Klimaguru: US-Gesetz oder nicht, grüne Wirtschaft läuft

Staatsoberhäupter lieferten in Kopenhagen kein internationales Abkommen und die USA zögern bei einem Klimagesetz, doch es ist nicht alles verloren, da positive Aktionen zur Reduzierung von Kohleemissionen rasch entwickelt werden und wir mit großen Schritten auf den Klima-Energie-Wendepunkt zugehen, sagte der amerikanische Klimaguru Lester Brown EURACTIV in einem exklusiven Interview.

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Staatsoberhäupter lieferten in Kopenhagen kein internationales Abkommen und die USA zögern bei einem Klimagesetz, doch es ist nicht alles verloren, da positive Aktionen zur Reduzierung von Kohleemissionen rasch entwickelt werden und wir mit großen Schritten auf den Klima-Energie-Wendepunkt zugehen, sagte der amerikanische Klimaguru Lester Brown EURACTIV in einem exklusiven Interview.

"Wenn wir [in den USA] ein gutes Klimagesetz kriegen können, ist das toll. Falls wir keins kriegen, ist das nicht das Ende der Welt, da wir immer noch Kohlekraftwerke schließen und Windfarmen bauen werden", sagte Brown vor der Veröffentlichung seines neuen Buchs, Plan B 4.0.

Brown zufolge, der den in Washington ansässigen Think-Tank Worldwatch Institute gegründet hat, sind internationale Verhandlungen, um einen Nachfolgerdeal für das Kyotoprotokoll abzuschließen "obsolet", da der Hauptmotor für die Senkung von Emissionen stattdessen wahre Konkurrenz in der Entwicklung neuer Technologien sein wird.

Der Klimaguru scheute sich nicht, eine endlose Liste von Beispielen anzuführen. In Europa beschrieb er Desertec, die darauf hinarbeitet, Europa mit Strom zu versorgen, der aus der afrikanischen Wüste stammt, ein visionäres Projekt, das den Wechsel der EU zu sauberer Energie beschleunigen könnte.

Gleichermaßen bewegen sich die USA und China auf einen aggressiven Weg zur nachhaltigen Energie zu, indem sie rasch ihre Kapazitäten in Wind- und Solarenergie entwickeln.

Wenn sie in die richtige Richtung gehen, wird die Welt folgen, sagte Brown EURACTIV.

"Ich spüre, dass wir uns auf einen Wendepunkt zu bewegen. Wenn Sie sich nur die Dinge anschauen, die in den letzten paar Jahren geschehen sind – die Anti-Kohle-Bewegung, das europäische Desertec, die chinesischen Windprogramme – das alles ist innerhalb sehr kurzer Zeit geschehen und jedes dieser Beispiele ist eine signifikante Entwicklung in dem jeweiligen Feld. Keins der drei ist wirklich mit Klima-Gesetzgebung verbunden", betonte der amerikanische Klimaexperte.

Brown betonte, dass die Chinesen bisher keinen internationalen Klimadeal unterstützt hätten, weil "ein bedeutendes Abkommen Länder überall dazu bringen würde, in neue Technologien und neue Energiequellen zu investieren."

Ressourcenabbau, Verschmutzung und der Drang nach Energiesicherheit wird Länder dazu bringen, fossile Brennstoffe hinter sich zu lassen, sagte Brown, und erklärte, dass es lediglich eine Frage der Zeit sei, bevor Regierungen einsehen würden, was Unternehmen und basisdemokratische Bewegungen bereits begriffen haben: dass es Zeit ist, sich auf die neue grüne Energiewirtschaft zuzubewegen.

Wechselnde Zeiten

Verschiedene Trends in den USA zeigen deutliche Zeichen für einen Wechsel, so Brown. Er zitiert als ein Beispiel die Schrumpfung der US-Autoflotte, die im vergangenen Jahr um vier Millionen Fahrzeuge gesunken ist, mit 10 statt 14 Millionen verkauften Neuwagen.

Neuwagenverkäufe würden in der Zukunft weiter sinken, sagt Brown voraus, und erklärte, dass 80 Prozent der Amerikaner in Städten leben und junge Menschen in den USA ihre Haltung gegenüber Autos änderten.

"Als ich ein Teenager im Süden New Jerseys war, war der Führerschein und das erste Auto für alle meine Mitschüler ein Muss. Soziale Kontakte hingen vom Auto ab. Doch heute nutzen die Jugendlichen soziale Netzwerke oder tauschen sich über ihre Handys aus und Autos sind [nicht mehr] ein solch großer Teil des Sozialverhaltens von Teenagern."

Mächtige Anti-Kohle basisdemokratische Bewegung

Ein weiterer Faktor, die USA anzutreiben, einer kohlenstoffarmen Zukunft zuzuarbeiten, ist die mächtige basisdemokratische Bewegung, die gegen Kohlekraftwerke ist. "Dies hat es unmöglich gemacht, eine Lizenz für den Bau neuer Kohlekraftwerke zu erhalten und wir haben de facto  ein Moratorium für neue Kraftwerke", so Brown.

"Jetzt da die Kampagne gegen Kohlekraftwerke erfolgreich war, bewegen sich die Gruppen auf ein nächstes Level zu, indem sie die Schließung der Kraftwerke fordern", sagte er, und stellte hervor, dass mindestens 30 Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen.

Dem Worldwatch Institute zufolge ist die Kohlenutzung in den letzten zwei Jahren um 11 Prozent zurückgegangen, teilweise als Ergebnis der Rezession, doch auch aufgrund der verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energiequellen: während der gesamten Zwei-Jahres-Periode wurden 191 neue Windfarmen in den USA in Betrieb genommen.

Nuklearenergie: Viel Rauch ohne Feuer

Berichte dementierend, dass in den USA ein Nuklear-Revival statt fände, sagte der Klimaguru, dass die Wirtschaftlichkeit von Kernenergie durch die hohen Kosten für den Bau moderner Generatoren fast unmöglich geworden sei.

Seit Tschernobyl sei die Industrie größtenteils abgestorben, so Brown. "Heute gibt es nur wenige junge Leute, die Nuklearphysik und Nuklearingenieurswesen studieren. Viele der Lieferanten für diverse Bauteile sind größtenteils verschwunden. Daher ist es schwierig und sehr kostspielig geworden, neue Nuklearkraftwerke zu bauen", erklärte er und zitierte als Beispiel die Olkiluoto-Anlage in Finland, die nicht vor 2012, und damit drei Jahre nach Plan, fertig gestellt werden wird.

"Es gibt viel Krach. Doch Krach ist nicht das gleiche wie der Bau von Nuklearkraftwerken", sagte Brown.

Nahrungsmittelblase kurz vor dem Platzen

Die tatsächliche Krise die bald stattfinden würde, betreffe Grundwasserleiter. "Es gibt eine Reihe von Nahrungsmittelblasen in der Welt, die das Resultat von übertriebener Förderung sind. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in Ländern, in denen Grundwasserleiter dezimiert werden", sagte Brown und stellte fest, dass einige Länder wie Saudi-Arabien nicht länger unabhängig in ihrer Getreideproduktion sein würden.

Er sagt voraus, dass die Weltwirtschaft etwa gleichzeitig das Ölfördermaximum und den Spitzenwasserbedarf erreichen werde. "Beide betreffen die Nahrungsmittelsicherheit, was ein besorgniserregendes Thema darstellt", sagte er und forderte eine weltweite Anstrengung, die Wasserproduktivität in derselben Art zu steigern, in der die westlichen Staaten in den 1950er Jahren die Landnutzung strategisch verbessert hätten.

Um das vollständige Interview zu lesen (auf Englisch) klicken Sie bitte hier.