU-Konjunkturprogramms mit 200 Millionen Euro.

Erst in der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass der russische Konzern Gazprom versucht hat, RWE zu einem Ausstieg bei Nabucco und statt dessen zu einer Kooperation an dem russischen Pipeline-Projekt South Stream zu bewegen (EURACTIV.de vom 12. Juli 2010). Die Kritik Nasarbajews der Untätigkeit wird von der EU und einigen EU-Regierungen durchaus geteilt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte die am Nabucco-Konsortium beteiligten Firmen vergangene Woche aufgefordert, bis Ende des Jahres eine konkrete Planung für den Bau des Milliarden-Projektes vorzulegen.

rtr/awr

Links

Bundesregierung: Pressekonferenz Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Nasarbajew in Astana. Mitschrift (18. Juli 2010).

EU-Kommission: "Konjunkturerholung: Zweiter Teil des 4-Milliarden-Euro-Pakets geht an 43 Gas- und Stromprojekte." Pressemitteilung (4. März 2010)

EU-Kommission:
Kommission bewilligt mehr als 1,5 Mrd. EUR für 15 CCS-Projekte und Offshore-Windenergie-Projekte zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung in Europa (9. Dezember 2009).

EU-Kommission: Initiates file downloadSelection of projects for the European Energy Programme for Recovery. Informationen und Kriterien (März 2010)." /