Komplizierte Dreiecks-Beziehung: Griechenland, Russland und die Türkei
Angebliche Einmischung in das Namensabkommen mit Mazedonien sowie die verstärkte Zusammenarbeit mit Ankara belasten die russischen Beziehungen zu Griechenland.
Systematische Bemühungen, das Namensabkommen mit Mazedonien zu untergraben und die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Ankara und Moskau sind die Hauptgründe dafür, dass sich die Spannungen zwischen Griechenland und Russland in letzter Zeit verschärft haben, so Quellen aus Diplomatenkreisen gegenüber EURACTIV.com.
Die Beziehungen zwischen Athen und Moskau haben sich in den vergangenen Wochen zusehends verschlechtert, nachdem Griechenland am 11. Juli beschlossen hatte, zwei russische Diplomaten auszuweisen und zwei weiteren die Einreise zu untersagen.
Die griechische Regierung erklärte, sie habe Beweise dafür, die betroffenen Diplomaten hätten versucht, das kürzlich zwischen Griechenland und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien geschlossene Abkommen zu untergraben.
Mit einer Einigung im Namensstreit würde Skopje der Weg für den NATO-Beitritt geebnet.
Der Kreml vermutet, dass die Vereinigten Staaten hinter diesem Schritt stehen, was der russische Botschafter in Athen, Andrej Maslow als „enttäuschend“ bezeichnete.
Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete am 19. Juli, der russische Außenminister Sergej Lawrow werde angesichts der Spannungen zwischen den beiden Ländern ein geplantes Treffen in Athen im September absagen. „Ich denke, dass dieser Besuch in der gegenwärtigen Situation an Dynamik verlieren würde – zumindest zu den Terminen, über die wir gesprochen haben, nämlich im September,“ sagte der russische Botschafter.
Griechische Quellen betonten gegenüber EURACTIV: „Sie [die russischen Vertreter] haben um einen Besuch in Griechenland gebeten und wir haben eine Einladung verschickt […] Lawrow ist in Athen willkommen.“
Skopje und Athen warnen vor russischem Einfluss
Derweil war der griechische Botschafter in Moskau am Freitag ins russische Außenministerium eingeladen worden, um sich über den Fall der ausgewiesenen Diplomaten zu äußern. Die russische Führung verzichtete aber bisher darauf, Vergeltungsmaßnahmen anzukündigen.
Skopje und Athen haben sowohl in Richtung der EU als auch der USA vor einer weiteren Mobilisierung Russlands in der Region im Vorfeld des Referendums über die Namensfrage gewarnt. Das Referendum in Mazedonien soll im Herbst stattfinden.
Zoran Zaev, der Premierminister der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, hatte kürzlich erklärt, griechische Geschäftsleute mit „engen Beziehungen“ zu Moskau hätten in Skopje mazedonische Bürger bestochen, um vor dem Referendum „Gewalttaten zu begehen“.
Die Rolle der Türkei
Auch die neuen Machtverhältnisse in der weiteren Region tragen zur Verschärfung der Spannungen zwischen Moskau und Athen bei.
Die Annäherung zwischen der Türkei und Russland und ihre gemeinsamen Aktionen im Krieg in Syrien haben in Athen für Aufsehen gesorgt: „Die enge Zusammenarbeit im Syrischen Krieg zwischen Russland und der Türkei verstärkt unsere Verdachte weiter,“ sagten die diplomatischen Quellen. Ein weiteres beunruhigendes Thema für Athen seien die Pläne der Türkei, das russische Raketenabwehrsystem S-400 als Teil einer Kampagne zur Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeiten zu erwerben.
Reuters berichtete im April, US-Außenminister Mike Pompeo habe gegenüber dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu die „ernsten Bedenken der USA“ unterstrichen, sollte die Türkei das Raketenabwehrgeschäft weiter vorantreiben.
Aus der Sicht Athens versucht die Türkei auch, Einfluss auf ihre Nachbarn auf dem Nordbalkan auszuüben. So verhalte sich Ankara hinsichtlich des Namensdeals Griechenlands mit der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien keineswegs neutral.
Umgekehrt hofft Athen, dass die Einigung dem wachsenden Einfluss der Türkei auf dem Balkan Einhalt gebieten wird.
Der griechische Außenminister Nikos Kotzias hatte kürzlich in einem Interview mit EURACTIV.com betont, die Balkanstaaten und Griechenland „sollten zusammen für eine gemeinsame europäische Zukunft arbeiten“.
Bei einer Veranstaltung am Donnerstag in Athen sagte Kotzias in Richtung der Gegner des Namensabkommens, die wirkliche Gefahr sei nicht der „faire Kompromiss“ mit einem kleinen Staat wie Mazedonien. Viel gefährlicher sei es stattdessen, der Türkei die Kontrolle über die Region zu überlassen.
Kotzias fragte rhetorisch: „Sind wir nicht viel mehr in Gefahr, [wenn die Türkei] die Armeen aller unserer nördlichen Nachbarn ausbildet und Militärstützpunkte nördlich unserer Grenzen errichtet?“