Kurz vor US-Besuch: Grönland einigt sich auf neue Regierungskoalition
Vier von fünf Parteien im grönländischen Parlament wollen am Freitag eine Koalitionsvereinbarung unterzeichnen. Der Zeitpunkt fällt mit der Ankunft von US-Vizepräsident J.D. Vance auf einem US-Militärstützpunkt in Grönland zusammen.
Vier von fünf Parteien im grönländischen Parlament wollen am Freitag eine Koalitionsvereinbarung unterzeichnen. Der Zeitpunkt fällt mit der Ankunft von US-Vizepräsident J.D. Vance auf einem US-Militärstützpunkt in Grönland zusammen.
Nur zwei Wochen nach der Wahl, bei der das 31 Sitze zählende Parlament neu bestimmt wurde, steht eine breite Koalition kurz vor dem Amtsantritt – inmitten wachsender geopolitischer Spannungen für die arktische Insel mit rund 56.000 Einwohnern.
Parallel zur Regierungsbildung wird Vance am Freitag auf der Pituffik Space Base im Norden Grönlands erwartet.
Ursprünglich war geplant, dass die Second Lady der Vereinigten Staaten, Usha Vance, privat die beiden größten Städte der Insel besucht und ein Hundeschlittenrennen verfolgt. Das teilte das Weiße Haus im Vorfeld mit.
Doch nach zunehmender Kritik in der grönländischen Öffentlichkeit und einer deutlichen Stellungnahme der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die von „inakzeptablem Druck“ auf Grönland und Dänemark sprach, wurden die Pläne deutlich reduziert.
Beim Besuch auf dem US-Stützpunkt wird Vizepräsident Vance von Energieminister Chris Wright, dem Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz und US-Senator Mike Lee begleitet, wie die dänische Tageszeitung Berlingske berichtet.
Neuer Regierungschef mit breitem Bündnis
Grönland, als autonomes Gebiet Teil des dänischen Königreichs, steht vor einem politischen Neustart. Der künftige Premierminister wird der 33-jährige Jens-Frederik Nielsen, dessen sozialliberale Partei Demokraatit bei der Wahl im März knapp 30 Prozent der Stimmen erhielt.
Die künftige Regierung bringt politische Lager zusammen, die ideologisch teils weit auseinanderliegen: Neben den wirtschaftsliberalen Demokraatit gehören die liberale Atassut, die sozialdemokratisch geprägte Siumut und die linksgerichtete Gemeinschaft der Inuit zum Bündnis. Zusammen verfügen sie über eine klare Mehrheit mit 23 von 31 Sitzen im Parlament.
Nicht Teil der neuen Koalition ist die unabhängigkeitsorientierte Partei Naleraq. Zwar bekennen sich auch die Demokraatit zur langfristigen Unabhängigkeit von Dänemark, doch unterscheiden sich die Parteien deutlich in der Frage des Tempos.
Naleraq hatte im Wahlkampf angekündigt, innerhalb der kommenden Legislaturperiode ein Referendum über die Unabhängigkeit abhalten zu wollen. Demokraatit hingegen setzt auf einen vorsichtigeren, schrittweisen Kurs.
Auch das verstärkte Interesse der USA an Grönland hat politische Spannungen offengelegt. Bereits am Wahlabend positionierte sich Nielsen deutlich und kritisierte Äußerungen des US-Präsidenten:
„Wenn man sieht, wie Trump spricht, dann müssen wir einen härteren Ton anschlagen“, sagte er gegenüber lokalen Medien.
Während Nielsen und mehrere Parteiführer Anfang März an einem Protest gegen US-Territorialansprüche teilnahmen, zeigte sich Naleraq enttäuscht über die reduzierten Pläne für den bevorstehenden US-Besuch.
„Ich würde jede Delegation aus jedem Land gerne empfangen“, erklärte Naleraq-Abgeordneter Kuno Fencker am Donnerstag im schwedischen Fernsehen. „Ich verstehe die Aufregung nicht.“