Kommission strebt nach einheitlicher EU-Nährwertkennzeichnung trotz Divergenzen
Die Europäische Kommission plant, noch in diesem Jahr einen Vorschlag zur Überarbeitung der Nährwertkennzeichnung für verpackte Lebensmitteln vorzulegen, mit dem Ziel, ein einheitliches System zu schaffen.
Die Europäische Kommission plant, noch in diesem Jahr einen Vorschlag zur Überarbeitung der Nährwertkennzeichnung für verpackte Lebensmitteln vorzulegen, mit dem Ziel, angesichts der derzeitigen Divergenzen zwischen den einzelnen Sektoren und Mitgliedstaaten ein einheitliches System zu schaffen.
Quellen der Kommission sagten gegenüber EFE Agro, dass der Vorschlag in den kommenden Monaten vorgelegt werden solle, obwohl die Tagesordnung immer vorläufig sei und es noch Änderungen geben könne.
Ziel sei die Harmonisierung der Verpackungskennzeichnung in der gesamten Europäischen Union durch ein verpflichtendes System, das den Verbraucher:innen dabei helfen soll, sich bewusst für gesunde Lebensmittel zu entscheiden.
Sechs Modelle auf dem Markt
Laut dem Europäischen Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) gelten in der EU derzeit sechs verschiedene Kennzeichnungsmodelle. Eines davon ist die weit verbreitete Referenzzufuhr, die von der Industrie entwickelt wurde.
Hinzu kommt der Nutriscore, eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala, die in Frankreich, Belgien, Deutschland und Luxemburg verwendet wird; das Hufeisen-Logo in Schweden, Dänemark und Litauen; das Healthy-Choice-Siegel in Polen und der Tschechischen Republik; das Herzsymbol in Finnland und die „NutrInform-Batterie“ in Italien.
Die italienische Wettbewerbsbehörde hatte im August letzten Jahres nach einer Beschwerde der dortigen Landwirt:innen die Entfernung des Nutriscore von den im Land vermarkteten Produkten erzwungen, mit der Begründung, es gebe hierzu keine europäische Rechtsgrundlage.
In Spanien, wo der Nutriscore auf freiwilliger Basis eingeführt wurde, hat die Regierung den Standpunkt vertreten, dass sie die Schlussfolgerungen aus Brüssel abwarten sollte, bevor sie das System reguliert.
Meinungsverschiedenheiten
Der Direktor für Lebensmittelpolitik, Ernährung und Gesundheit des spanischen Verbandes der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (FIAB), Enrico Frabetti, vertritt die Ansicht, dass alle Akteure in der EU nach denselben Regeln spielen sollten und dass die Verbraucher:innen in den verschiedenen Ländern über dieselbe Art von Informationen verfügen sollten, um mögliche Handelsverzerrungen zu vermeiden.
Er plädiert für ein System, das „wissenschaftlich fundiert ist, den Verbraucher:innen einen Mehrwert bietet, umsetzbar ist, Zutaten oder Produkte nicht diskriminiert und freiwillig und harmonisiert ist.“
Bei der Diskussion über die Einzelheiten der bevorstehenden Kennzeichnung gehen die Meinungen nicht nur innerhalb der verschiedenen Branchen auseinander, sondern auch zwischen den nationalen Regierungen und den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, sodass die Annahme eines einheitlichen Systems sich als äußerst kompliziert erweist.
Bruno Menne, Berater beim EU-Landwirtschaftsverband COPA-Cogeca, spricht sich etwa gegen ein Farbsystem wie den Nutriscore aus, da es „entmutige“, bestimmte Produkte gegenüber anderen zu bevorzugen.
Er bemängelt auch die „Verwirrung“, die diese Art der Kennzeichnung mit sich bringe, weil sie dem Vergleich von Produkten derselben Kategorie diene und nicht zwischen verschiedenen Kategorien.
Menne warnt vor den zusätzlichen Kosten für die Erzeuger, die sich an die unterschiedlichen Systeme in den einzelnen Ländern anpassen müssen, wenn sie ihre Produkte exportieren wollen.
Emma Calvert, Ernährungsexpertin beim Europäischen Verbraucherverband (BEUC), hält es für wichtig, dass die Kennzeichnung für alle Produkte verpflichtend gemacht wird, denn „viele Hersteller werden sie nicht verwenden, wenn sie nicht dazu gezwungen werden.“
Nutriscore als Referenz
„Wir hoffen, dass die Europäische Kommission sich von den wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lässt, die bisher besagen, dass Nutriscore das beste System ist, um eine gesunde Wahl zu treffen. Das künftige europäische System wird vielleicht nicht genau wie der Nutriscore aussehen, aber es sollte sich an der Farbcodierung, den 100g-Portionen und dem Algorithmus orientieren, der noch verbessert werden soll“, so Calvert.
Laut Laura Fernandez, Geschäftsführerin von Eufic, haben Studien gezeigt, dass unterschiedliche Systeme bei den Verbraucher:innen zu Verwirrung und Missverständnissen führen, sodass Etiketten effektiver sind, wenn sie bei allen Produkten einheitlich dargestellt werden.
Fernández äußerte die Hoffnung, dass die künftige Nachhaltigkeitskennzeichnung im Rahmen der europäischen „Farm to Fork“-Strategie mit der Nährwertkennzeichnung in Einklang gebracht werden solle.
Sie rief zudem zu einer besseren Aufklärung der Bürger:innen über gesunde und nachhaltige Ernährung durch Kampagnen auf.