Kyjiw und weitere Städte unter russischem Beschuss

Die Einwohner:innen von Kyjiw sind am Montag von lauten Explosionen im Stadtzentrum geweckt worden. Es ist das erste Mal seit Juni, dass die ukrainische Hauptstadt unter Beschuss gerät offenbar als Vergeltungsschlag für den Angriff auf die Krim-Brücke am Samstag.

EURACTIV.com with agencies
Explosion Kyiv
Es wurden auch Explosionen in den Städten Dnipro, Schytomyr, Saporischschja, Mykolajiw , Chmelnyzkyj, Lwiw und Ternopil gemeldet. [Twitter]

Die Bürger:innen von Kyjiw sind am Montag (10. Oktober) wurden von lauten Explosionen im Stadtzentrum geweckt. Es ist das erste Mal seit Juni, dass die ukrainische Hauptstadt unter Beschuss gerät, offenbar als Vergeltungsschlag für den Angriff auf die Krim-Brücke am Samstag.

Explosionen, bei denen es sich scheinbar um Raketenangriffe handelte, erschütterten am Montag die ukrainische Hauptstadt und andere Städte, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin die Ukraine eines terroristischen Angriffs auf eine Brücke zwischen Russland und der Krim beschuldigt hatte. Daraufhin forderten Spitzenbeamte in Moskau Vergeltungsmaßnahmen.

Unter den getroffenen Einrichtungen befände sich Medienberichten zufolge auch die deutsche Konsularstelle. Die Gerüchte wurden vom Auswärtigen Amt bestätigt. Ein Sprecher betonte jedoch, es gebe dort seit Monaten „keinen Dienstbetrieb“, wodurch auch keine Konsularmitarbeiter:innen anwesend gewesen seien.

Dichter Rauch stieg aus dem Zentrum von Kyjiw auf, nachdem die Stadt von mehreren lauten Explosionen erschüttert worden war, wie Zeugen berichteten. Es war nicht sofort klar, was die Explosionen ausgelöst hatte, und es gab keine unmittelbaren Berichte über Verletzte.

Ein BBC-Reporter, der live aus Kyjiw berichtete, musste sich ducken, als in unmittelbarer Nähe eine laute Explosion zu hören war.

Es wurden auch Explosionen in den Städten Dnipro, Schytomyr, Saporischschja, Mykolajiw , Chmelnyzkyj, Lwiw und Ternopil gemeldet.

„Mehrere russische Raketenangriffe in der Ukraine. Putins einzige Taktik ist Terror gegen friedliche ukrainische Städte, aber er wird die Ukraine nicht zerstören. Das ist auch seine Antwort auf alle Beschwichtiger, die mit ihm über Frieden reden wollen: Putin ist ein Terrorist, der mit Raketen spricht“, twitterte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba.

Es wird mit weiteren Anschlägen gerechnet und die Kyjiwer Metrostationen werden als Bombenschutzräume genutzt.

Roman Rukomeda, ein ukrainischer politischer Analyst, der den Krieg seit dem ersten Tag regelmäßig für EURACTIV kommentiert, erklärte, der Angriff vom Montag, bei dem friedliche Bürger:innen getötet wurden, zeige die „totale militärische Hilflosigkeit“ Russlands auf den Schlachtfeldern.

Er erinnerte daran, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die Brücke von der ukrainischen Seite zerstört worden sei und nicht von einer russischen Gruppe, möglicherweise aus abtrünnigen Geheimdienstkreisen.

Rukomeda beharrte darauf, dass „Putins Terrorismus“ die Ukrainer:innen nicht entmutige, sondern sie stärker mache, „wütender und dem Endsieg verpflichtet.“

Der Angriff solle laut ihm endlich dazu dienen, dass die EU und die NATO beschließen, Russland als terroristischen Staat zu betrachten und das Aggressor-Land aus den UN, der OSZE und anderen internationalen Organisationen auszuschließen.

Putin sagte am Sonntag, die Explosion am Vortag auf der Brücke über die Straße von Kertsch, einer wichtigen Nachschubroute für Moskaus Streitkräfte in der Südukraine, sei „ein terroristischer Akt, der darauf abzielt, eine wichtige zivile Infrastruktur zu zerstören.“

„Dies wurde von den ukrainischen Spezialdiensten geplant, durchgeführt und angeordnet“, sagte er in einem Video auf dem Telegramm-Kanal des Kremls.

Die Ukraine hat sich nicht zu der Explosion bekannt, aber hochrangige russische Beamte forderten eine rasche Reaktion des Kremls vor einer Sitzung von Putins Sicherheitsrat am Montag.

Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sagte im Vorfeld der Sitzung, Russland solle die für den Anschlag verantwortlichen „Terroristen“ töten.

„Russland kann auf dieses Verbrechen nur mit der direkten Tötung von Terroristen reagieren, wie es anderswo in der Welt üblich ist. Das ist es, was die russischen Bürger:innen erwarten“, wurde er von der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zitiert.

Die Brücke von Kertsch ist eine wichtige Verkehrsader für den Hafen von Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, und ein imposantes Symbol für die russische Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014.