Luftfahrt ab 2012 im EU-Emissionshandelssystem
Fluggesellschaften müssen künftig Emissionszertifikate ersteigern. Um die Kosten für die Luftfahrtbranche in Grenzen zu halten, werden zunächst 85 Prozent der Emissionszertifikate kostenlos zugeteilt. Die Flugtickets werden dennoch teurer, sagt die EU-Kommission voraus.
Fluggesellschaften müssen künftig Emissionszertifikate ersteigern. Um die Kosten für die Luftfahrtbranche in Grenzen zu halten, werden zunächst 85 Prozent der Emissionszertifikate kostenlos zugeteilt. Die Flugtickets werden dennoch teurer, sagt die EU-Kommission voraus.
Die Luftfahrt wird ab 2012 in das EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) aufgenommen. Die Europäische Kommission hat am Montag (26. September) festgelegt, wie viele Emissionszertifikate die über 900 Fluggesellschaften bis 2020 kostenlos erhalten. Im kommenden Jahr sollen die Fluggesellschaften 85 Prozent der benötigten Emissionszertifikate kostenlos erhalten. Diese Quote sinkt bis 2020 auf 82 Prozent. Die Kommission beziffert den Wert dieser Zertifikate auf 20 Milliarden Euro.
Die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard spricht von "potenziellen Einnahmen", die die Fluggesellschaften in die Modernisierung ihrer Flotten, die Verbesserung der Treibstoffeffizienz und die Nutzung nichtfossiler Flugtreibstoffe investieren könnten.
Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament, widerspricht dieser "abenteuerlichen Rechnung der Kommission". Die Brüsseler Behörde wolle die Öffentlichkeit Glauben machen, dass sie Milliarden an die Luftverkehrsunternehmen verschenkt. "Das ist absurd. Die kostenlosen Emissionsrechte werden im Flugbetrieb verbraucht. Sie wurden auch deshalb durchgesetzt, um die Kosten durch den Emissionshandel im Rahmen zu halten. Die EU-Kommission besteht darauf, dass der Flugverkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leisten müsse, obwohl es kein internationales Abkommen gibt. Die EU-Kommission sollte sich fragen, ob sie eine Klimapolitik verantworten kann, die viel kostet, als europäischer Alleingang aber wirkungslos bleiben muss", so Krahmer.
EU-EHS verteuert Flugtickets
Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Ticketpreise aufgrund der neuen EU-Vorschriften steigen werden. Wenn die Fluggesellschaften die Kosten für das EU-EHS an die Kunden weiterreichen, könnte ein Transatlantikflug um 2 bis 12 Euro teurer werden.
Zusatzbelastung europäischer Airlines
Die Berliner Fluggesellschaft Germania rechnet mit einer finanziellen Zusatzbelastung im siebenstelligen Euro-Bereich und fordert einen Stopp der für 2012 vorgesehenen Einführung des Emissionshandels. Germania verweist darauf, dass die europäischen Airlines künftig in den Handel für Emissionszertifikate einbezogen werden, während die USA, China und Russland bereits angekündigt haben, das neue EU-System nicht zu akzeptieren.
"Ein europäischer Alleingang beim Emissionshandel führt zwangsläufig zu einer weiteren Wettbewerbsverzerrung zulasten einheimischer Fluggesellschaften", sagte Germania-Chef Axel Trampnau. Die Einführung der Luftverkehrssteuer Anfang 2011 habe bereits zu einer zusätzlichen Belastung deutscher Airlines und Airports geführt. Die Einführung des Emissionshandels stelle nun "eine akute Gefahr für die Profitabilität der Branche dar", so Trampnau.
Red.
Links
Europäische Kommission
Luftverkehr ab 2012 im Emissionshandel: Benchmarks veröffentlicht (26. September 2011)
Vorschriften für kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten an Fluggesellschaften (26. September 2011)
Reducing emissions from the aviation sector
Commission Decision on benchmarks to allocate greenhouse gas emission allowances free of charge to aircraft operators (Herbst 2011)
Questions & Answers on the inclusion of aviation in the EU’s Emission Trading System EU ETS (26. September 2011)