Konflikt mit EU-Staaten: Norwegen bricht Fischfangquoten

EU-Staaten und die europäische Fischereiindustrie kritisieren Norwegen dafür, sich eigene Quoten für bestimmte Fischarten zu setzen. Sie fordern die EU-Kommission auf, Handelssanktionen zu ergreifen, um den europäischen Markt zu schützen.

Euractiv.com
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„Steuern wir auf einen Fischereikrieg zu?“, fragte der schwedische Minister Peter Kullgren (Bild R.) bei seiner Ankunft im Rat. [European Council]

EU-Staaten und die europäische Fischereiindustrie kritisieren Norwegen dafür, sich eigene Quoten für bestimmte Fischarten zu setzen. Sie fordern die EU-Kommission auf, Handelssanktionen zu ergreifen, um den europäischen Markt zu schützen.

Beim Treffen der EU-Landwirtschaftsminister am Montag (23. September) forderten diese die Europäische Kommission auf, gegen Norwegen vorzugehen, denn die Skandinavier hätte ihre europäischen Fischereiquoten für bestimmte pelagische Arten wie Makrelen überschritten.

„Steuern wir auf einen Fischereikrieg zu?“, fragte der schwedische Minister Peter Kullgren bei seiner Ankunft im Rat.

Er und seine Kollegen tauschten sich über die bevorstehenden Konsultationen mit Norwegen zu den Fangmöglichkeiten für 2025 aus, die zwischen Oktober und Dezember stattfinden sollen.

Seit dem Brexit werden eine Reihe von Beständen trilateral zwischen der EU, Norwegen und dem Vereinigten Königreich verwaltet.

Im vergangenen Jahr überschritt Norwegen einseitig seine Quoten.

Am 17. Juni 2024 unterzeichneten das Vereinigte Königreich, Norwegen und die Färöer ein trilaterales Abkommen über ihre Makrelenquoten für 2024, 2025 und 2026. Norwegens Anteil ist fast 38 Prozent höher als in den Jahren 2014 bis 2018, was die europäische Fischereiindustrie empörte.

Norwegen hat auch die gemeinsamen Quoten der EU in Spitzbergen (Arktischer Ozean) reduziert und beansprucht den exklusiven Zugang zu diesen Gewässern, was zu diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Partnern führte.

„Ich denke, sie sind ein bisschen zu starr geworden und wollen ein bisschen zu viel zurückhaben im Vergleich zu dem, wie wir traditionell vorgegangen sind“, so der schwedische Minister.

Das norwegische Fischereiministerium reagierte bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf die Anfrage von Euractiv.

Wirtschaftliche Sanktionen

Für den Pelagischen Beirat (PELAC), der die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten in Fragen der Fischereiwirtschaft berät, gefährdet dieses Vorgehen das nachhaltige Management der Bestände und verstoßen gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations Convention on the Law of the SeaUNCLOS), insbesondere gegen das Übereinkommen zum Schutz gefährdeter Arten.

Europêche, der EU-weite Fischerverband, warnte, dass diese „übermäßigen und aufgeblähten“ Quoten zur Schwächung der europäischen Fischereiindustrie beitragen.

Laut Kullgren habe die Kommission Norwegen aufgefordert, das UN-Abkommen zu respektieren, andernfalls werde das Problem „auf andere Weise angegangen, zum Beispiel durch die Verhängung von Zöllen auf Fisch“.

Da die EU der wichtigste Markt für norwegische Meeresfrüchte ist – 70 Prozent des norwegischen Lachses gehen in EU-Staaten – forderte der spanische Minister Luis Planas die Kommission auf, „ihre Interessen zu verteidigen“.

Die Irish Fish Producers‘ Organisation (IFPO) fordert ebenfalls, den Zugang norwegischer Zuchtlachse zum europäischen Markt zu beschränken, solange die Beamten in Oslo einseitige Quoten festlegen, die „über den wissenschaftlich empfohlenen Grenzen zur Erhaltung der Bestände liegen“.

Verfügbare Maßnahmen

Derzeit gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die von der EU angedrohte Reaktion eintreten wird. Am 12. September unterzeichnete die Kommission eine Reihe von Abkommen mit Norwegen – unter anderem im Rahmen eines Abkommens zur Abschaffung von Zöllen auf bestimmte Fische –, was den Marktzugang für norwegische Produkte in der EU weiter verbessern wird.

„Wir haben sehr umfassende Beziehungen [zu Norwegen], was bedeutet, dass uns die richtigen Werkzeuge zur Verfügung stehen, um die Verhandlungen erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, versicherte Zsolt Feldman, Ratspräsident und ungarischer Staatssekretär für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, bei der Pressekonferenz am Montagabend.

Der Rat und die Kommission setzen zudem auf den Kampf gegen illegale Fischerei durch importierte Produkte, insbesondere durch die Fischereikontrollsysteme, die ab 2026 für Drittländer verstärkt werden sollen.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Owen Morgan/Kjeld Neubert]