Mutmaßlicher russischer Spion hatte Zugang zu polnischen Geheimdienstdaten
Der mutmaßliche russische Spion Tomasz L. war Mitglied der Kommission zur Auflösung des Militärischen Informationsdienstes im Jahr 2006, die vom damaligen stellvertretenden Verteidigungsminister Antoni Macierewicz geleitet wurde, wie Journalist:innen von TVN24 herausfanden.
Der mutmaßliche russische Spion Tomasz L. war Mitglied der Kommission zur Auflösung des Militärischen Informationsdienstes im Jahr 2006, die vom damaligen stellvertretenden Verteidigungsminister Antoni Macierewicz geleitet wurde, wie Journalist:innen von TVN24 herausfanden.
L. war im Frühjahr verhaftet und angeklagt worden, für Russland spioniert zu haben, kurz nachdem der Einmarsch des Landes in die Ukraine begann.
Als die Partei Recht und Gerechtigkeit zwischen 2005 und 2007 in Polen regierte, war er Mitglied des Auflösungsausschusses des militärischen Nachrichtendienstes, des Militärischen Informationsdienstes (WSI), und er soll Zugang zu all dessen Daten gehabt haben.
Die Auflösung des WSI erfolgte im Zuge der Reformen im Land und der Koalitionsvereinbarungen der damaligen Regierung. Die Organisation wurde durch zwei getrennte militärische Nachrichtendienste und Gegenspionagedienste ersetzt.
Nach Angaben der polnischen Dienste vom März 2022 soll Tomasz L. operativ wertvolle Daten kopiert und an den Auslandsnachrichtendienst der Russischen Föderation übermittelt haben. Der Mann hatte Zugang zu den Beständen des Archivs des Zivilstandsamtes sowie zu den Beständen des Zentralarchivs für historische Aufzeichnungen und des Staatsarchivs der Stadt Warschau.
Der Autor des TVN24-Berichts, Piotr Świerczek, erklärte, dass Dokumente von außergewöhnlicher Bedeutung, die nur für die Augen polnischer Offizier:innen bestimmt waren, in die Hände des Spions gelangt sein könnten.
Es ist jedoch nicht bekannt, ob L. bereits 2006 als Spion tätig war.
„Tomasz L. hatte Zugang zu allem, was der Militärische Informationsdienst in seinen Ressourcen angesammelt hatte“, sagte Świerczek.
Tomasz L. war festgenommen worden, weil er sich mit einem russischen Diplomaten traf, der höchstwahrscheinlich von der polnischen Spionageabwehr beobachtet wurde.
Antoni Macierewicz selbst wies auf Twitter die Berichte zurück: ‚Ich informiere Sie darüber, dass ich rechtliche Schritte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer Verleumdung in der Gazeta Wyborcza einleiten werde, die auf der falschen Information beruht, dass Tomasz L., der verdächtigt wird, für Russland zu spionieren, Mitglied der WSI-Verifizierungskommission war.“