Multilateralismus: Davos auf der Suche nach dem heiligen Gral

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos kommende Woche sollen neue Lösungsansätze für globale Herausforderungen debattiert werden.

EURACTIV.com
World Economic Forum 2018 in Davos
Anders als 2018 wird US-Präsident Donald Trump am diesjährigen Treffen in Davos nicht teilnehmen. Grund dafür ist der Shutdown daheim. [[Gian Ehrenzeller/EPA/EFE]]

Beim Treffen des Weltwirtschaftsforums kommende Woche in Davos sollen neue Modelle der internationalen Zusammenarbeit debattiert werden. Dies geschieht vor dem Hintergrund des zunehmenden Drucks vieler Menschen, die die Vorzüge der Globalisierung hinterfragen.

Mehr als 3000 Entscheidungsträger, darunter Wirtschaftsführer, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie 65 Staats- und Regierungschefs, werden am Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos vom 22. bis 25. Januar teilnehmen.

Diskutiert werden dürfte der globale Handelskrieg und die Ablehnung des Pariser Klimaabkommens durch US-Präsident Donald Trump (sowie den neuen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro). Viele sehen die multilaterale Zusammenarbeit zu einem Zeitpunkt gefährdet, da globale Risiken wie Migration, Cyber-Bedrohungen und Terrorismus immer wieder Schlagzeilen machen.

Vor diesem Hintergrund wird beim viertägige Forum im Schweizer Ferienort über neue Lösungsansätze diskutiert, um die globalen Herausforderungen  – vor allem im Zusammenhang mit der digitalen Revolution – besser anzugehen.

Globalisierung in Zeiten der Digitalisierung

Das diesjährige Thema des Treffens lautet „Globalisation 4.0: Shaping a Global Architecture in the Age of the Fourth Industrial Revolution“ (dt.: „Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution“).

Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums, erläutert das Motto: „Wir befinden uns in einer Zeit tiefgreifender globaler Instabilität, die durch die technologischen Umbrüche der Vierten Industriellen Revolution und die Neuausrichtung der Geoökonomie und der geopolitischen Kräfte ausgelöst wurde.“

Diese „vierte Welle der Globalisierung“ müsse „menschenzentriert, integrativ und nachhaltig“ gestaltet werden, fügte er in einer Botschaft an die Teilnehmer hinzu, zu denen auch der neue rechtsextreme brasilianische Präsident Jair Bolsonaro gehört.

US-Präsident Donald Trump war ursprünglich ebenfalls zur Teilnahme am Forum erwartet worden, hat diese inzwischen aber wegen des Shutdowns in den USA abgesagt. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wird nicht in Davos zugegen sein: Er sagte die Teilnahme kürzlich ab, um eine „nationale Debatte“ in Reaktion auf die Gelbwestenproteste zu führen.

Europa wird stattdessen repräsentiert durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie die Premierminister Italiens (Giuseppe Conte), Spaniens (Pedro Sánchez), Iralnds (Leo Varadkar), der Niederlande (Mark Rutte), Belgien (Charles Michel), Bulgariens (Bojko Borissow), Polens (Mateusz Morawiecki) und der Slowakei (Peter Pellegrini).

Weitere wichtige Teilnehmer aus der Weltpolitik werden der japanische Premierminister Shinzo Abe, der chinesische Vizepräsident Wang Qishan und Israels Premier Benjamin Netanjahu sein. Von Seiten der Europäischen Kommission wird eine sechsköpfige Delegation von Vizepräsident Jyrki Katainen angeführt.

Angst vor Wirtschaftskrisen und sozialen Umbrüchen

Das Forum findet zu einer Zeit statt, in der die Besorgnis über eine Verlangsamung der Weltwirtschaft und die Bedrohung einer neuen Rezession wieder wächst. Bereits im vergangenen Jahr warnten einige Teilnehmer vor der Gefahr einer neuen Wirtschaftskrise in den kommenden zwei Jahren. Tatsächlich wächst die Weltwirtschaft aktuell aber noch.

Entscheidungsträger und Wirtschaftsführer hatten sich während vergangener Treffen außerdem besorgt über die wachsende Instabilität durch die „digitale Revolution“ sowie die anhaltenden Ungleichheiten in den Industrieländern gezeigt.

Beim diesjährigen Treffen sollen nun diverse Debatten eingeleitet werden, um neue Ideen zur Anpassung des weltpolitischen Systems an diese Herausforderungen zu entwickeln.

Dabei wird es auch darum gehen, den im 20. Jahrhundert entstandenen globalen institutionellen Rahmen zu überdenken, um sicherzustellen, dass er im aktuellen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontext weiterhin relevant bleibt.

Gleichzeitig befinden sich auch andere internationale Institutionen wie die G20 und die Welthandelsorganisation (WTO) in einem Reformprozess, um die heutigen Probleme besser bewältigen zu können.

Die Vorsitzenden der wichtigsten multilateralen Organisationen – darunter die Chefs der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IMF), der WTO, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) und des transatlantischen Verteidigungsbündnisses NATO – werden ebenfalls an der Konferenz in Davos teilnehmen.