Naturschutz beim Ausbau der Stromnetze
Die EU-Kommission treibt den Ausbau der europäischen Stromnetze mit Hochdruck voran. Naturschutzbelange dürfen dabei nicht zu kurz kommen, fordern Umweltverbände und europäische Netzbetreiber in einer gemeinsamen Erklärung.
Die EU-Kommission treibt den Ausbau der europäischen Stromnetze mit Hochdruck voran. Naturschutzbelange dürfen dabei nicht zu kurz kommen, fordern Umweltverbände und europäische Netzbetreiber in einer gemeinsamen Erklärung.
Die EU-Kommission will den Ausbau des Stromleitungsnetzes in Europa finanziell fördern und beschleunigen. Die Genehmigungsverfahren für Gasfernleitungen und Stromnetze von "gemeinsamem Interesse" sollen auf maximal drei Jahre begrenzt werden. Das hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger Mitte Oktober 2011 vorgeschlagen.
Umweltverbände sind alarmiert, dass die Einhaltung der europäischen Naturschutzrichtlinien und der Erhalt der biologischen Vielfalt beim Schnell-Ausbau der Stromnetze auf der Strecke bleiben könnten. Nichtregierungsorganisationen (NGOs), darunter WWF, Greenpeace, Germanwatch, Friends of the Earth und BirdLife (Dachverband des NABU) haben am Donnerstag (10. November 2011) in Brüssel gemeinsam mit europäischen Netzbetreibern die "European Grid Declaration" unterzeichnet.
Industrie und Umwelt
Zu den Vertretern der Industrie gehören die Unternehmen 50Hertz Transmission (Deutschland), Elia (Belgien), National Grid (Großbritannien), RTE (Frankreich) Statnett (Norwegen), Swissgrid (Schweiz), TenneT (Deutschland).
"Mit der europäischen Koalition aus Netzbetreibern und Umweltorganisationen wollen wir zeigen, dass es bei Planung, Bau und Betrieb neuer Stromleitungen viele Möglichkeiten gibt, negative Auswirkungen auf die Natur zu begrenzen. Dazu müssen nicht die Gesetze geändert, sondern praxistaugliche Regelungen und Hilfen für die richtige Anwendung des geltenden Rechts entwickelt werden", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung. Die Umweltorganisationen seien herausgefordert, "mit den Netzbetreibern konstruktiv zusammen zu arbeiten, um den wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien sinnvoll in das Stromsystem zu integrieren", so Tschimpke weiter.
In der Erklärung haben sich die Vertreter europäischer Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen auf gemeinsame Prinzipien für den Netzumbau, die Prüfung von Alternativen und deren Umweltverträglichkeit, die verstärkte Beteiligung der Bevölkerung, den gemeinsamen Erfahrungsaustausch sowie die Minimierung von Auswirkungen auf Natur und Umwelt verständigt.
Die Unterzeichner der Erklärung arbeiten seit 2009 in der Renewable Grid Initiative an gemeinsamen Positionen, wie Europas Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden kann.
mka
Links
European Grid Declaration (10. November 2011)
Zum Thema auf EURACTIV.de
EU-Kommission legt Energiestrategie 2020 vor (10. November 2011)
EU-Szenarien zum Umbau der Strom- und Gasnetze (1. November 2011)
Schnellverfahren und EU-Förderung für Energienetz (19. Oktober 2011)
EU plant Schnellverfahren für Strom- und Gasleitungen (17. Oktober 2011)
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