Massenproteste in Belgrad: Wachsender Druck auf Serbiens Präsident Vučić
Hunderttausende Menschen protestierten am Samstag in Belgrad gegen die autokratische Regierung von Präsident Vučić demonstriert. Seit vier Monaten gehen Menschen auf die Straße und fordern Klarheit über den Einsturz des Novi Sader Bahnhofs bei dem 15 Menschen ums Leben kamen.

Demonstranten klettern im Zentrum Belgrads auf Traktoren am 15. März 2025
Befürchtungen vor Gewalt vor den Protesten
Am Freitag waren etwa hundert Traktoren rund um den Präsidentenpalast geparkt und verliehen dem Gebäude das Aussehen einer improvisierten Festung, wie der französische Radiosender RFI berichtete. In der Nähe besetzten vermummte Schläger, die sich als Studenten ausgaben, sowie mehrere Dutzend Veteranen der Jugoslawienkriege seit mehreren Tagen einen Park.
„Die Regierung könnte versuchen, ihre gewalttätigsten Anhänger gegen die Demonstranten loszulassen“, warnte Vuk Vuksanović, Analyst am Belgrader Zentrum für Sicherheitspolitik. „Doch ein solcher Schritt würde die Mobilisierung nur weiter anheizen – insbesondere, da unklar ist, ob Polizei und Militär überhaupt noch vollständig unter der Kontrolle der Behörden stehen.“
Um die Loyalität der Sicherheitskräfte zu sichern, beschloss die serbische Regierung am Donnerstag eine plötzliche Gehaltserhöhung für die Mitarbeiter des Innenministeriums. Vučić verstärkte seine Drohungen und erklärte in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender RTS letzte Woche: „Diejenigen, die Gewaltakte begehen, werden hinter Gittern landen.“
Vučićs internationale Unterstützer
Trotz wachsender Opposition auf den Straßen genießt Vučić weiterhin die stillschweigende Unterstützung wichtiger europäischer Hauptstädte mit wirtschaftlichen Interessen in Serbien – darunter Berlin und Paris – sowie der EU-Institutionen. Allerdings hat sich die sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament den Forderungen der Studenten angeschlossen.
Auch sein amerikanischer Amtskollege Donald Trump steht Vučić zur Seite. Trump schickte seinen Sohn Donald Jr. nach Belgrad. Der Besuch folgte auf ein im vergangenen Jahr geschlossenes Abkommen mit einer Investmentfirma unter der Leitung von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Dabei geht es um Pläne ein Hotel auf dem Gelände des ehemaligen Hauptquartiers der jugoslawischen Volksarmee zu errichten, das bei der NATO-Bombardierung Belgrads 1999 beschädigt wurde.
Außerdem hat Vučić enge Beziehungen zu Moskau. Belgrad hat trotz seines offiziellen EU-Kandidatenstatus seit 2012 die Sanktionen der EU gegen Russland nie umgesetzt. Erst kürzlich erklärte Vučić, dass der russische Präsident Wladimir Putin „die legitimen Behörden Serbiens“ unterstütze.
[BTS]