NATO Cyberabwehr Konferenz: Kollektive Unterstützung bei Cyberangriffen

Im Auswärtigen Amt fand am Donnerstag und Freitag (9./10. November) die erste jährliche NATO ‘Cyber Defence Conference’ statt. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen den NATO-Mitgliedern und mit dem Privatsektor zu verstärken.

Euractiv.de
„Wir müssen in unsere Abwehr investieren, indem wir zwischen diesen verschiedenen Bereichen, öffentlich und privat, zusammenarbeiten“, appellierte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (rechts). [Clemencs Bilan / epaimages]

Im Auswärtigen Amt fand am Donnerstag und Freitag (9./10. November) die erste jährliche NATO ‘Cyber Defence Conference’ statt. Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen den NATO-Mitgliedern und mit dem Privatsektor zu verstärken.

„Die NATO ist perfekt positioniert, um Informationen auszutauschen, Innovationen zu verbreiten und unsere kollektive Verteidigung im Cyberspace zu koordinieren“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag (9. November) auf dem Cyberverteidigungsforum.

In seinen Ausführungen forderte Stoltenberg die NATO-Mitgliedstaaten auf, die Zusammenarbeit bei neuen Technologien und der Cybersicherheit zu verstärken und gemeinsame Projekte mit dem Privatsektor zu unterstützen.

„Durch die NATO können wir zusammenarbeiten, um unsere eigene Cybersicherheit zu stärken, einen sicheren Cyberraum für alle aufzubauen und unsere eine Milliarde Menschen zu schützen“, sagte Stoltenberg.

„Es ist nicht möglich, unsere Nationen ohne den privaten Sektor zu schützen. Deshalb müssen wir miteinander reden, planen und mehr gemeinsam üben“, fügte er hinzu.

Stoltenberg bekräftigte abermals, dass künftige Cyberangriffe möglicherweise den NATO-Artikel 5, die gegenseitige Verteidigungsklausel des Bündnisses, auslösen könnten.

Die Staats- und Regierungschefs der NATO bekräftigten in ihrem Kommuniqué zum Gipfeltreffen in Vilnius die Position des Strategischen Konzepts des Bündnisses, wonach der „Cyberspace jederzeit gefährdet ist“ und die NATO nicht nur unter den Bedingungen eines internationalen bewaffneten Konflikts betroffen sei.

„Wir sind entschlossen, das gesamte Potenzial einzusetzen, um das gesamte Spektrum der Cyber-Bedrohungen abzuschrecken, abzuwehren und zu bekämpfen, auch durch die Erwägung kollektiver Reaktionen“, wurde noch vor dem Sommer verkündet.

Vorsicht bei ausländischen Technologien

In seinen Ausführungen warnte Stoltenberg die Verbündeten davor, bei der Entwicklung kritischer digitaler Infrastrukturen auf chinesische Technologien zu vertrauen.

„Wir haben gesehen, was passiert, wenn wir uns bei unserer Energieversorgung auf Russland verlassen. Wir sollten diesen Fehler nicht wiederholen, indem wir uns bei der Bereitstellung der Technologie für unsere kritischen Netzwerke auf China verlassen“, sagte er.

„China ist zwar nicht unser Gegner, aber es teilt auch nicht unsere Werte. Und es ist entschlossen, die Zukunft des Cyberspace nach seinem eigenen Bild zu gestalten. Mit wenig Transparenz und ohne Rücksicht auf die Menschenrechte“, sagte Stoltenberg und beschuldigte Peking, neue Technologien als Mittel zur Unterdrückung im eigenen Land einzusetzen.

„Und es exportiert seine Technologien, einschließlich der Gesichtserkennung, als Instrumente der staatlichen Kontrolle in Länder auf der ganzen Welt“, fügte der NATO-Chef hinzu.

Mehr Kooperation erforderlich

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Stärkung der Cyberverteidigung des Nordatlantikpakts auf politischer, militärischer und technischer Ebene. Ebenfalls hat man sich in Berlin über das Potenzial für erhebliche Schäden durch Cyberbedrohungen ausgetauscht.

Künftig sollen jährlich politische, militärische und technische Entscheidungsträger zusammenkommen, um die Zusammenarbeit in Cyberfragen zu erörtern.

„Wir müssen in unsere Abwehr investieren, indem wir zwischen diesen verschiedenen Bereichen, öffentlich und privat, zusammenarbeiten“, appellierte Außenministerin Annalena Baerbock.

„Die Konferenz wird eine Plattform für Experten sein, die über diese Dimensionen diskutieren, und sie wird dazu dienen, die Zusammenarbeit in unserem Bündnis zu fördern“, fügte die Außenministerin hinzu.

„Wir bereiten den Boden für einen besseren Austausch von Informationen und bewährten Verfahren“, so Baerbock.

Albanien als Musterbeispiel

In Bezug auf die Bedeutung der Cyberverteidigung erinnerte Baerbock in ihrer Eröffnungsrede an den iranischen Cyberangriff auf Albanien im letzten Jahr.

„Das ist ein typischer Fall, als Hacker den albanischen Dienst angriffen, hat der militärische Bereich schnell gehandelt“, so Baerbock.

2022 wurde das NATO-Mitglied Albanien mit einer schweren Cyberattacke aus dem Iran angegriffen. Betroffen waren wichtige digitale Regierungsinfrastrukturen wie eine der wichtigsten Banken des Landes, Credins. Auch wurden abgegriffene Daten veröffentlicht. Im Januar berichtete die albanische Regierung, immer noch täglich mit iranischen Cyberangriffen konfrontiert gewesen zu sein.

„Die Integration der Cybertechnik führte zu einer wirksamen Cyberabwehr“, betonte die Außenministerin.

Albanien ist es jedoch gelungen, die vollständige Abschaltung der Systeme und die Löschung aller Daten zu verhindern, was das Hauptziel des Cyberangriffs war. Neben der Ausweisung von iranischen Diplomaten wurden Sanktionen gegen die mutmaßlichen Drahtzieher aus Teheran verhängt.

Strategie für internationale Digitalpolitik

Mit der Strategie für internationale Digitalpolitik strebt die Bundesregierung an, Deutschland ressortübergreifende internationale und digitale Themen zusammenzubringen und Deutschland und die EU international konkurrenzfähiger zu machen.

„Deutschland sollte hier eine treibende Rolle einnehmen, denn der Krieg findet nicht mehr nur analog statt und hat uns digital längst erreicht“, äußerte Vera Demary, Digital-Expertin am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gegenüber Euractiv.

Da die Digitalisierung und Cybersicherheit nicht an Ländergrenzen aufhört, ist ein international abgestimmtes Verhalten von Regierungen und Staaten erforderlich.

„Vor dem Hintergrund dieses Vorhabens kommt der NATO Cyber Defense Gipfel zu einem günstigen Zeitpunkt, weil er sich thematisch gut einfügt“, fügte Demary hinzu.

Ein zentrales Element spielt bei der Abstimmung das Forum der Vereinten Nationen, welches China und Russland derzeit nutzen, um anhand der Cybercrime Convention die globale digitale Ordnung autoritärer umzugestalten.

„Ein abgestimmtes Verhalten der NATO-Partner ist dafür wichtig, um effizient und effektiv vorgehen zu können“, so Demary gegenüber Euractiv.

Der Artikel wurde nach der Veröffentlichung nachträglich bearbeitet, um weitere Inhalte der Konferenz darzustellen.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert/Luca Bertuzzi/Alexandra Brzozowski/Nathalie Weatherald]